18.10.2021 - 18:37 Uhr
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Impfdurchbrüche nehmen zu: Johnson & Johnson im Fokus

Die reine Logik und die Delta-Variante lassen die Zahlen von Corona-Infizierten, die geimpft sind, steigen. Experten empfehlen eine Auffrischung beim Janssen-Impfstoff - als Beweis der Dringlichkeit dient ein aktueller Regensburger Fall.

Die Mitarbeiterin eines mobilen Impfteams zieht den Impfstoff von Biontech/Pfizer in eine Spritze auf - dieser dient neben Moderna als Booster für Janssen-Impflinge.
von Sebastian Böhm Kontakt Profil

Anfang Oktober haben zehn Freunde in einem Club in der Regensburger Innenstadt gefeiert, anschließend wurden neun von ihnen positiv auf das Coronavirus getestet. Alle zehn waren vollständig geimpft, acht von ihnen mit dem Janssen-Vakzin der Firma Johnson & Johnson.

Dem Impfstoff also, der im Sommer vor allem bei vielen jungen Menschen beliebt war, weil nur ein Piks für einen vollständigen Schutz ausreichte. Dieser offizielle Status hat sich zwar nicht verändert - dennoch empfiehlt die Ständige Impfkommission (Stiko) allen Janssen-Impflingen nun einen sogenannten "Boost". Das betrifft in Bayern aktuell an die 443 000 Menschen.

Geringe Wirksamkeit bei Delta

"Im Verhältnis zur Anzahl der verabreichten Impfstoffdosen werden in Deutschland die meisten Covid-19-Impfdurchbruchserkrankungen bei Personen beobachtet, die mit (...) Janssen geimpft wurden", teilt auch das Robert-Koch-Institut (RKI) mit.

In Bezug auf den Janssen-Impfstoff werde im Unterschied zu den anderen zugelassenen Impfstoffen eine vergleichsweise geringe Impfstoffwirksamkeit gegenüber der Delta-Variante beobachtet, erklärt das RKI weiter. Personen, die bisher eine Impfstoffdosis des Vakzins Janssen erhalten haben, "sollen eine zusätzliche mRNA-Impfstoffdosis ab vier Wochen nach der Janssen-Impfung erhalten", heißt es - also einen Piks mit Moderna oder Biontech.

Der Fall in dem Regensburger Club wird in dieser Pandemie keine Ausnahmeerscheinung bleiben. "Dass es mit steigender Impfquote zu immer mehr Impfdurchbrüchen kommt, ist zu erwarten", sagt das RKI. Das Institut nennt mehrere Gründe für diese Entwicklung. Denn obwohl die Impfstoffe sehr wirksam seien, könnten sie nicht alle Infektionen bei Geimpften verhindern. "Sie sorgen aber dafür, dass Infektionen deutlich weniger häufig vorkommen."

Zahlen zeigen statistischen Effekt

Wenn der Anteil der Geimpften in der Population steige, dann steige auch die Wahrscheinlichkeit, dass unter allen Personen, die sich infizieren oder erkranken, mitunter Geimpfte betroffen sein könnten. "Vereinfacht gesagt: wenn alle Personen einer Population geimpft sind (Impfquote 100 Prozent), beträgt der Anteil der Impfdurchbrüche an den Erkrankten 100 Prozent (wenn ein Impfstoff nicht zu 100 Prozent wirksam ist)." Die Anzahl der Impfdurchbrüche sei darüber hinaus auch von der Anzahl aktiver Fälle abhängig. Je mehr aktive Fälle es also gebe, desto höher sei die Wahrscheinlichkeit sich als Geimpfter zu infizieren.

Diesen statistischen Effekt zeigen auch die Zahlen: Zwischen Mitte August und Anfang September waren rund zehn Prozent der Intensivpatienten, die vom Robert Koch-Institut registriert wurden, geimpft. Im Zeitraum vom 13. September bis zum 10. Oktober lag die Quote bereits bei 20,3 Prozent. In absoluten Zahlen bedeutet das: 181 von 891.

Für den Infektiologen Bernd Salzberger von der Uniklinik Regensburg ist neben der reinen Statistik, die aktuell vorherrschende Delta-Variante einer der Hauptfaktoren, weswegen die Zahl der Impfdurchbrüche steigt. "Mit dem alten Impfstamm hatten wir einen 95-prozentigen Schutz vor einer Neu- oder Durchbruchsinfektion", erklärte er der ARD. "Jetzt, mit der Delta-Variante ist dieser Schutz schlechter, er liegt nur noch bei ungefähr 80 Prozent. Und das bedeutet einfach auch, dass wir jetzt viermal so viele Durchbruchsinfektionen haben. Das wirkt sich zahlenmäßig aus."

Anteil von erwarteten Covid-19-Fällen bei vollständig geimpften Personen (Impfdurchbrüche) an Covid-19-Fällen in der gesamten Bevölkerung im Verhältnis zum Anteil der geimpften Bevölkerung zur gesamten Bevölkerung (Impfquote) für 3 unterschiedliche Impfeffektivitäten (Wirksamkeiten).

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Kommentare

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Marcus Kunert

Nur noch lachhaft!

18.10.2021