14.06.2020 - 14:57 Uhr
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Polizei Oberpfalz warnt: Immer mehr Betrüger nutzen Gefühle aus, um an Geld zu kommen

Betrüger lassen sich ständig neue Maschen einfallen, um an das Geld ihrer Opfer zu kommen. Die Oberpfälzer Polizei registriert zunehmend Fälle von "Love- oder Romance-Scamming". Dabei werden Gefühle auf perfide Art ausgenutzt.

Die Polizei warnt vor Betrügern, die Liebe vortäuschen.
von Sonja Kaute Kontakt Profil

Das Polizeipräsidium Oberpfalz warnt vor einer immer häufiger auftretenden Betrugsmasche. Beim sogenannten Love- oder Romance-Samming nutzen die Täter die Gefühle ihrer Opfer schamlos aus. Das Präsidium möchte mit einer aktuellen Mitteilung auf die Betrugsmasche aufmerksam machen und helfen, Opfer zu schützen sowie Angehörige und Bankmitarbeiter zu sensibilisieren.

Mit Sprüchen wie „Hey - du siehst aber hübsch aus!“ oder „Wer bist du denn? Ich würde dich gerne näher kennenlernen“ würden die Täter über Dating-Seiten oder Netzwerke versuchen, einen Kontakt herzustellen. Der Betrüger oder Scammer (to scam bedeutet betrügen) baue über digitale Plattformen eine Beziehung zum Opfer auf, wolle alles über die Person wissen und gestehe schon bald seine Liebe. Schon nach kurzer Zeit werde das Opfer als Ehemann oder Ehefrau bezeichnet, Heiratspläne würden geschmiedet. Erstes Ziel sei die Herstellung einer emotionalen Abhängigkeit.

Über Emotionen ran ans Geld

Im nächsten Schritt bringen die Betrüger ihre ahnungslosen Opfer laut Polizei durch gefühlvolle Ansprache dazu, Geld zu überweisen. "In der Regel muss der Scammer vor dem ersten erwarteten Besuch bei seiner ,neuen Liebe‘ noch in afrikanische Länder, um geschäftliche oder familiäre Dinge zu erledigen. Dort gibt es dann Schwierigkeiten: Überfälle, gestohlene Pässe oder ein Ticket nach Deutschland kann nicht mehr bezahlt werden", beschreibt die Polizei das Vorgehen. Angesprochen werde stets die emotionale Schiene. Viele Opfer seien deshalb bereit, große Summen an Geld zu überweisen, um zu helfen.

In den vergangenen Jahren sei es auch in der Oberpfalz immer mehr Geschädigten so ergangen. Mit der beschriebenen Masche hätten die Täter emotionale Verbindungen aufgebaut und nach Monaten dann Geld gefordert. Überweisungen im fünfstelligen Eurobereich seien "keine Seltenheit" gewesen. "Oft leihen sich die Opfer bei Angehörigen oder Freunden noch weiteres Geld, um ihren Scammer unterstützen zu können. Allein der finanzielle Schaden, den die Opfer dabei erleiden, ist immens", so die Polizei Viel gravierender sei allerdings die Scham, die beim Auffliegen des Betrugs auftritt. "Da das Love-Scamming oft über Jahre hinweg stattfindet, ist es für die Opfer besonders hart, und das Selbstwertgefühl leidet erheblich. Wie sich bereits auch schon in der Oberpfalz gezeigt hat, kann aus solcher Scham heraus sogar Suizid begangen werden."

Die Scammer wüssten genau, wie sie an Gefühle herankommen und diese ausnutzen können. "Was erst einmal für die meisten lächerlich klingt, zeigt sich in der Praxis anders: In der Oberpfalz wurden im Jahr 2019 über 700 Anzeigen wegen Callcenter-Betrugs erstattet, worunter auch das Lovescamming-Phänomen fällt."

