09.03.2021 - 08:55 Uhr
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Sexuelle Belästigung im Internet: Wir müssen darüber sprechen

Obszöne Nachrichten oder Bilder: Sexuelle Belästigung gibt es nicht nur im realen Leben sondern auch virtuell. Auch unsere Kolleginnen sind betroffen. Oberpfalz-Medien will aufklären und sucht betroffene Frauen, die darüber sprechen wollen.

Anzügliche Nachrichten in sozialen Medien sind belastend.
von Eva-Maria Hinterberger Kontakt Profil

„Kommst heute noch in mein Hotelzimmer bevor ich heimfahr?“ Diese Nachricht ist mitten in der Nacht auf dem Smartphone unserer Kollegin Magdalena Raß aufgeploppt. Sie hatte den jungen Mann einige Stunden zuvor abblitzen lassen. Ihm klar gemacht, dass sie kein Interesse an einem näheren Kennenlernen hat. Das hat ihn jedoch nicht davon abgehalten, ihr Profil in einem sozialen Netzwerk zu suchen und diese Nachricht zu schicken. Eine Nachricht, auf die sie verzichten hätte können.

So wie ihr ergeht es täglich unzähligen Frauen. Ungefragt erhalten sie zumeist anzügliche Nachrichten, sei es über soziale Netzwerke, Messenger oder auch Verkaufsplattformen wie Ebay oder Kleiderkreisel. Viele dieser Nachrichten gehen einen Schritt zu weit, überschreiten eine Grenze. Wir sprechen von sexueller Belästigung: Anzüglichkeiten, Beleidigungen, im schlimmsten Fall sogar Fotos von Geschlechtsteilen.

Wut und Herabwürdigung

Auch unsere Kollegin Vanessa Lutz kennt das nur zu gut: Dickpics, also Bilder von erigierten Penissen, und obszöne Nachrichten ohne Anlass oder Warnung. Besonders schlimm für sie war, dass sie solche Nachrichten nicht nur von Fremden erhalten hat, sondern auch von Männern, mit denen sie in ihrem Beruf als Journalistin zu tun hatte - es waren Interviewpartner. „Mich macht das wütend. Seit ich 16 bin, habe ich gearbeitet, mich im Beruf behauptet, versucht mehr zu leisten als meine männlichen Kollegen. Solche Nachrichten oder Bilder diskreditieren mich als Mensch, meine Leistung und machen mich zu einem Objekt“, beschreibt sie ihre Gefühle. Sie fordert: „Es muss aufhören, dass diese Form der Belästigung noch immer scheinbar, zur Normalität für manche Männer gehört. Und es muss aufhören, dass Frauen bei solchen anlasslosen Vorfällen die Schuld bei sich suchen.“

Statement gegen sexuelle Belästigung

Wir von Oberpfalz-Medien wollen ein Statement setzen und zeigen, dass sexuelle Belästigung im Internet alles andere als harmlos ist. Wir wollen klar machen, dass sie Frauen genauso belasten wie körperliche Belästigungen. Wir wollen zeigen, wie es Frauen mit solchen Nachrichten geht, aber auch aufklären, wo Frauen Hilfe finden, wenn sie betroffen sind. Und nicht zuletzt: Was andere tun können oder sollten, wenn sie merken, dass in ihrem Bekanntenkreis Frauen digital belästigt werden.

Wir sind deswegen auf der Suche nach Frauen (aus der Oberpfalz), die ihre Geschichten und Gefühle im Zusammenhang mit sexueller Belästigung im Internet mit uns und unseren Lesern teilen. Das können kurze Statements, lange Geschichten oder auch nur Screenshots sein. Mit Namen und Foto in der Zeitung und im Onetz oder auch anonym. Melden Sie sich einfach unter redaktion[at]onetz[dot]de.

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Pressath
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