01.01.2021 - 11:12 Uhr
OberviechtachOberpfalz

Nächte mit "Wilder Jagd" und Dämonen-Spuk

Die Rauhnächte im Dezember und Januar gelten als Tummelplatz für allerlei Grusel-Gestalten: Die "Wilde Jagd" soll umgehen und die "blutige Luzier" ihr Unwesen treiben. Die Zeit zwischen den Jahren ist von vielen Sagen und Mythen umrankt.

Hexen und Perchten tanzten vor einem Jahr am Fuße des Galgenbergs um das Feuer.
von Elfriede WeißProfil

Vor knapp einem Jahr hatte der Oberviechtacher Festspielverein die verschiedenen Sagen, die mit den Rauhnächten verbunden sind, bei einer szenischen Wanderung ins Gedächtnis gerufen. Die Zeit zwischen dem Weihnachtstag am 25. Dezember und dem Dreikönigstag am 6. Januar werden als Rauhnächte bezeichnet. Die Wurzeln für die Rauhnächte sollen im Christentum liegen, denn sie werden von zwei christlichen Festen begrenzt.

Zahlreiche Mythen und archaisches Brauchtum sind mit den zwölf Rauchnächten verknüpft: Die "Wilde Jagd", furchterregende Gestalten, bekleidet mit Fellen und finsteren Masken, Krampusse und Hexen, finstere Dämonen und anderes Geistervolk kommen in den Geschichten in der Dunkelheit der Nacht zum schaurigen Treiben zusammen.

Diese sagenumwobenen Gestalten der Rauhnächte standen im Mittelpunkt der szenischen Wanderung, die der Festspielverein Anfang 2019 veranstaltete. Über 150 Gäste aus der näheren und weiteren Umgebung hatten daran mit großem Interesse teilgenommen. In vier Stationen verkörperten die Mitwirkenden diese finsteren Gestalten, erzählten Sagen um diese besonderen Nächte und vermittelten allerlei Hintergrundwissen. Auftakt der geführten Wanderung war am Doktor-Eisenbarth-und Stadtmuseum, wo dort ging es weiter zum Schützenheim. Der Galgenberg, die frühere Hinrichtungsstätte, und die Bleichangerkapelle waren weitere Orte, an denen Hexen, der "Dammer mit dem Hammer", die "blutige Luzier" und die "Wilde Jagd" dem Publikum gegenüber traten.

Es kamen auch Bräuche zur Sprache wie das Ausräuchern des Stalls, der Verzehr von geweihtem Brot und das Verbot des Aufhängens von Wäsche in den Rauhnächten, damit sich die "Wilde Jagd" nicht darin verfangen konnte. Frauen und Kinder sollten in der Dunkelheit nicht alleine auf die Straße gehen, das Kartenspielen war auch verboten, und in den Häusern durfte keine Unordnung herrschen. Auch das Vieh in den Ställen war den Gefahren durch Hexen und Druiden ausgesetzt, indem diese ihnen Zöpfe in die Schwanzhaare flochten, damit sie keine Milch mehr gaben.

Diese Sagen, Geschichten und Ängste lassen sich besser verstehen, wenn man sich in eine Zeit ohne elektrisches Licht, Fernsehen und Heizung zurückversetzt. Die Menschen bekamen Angst, wenn der "Böhmische" in eisiger Nacht um die spärlichen und oft entlegenen Behausungen pfiff und viele unbekannte Geräusche erzeugte, die man unheimlichen Wesen zuschrieb. Kälte, Winterstürme, die an den Fenstern rüttelten, und das spärliche Licht einer Kerze als einzige Lichtquelle trugen dazu bei, dass schaurige Geschichten entstanden. In Zeiten des Wohlstands und der Rationalität lösen diese gruseligen Geschichten Faszination aus.

Bleibt zu hoffen, dass der Festspielverein seine interessante Führung, bei der sehr viel Hintergrundinformation vermittelt wird, in der Zeit nach Corona wieder auf sein Programm setzt.

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