Die Polizei gibt Ratschläge, um sich vor dieser Betrugsmasche zu schützen:

  • Überprüfen Sie die Kontaktadresse / den Chatnamen des Täters. Ungewöhnliche Zeichen wie Prozentzeichen deuten auf eine Schadsoftware hin, die der Täter mitversenden möchte. Geben Sie den Namen bei Suchmaschinen ein. Eventuell erhalten Sie Hinweise darauf, dass der Name bereits für Scamming verwendet wird.
  • Die Profilbilder der Sammer sind nur in wenigen Fällen mit der realen Person identisch. Männer nutzen oft Bilder in Uniform, Frauen locken mit schönen Fotos, auf denen sie nur knapp bekleidet sind.
  • Seien Sie wachsam, wenn das Gegenüber von Geschäftsreisen oder familiären Problemen erzählt und insbesondere nach Westafrika, Russland oder Südostasien reisen muss.
  • Übergeben sie niemals Geld an Personen, die sie noch nie persönlich getroffen haben. Gesundes Misstrauen ist keine Unhöflichkeit.
  • Wenn Sie Opfer eines Scammers geworden sind, sichern sie alle E-Mails und Chat-Texte und lassen Sie sich dabei von Angehörigen oder der Polizei helfen. Brechen Sie jeglichen Kontakt zum Täter ab.
  • Rufen Sie im Zweifel den Notruf unter 110 an und erstatten Sie in jedem Fall Anzeige.

Verhaltenstipps der Polizei für Angehörige und Freunde:

  • Seien Sie wachsam, wenn ein Freund oder Angehöriger von Internet-Bekanntschaften oder einer neuen Internet-Liebe erzählt und an denjenigen Geld überweisen soll.
  • Sollte jemand von Ihnen Geld erbitten, vergewissern Sie sich, warum er das Geld benötigt und an wen es überwiesen werden soll.
  • Sprechen Sie Verwandte oder Freunde an, wenn Sie den Verdacht haben, dass der Betroffene möglicherweise einem Betrüger zum Opfer gefallen ist.
  • Verständigen Sie zusammen mit der betroffenen Person die Polizei, wenn Zweifel aufkommen. Rufen Sie in akuten Situationen den Notruf 110.

Ratschläge der Polizei für Mitarbeiter von Banken:

Wenn Kunden eine ungewöhnlich hohe Geldabhebung oder Überweisung wünschen, die teilweise oder fast das gesamte Vermögen umfasst, sollten auch Bankangestellte hellhörig werden.

  • Sind solche Abhebungen / Überweisungen für diesen Kunden ungewöhnlich?
  • Will er rasch einen Kredit oder braucht er das Geld sofort?
  • Hat der Kunde einen altmodischen Vornamen?
  • Ist der Verwendungszweck unklar oder widersprüchlich?
  • Gibt es Hinweise, dass der Kunde nichts über den Zweck sagen darf?

"Als Bankmitarbeiter genießen Sie besonderes Vertrauen. Sollten Sie einige dieser Fragen mit ja beantworten, können Sie mit dem richtigen Verhalten Ihre Mitmenschen vor dieser Betrugsform schützen", schreibt die Polizei. Gesucht werden solle das persönliche Gespräch mit dem Kunden in einem separaten Raum über den Verwendungszweck des Geldes und die Frage, ob er diese Art von Betrug kennt. "Empfehlen Sie eine sichere Zahlungsform wie eine Blitzüberweisung. Machen Sie deutlich, dass Barzahlungen ein Hinweis auf einen Betrug sein können. Bieten Sie an, von der Bank aus bei Bezugspersonen (Nachbarn, Freunden) oder Verwandten anzurufen. Wichtig: Nie unter der vom vermeintlichen Liebhaber angegebenen Nummer anrufen, sondern eine dem Opfer vorher bekannte Telefonnummer der jeweiligen Person wählen. Auch ein Anruf bei der nächsten Polizeidienststelle ist hilfreich." Es sei wichtig, den Kunden über mögliches Lovescamming aufzuklären.

Keine falsche Scham

Die Polizei betont, dass man sich nicht schämen müsse, "wenn man auf jemanden hereingefallen ist, den man eigentlich für jemanden anderen hielt". Das Polizeipräsidium möchte potenzielle Opfer ermutigen, sich nicht zurückzuziehen, sondern den Sachverhalt bei der Polizei anzuzeigen. Zudem sollen Angehörige oder Freunde sensibilisiert werden, die stark selbstverurteilenden Betroffenen zu bestärken und mit dem Fall zur Polizei zu gehen.

Amberger Fall aus dem Jahr 2018

Amberg

Infos der Polizei: Formen des Scammings

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