05.04.2019 - 17:13 Uhr
OberviechtachOberpfalz

Denkmal für Barockprediger

Oberviechtach hat vier berühmte Söhne. Neben Doktor Eisenbarth, Pfarrer von Miller und Pater Zahlwein gibt es da noch den Prediger Pater Balthasar Knellinger. Erst vor 20 Jahren wurde ihm ein Denkmal errichtet. Das hat seinen Grund.

Das Knellinger-Denkmal an der Teunzer Straße/Abzweigung Wolfgrubenweg wurde im Jahr 1999 auf Initiative des Heimatkundlichen Arbeitskreises errichtet. Neben den Sitzbänken erfreuen im Sommer die Rosenbeete.
von Gertraud Portner Kontakt Profil
Die Plastik inmitten des Granit-Pavillons zeigt Pater Balthasar Knellinger im Kreis der Gläubigen. Der gebürtige Oberviechtacher gilt als bekanntester Barockprediger des 17. Jahrhunderts im Raum München/Augsburg.

Der Barockprediger Pater Balthasar Knellinger aus dem Orden der Gesellschaft Jesu zählt zu den großen Oberviechtachern. Geboren wurde er am 23. April 1634 in den Wirren des Dreißigjährigen Krieges. In den 1680er-Jahren galt er als einer der beliebtesten Kanzelredner im Herzogtum Bayern. Bekannt geworden ist er aber durch die Veröffentlichung seiner Predigtsammlungen, die besonders bei den Dorfpfarrern beliebt waren. In der Heimat wurde man erst relativ spät auf Balthasar Knellinger aufmerksam. „Erst Pfarrer Konrad Schießl hat ihn 1977 entdeckt, als er die Geschichte der Pfarrei Oberviechtach erforschte“, berichtet Ludwig Schießl, Vorsitzender des Heimatkundlichen Arbeitskreises (HKA) auf Nachfrage von Oberpfalz-Medien.

Initiative ergriffen

Alle bisher bekannten großen Söhne der Stadt sind in der Zeit des Barock (1600 bis 1720) geboren: Pater Balthasar Knellinger (1634), Doktor Johann Andreas Eisenbarth (1663), Pfarrer Florian Sigmund Maximillian von Miller (1668), Pater Gregor Adam Zahlwein (1712). Sie sind in Straßennamen verewigt und seit Jahrzehnten im Stadtbild präsent: Eisenbarth-Brunnen am Marktplatz 12, Zahlwein-Gedenkstein gegenüber der Sparkasse, Miller-Graffiti am AOK-Gebäude. Im Jahr 1999 erhielt dann auch Knellinger ein Denkmal. Dieses wurde auf dem städtischen Grundstück an der Teunzer Straße/Abzweigung Wolfgrubenweg errichtet.

„Wir wollten damals Pater Knellinger würdigen, als einen der wenigen berühmten Oberviechtacher“, sagt HKA-Vorsitzender Ludwig Schießl. Der Heimatkundliche Arbeitskreis hatte die Initiative ergriffen und wie Schießl betont „Spendengelder in erheblicher Höhe akquiriert.“ Künstler Horst R. Bittner machte den Entwurf und die Firma Herrmann aus Krähhof stellte den Granitpavillon am Rosenhügel auf. „Es wurde ein wunderbares Ensemble“, schwärmt Schießl. Die Einweihung fand im November 1999 statt. Auch ein Jesuitenpater von St. Michael aus München war anwesend. Hier, im Kollegium der Gesellschaft Jesu zu München, wirkte der Oberviechtacher als Kanzelprediger, bevor er von 1685 bis 1688 als Domprediger in Augsburg eingesetzt war. Am 2. Juli 1696 ereilte ihn beim Austeilen der Kommunion ein Schlaganfall, an dem er verstarb..

Charisma und Sprache

„Der HKA hat Knellinger auch mit einer Publikation gewürdigt und zwar mit dem Band zwei der Oberviechtacher Museumsschriften“, betont Dr. Ludwig Schießl. Grundlage dafür war die Zulassungsarbeit der Gymnasiallehrerin und ehemaligen Schülerin am Ortenburg-Gymnasium Sandra Binder aus Schönthan für ihr Germanistikstudium an der Universität Regensburg. In diesem Werk wird deutlich, welch umfangreiches Schrifttum der gebürtige Oberviechtacher hinterlassen hat. Insgesamt sind von ihm acht Predigtsammlungen, davon eine dreibändig, eine andere siebenbändig, sowie ein Theaterstück in lateinischer Sprache erschienen. Jedes seiner Werke erlebte wenigstens zwei Auflagen, denn etwa 50 Jahre nach seinem Tod wurden alle acht Sammlungen noch einmal gedruckt. Darunter befanden sich auch „Leichenpredigten“.

Das Bemühen Knellingers habe sich hauptsächlich darauf gerichtet, den schlichten Dorfpfarrern durch die Predigt-Veröffentlichungen eine Hilfe zu bieten. Binder zieht folgendes Resümee: „Die wenigen Lebensstationen, die nachgewiesen werden können, zeichnen das Bild eines Mannes, der aufgrund seines rhetorischen Talents, seiner Ausstrahlung und Charismas, seiner Bildung und auch wegen seines bescheidenen und gottesfürchtigen Wesens zu einem wichtigen Vertreter der barocken Predigt in Bayern wurde“.

Die Plastik inmitten des Granit-Pavillons zeigt Pater Balthasar Knellinger im Kreis der Gläubigen. Der gebürtige Oberviechtacher gilt als bekanntester Barockprediger des 17. Jahrhunderts im Raum München/Augsburg.
Daten:

Pater Balthasar Knellinger

n Lebenslauf

Geboren am 23. April 1634 in Oberviechtach; Besuch des Gymnasiums (wahrscheinlich in Amberg). 1652: Eintritt in den Jesuitenorden; Philosophie- und Theologiestudium in Ingolstadt; 1665: Priesterweihe in Eichstätt. Wirkungsorte: Kanzelprediger im Jesuitenkollegium St. Michael in München und von 1685 bis 1688 Domprediger in Augsburg. Verstorben am 2. Juli 1696 während eines Gottesdienstes.

n Lebensleistung

Seine Schriften (acht Predigtsammlungen und ein Theaterstück) erwiesen ihn als wortgewaltigen Prediger, der unter den Meistern der Kanzelberedsamkeit des Barock einen vorderen Rang einnimmt und in der deutschen Literaturgeschichte seinen Platz hat. In der Sorge um den Landklerus (Dorfpfarrer) hat er sich für eine echte Reform der Kirche des 17. Jahrhunderts größte Verdienste erworben.

Wir wollten damals Pater Knellinger würdigen, als einen der wenigen berühmten Oberviechtacher.

Ludwig Schießl, HKA-Vorsitzender

 

 

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