23.03.2021 - 16:43 Uhr
OberviechtachOberpfalz

Appell des Oberviechtacher Chefarztes: Klinikaufenthalte nicht hinauszögern

Es ist eine Angst, die schwere gesundheitliche Folgen haben kann oder hat: Die Angst vor einer Corona-Infektion hält Patienten von nötigen Klinikbehandlungen ab. "Etwa 30 Prozent", schätzt Dr. Christian Glöckner, Chefarzt in Oberviechtach.

Das Ärzteteam der Asklepios-Klinik Oberviechtach registriert mit Sorge, dass Kranke aus Furcht vor einer Corona-Infektion Behandlungen im Krankenhaus aufschieben.
von Claudia Völkl Kontakt Profil

Dr. Christian Glöckner, Ärztlicher Direktor der Asklepios Klinik Oberviechtach, möchte sensibilisieren, ein Alarmsignal geben: Er beobachtet, dass Patienten aus Furcht vor einer Ansteckung mit dem Corona-Virus Behandlungen, Termine im Krankenhaus auf die lange Bank schieben. Nicht selten mit gravierenden Folgen.

Ein Plädoyer für die Impfung

Oberviechtach

Der Mediziner hat dabei aktuelle Fälle im Blick. Einen Patienten mit Blut im Stuhl, der erst nach vier Wochen, als die Beschwerden schon dramatische Züge annahmen, in die Klinik kam: Dickdarmpolypen, starke Blutarmut, schwere Atemnot. "Das ist, wie wenn nur noch ein viertel Liter Öl im Auto ist", vergleicht Glöckner bildlich die bedrohliche Situation. Der Internist erzählt von einer Seniorin, die bewusstlos zu Boden fiel, weil ihr Herz bis zu acht Sekunden aussetzte. Was, wenn das im Straßenverkehr passiert? Ein Herzschrittmacher könne für Abhilfe sorgen – wenn der Patient zum Arzt geht, beziehungsweise den Eingriff im Krankenhaus machen lässt. Und ebenso wichtig: Kontrolluntersuchungen einhalten.

Dr. Glöckner hat jedoch derzeit den Eindruck, "dass Kranke ihre Beschwerden herunterspielen". Beispielsweise Schmerzen in der Brust, im Arm- und Halsbereich. Doch ein "verschleppter" Herzinfarkt habe irreparable Schäden. Die Infektionswelle führe dazu, dass manche Patienten mit schweren und lebensbedrohlichen oder auch chronischen Erkrankungen aus Angst vor dem Virus drängend notwendige Behandlungen meiden und zu spät ins Krankenhaus kommen. Doch Grunderkrankungen seien oft weit gefährlicher als das Risiko einer Corona-Ansteckung

Therapien nicht aussetzen

Dr. Glöckner konkretisiert: "Herzbeschwerden, entgleiste Stoffwechselerkrankungen, plötzlich einsetzende Gefühlsstörungen sind Beispiele für Symptome von lebensbedrohlichen Erkrankungen, die eine sofortige Behandlung erfordern". Ähnliche Gefahren bestehen auch für Patienten, die an Krebs erkrankt sind. Denn: "Ohne Behandlung wachsen Tumore weiter, dehnen sich in Bereiche aus, wo wir nicht mehr operieren können und bilden Tochtergeschwülste." Man dürfe anstehende Behandlungen oder begonnene Tumortherapien nicht bis nach der Pandemie aussetzen. Verzögerungen können viele Erkrankungen massiv verschlechtern, so dass die Beschwerden schlecht beherrschbar werden und eine Behandlung nur noch mit erheblich größerem Aufwand möglich ist. „Oft kann durch frühzeitige Behandlung ein Aufenthalt im Krankenhaus deutlich verkürzt werden – ist die Erkrankung jedoch schon weiter fortgeschritten, ist ein längerer Krankenhausaufenthalt meist nicht zu vermeiden“, so der Arzt.

Wenn er einen Blick auf die Patientenzahlen wirft, schätzt Dr. Glöckner, dass "etwa 30 Prozent" mit Untersuchung oder Aufenthalt zögern. Die Ursache: Covid-19. Zu Beginn der Pandemie hieß die Devise in größeren Häusern, nicht unbedingt erforderliche Operationen und Behandlungen aufzuschieben, um einer Überbelastung vorzubeugen. Und Patienten hätten auch angesichts der hohen Zahl an Infektionen im Landkreis Schwandorf Angst vor einer Ansteckung im Krankenhaus, obwohl ausgefeilte Hygienekonzepte greifen.

Kein Covid-Haus

Christian Glöckner streicht deshalb noch einmal einen Plus-Punkt des Oberviechtacher Hauses heraus: Es sei kein Covid-, sondern ein Allgemeinkrankenhaus, eine Klinik der Grundversorgung. Und das, was im ersten Stock als Not-Abteilung vom Landkreis vorgehalten werde, "sind nur leere Räume mit Bettgestellen".

Dr. Glöckner ist erleichtert und stolz darauf, dass es in dem 45-Betten-Haus bisher weder beim Personal noch bei Patienten eine Corona-Ansteckung gegeben habe. Wenn jemand mit Symptomen eingeliefert werde, komme er in ein spezielles Notfallzimmer, werde getestet und dann in ein entsprechendes Haus weiterverlegt.

Im Oberviechtacher Haus werden als Schutzmaßnahme generell alle Patienten vor der Aufnahme auf Covid-19 getestet, bei planbaren Untersuchungen zwei Tage vorher. Ärzte und Pflegepersonal seien zu 80 Prozent geimpft, tragen FFP2-Masken und hielten sich akribisch an die Hygienevorschriften, so der Ärztliche Direktor. Patienten würden soweit möglich in Einbett- oder maximal Zweibettzimmern untergebracht. Dr. Glöckners Fazit: An der Supermarktkasse sei es weitaus gefährlicher als im Krankenhaus.

Das Hinauszögern von Krankenhausbehandlungen oder operativen Eingriffen kann schwerwiegende Folgen haben.

"Herzbeschwerden, entgleiste Stoffwechselerkrankungen, plötzlich einsetzende Gefühlsstörungen sind Beispiele für Symptome von lebensbedrohlichen Erkrankungen, die eine sofortige Behandlung erfordern".

Dr. Christian Glöckner, Ärztlicher Direktor der Asklepios Klinik Oberviechtach

Dr. Christian Glöckner, Ärztlicher Direktor der Asklepios Klinik Oberviechtach

 

 

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