30.12.2020 - 15:24 Uhr
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#gehenstattessen: Fast 100 Kilo weniger auf der Waage

Neustart 2021? Nach 2020 hoffen wohl viele Menschen auf einen Neustart des Lebens in 2021. Für mich war aber schon 2020 das Jahr des Neustarts - persönlich, gesundheitlich, menschlich.

Unter Hundert Kilo wiegen, das ist das Ziel von Peter Müller.
von Peter MüllerProfil

Wie lebt es sich, wenn man mehr als 200 Kilogramm wiegt? Haben Sie sich das schon mal gefragt? Oder: Warum wird man so dick? Wie schwach muss man sein? Kann man es ändern? Wie kann man es ändern? Ich kann Ihnen diese Fragen beantworten – ich kann es zumindest versuchen. Ich habe es hinter mir und ich bin noch dabei. Und ich möchte davon erzählen und Sie mit auf meine Reise nehmen (siehe Infokasten unten).

Aber eines nach dem anderen. Mein Name ist Peter. Ich arbeite im IT- und Medienbereich und bin 40 Jahre alt. Und ich habe 2020 vieles geändert. Genau gesagt, ich habe angefangen vieles zu ändern. Ich habe angefangen abzunehmen. Am 7. Januar wog ich genau 242,5 Kilo. Das war der Tag und Ausgangspunkt für meine Reise durch das vergangene Jahr – das für uns alle alles andere als normal war. Für mich aber in vielfacher Hinsicht. Ich habe mein Leben vollständig auf den Kopf gestellt und in neue Bahnen gelenkt. Ich wollte nicht mehr so weiter machen wie bisher. Dieses Leben mit fast 250 Kilo auf der Waage war für mich einfach keine Option mehr. Das wurde mir klar. Ich wollte kein Leben mehr leben, in dem ich in meinem eigenen Übergewicht gefangen bin. In dem ich in jedem Aspekt meines Lebens eingeschränkt bin.

Eine der Fragen, die mir in den letzten Jahren immer mal wieder gestellt wurde, war, wie man überhaupt so dick wird. In den meisten Fällen ist Übergewicht in dieser extremen Ausprägung die Folge einer psychischen Erkrankung. Übergewicht wird durch eine ähnliche Essstörung ausgelöst wie Magersucht. Die eigentlichen Ursachen dahinter sind so individuell wie die Menschen, die davon betroffen sind. Ich kann also nur darüber reden – oder schreiben – wie es bei mir war. Und eines ist klar: schwere Knochen sind da keine Ausrede. Ich war schon immer ein dickes Kind. Es muss also schon immer etwas in meinem Leben gegeben haben, das mich so belastet hat, dass ich versucht habe, es durch Essen zu bekämpfen. Was genau? Das kann ich heute kaum mehr sagen, aber ich werde im Laufe der Zeit über den einen oder anderen Faktor schreiben, der mit beigetragen hat.

Das verwächst sich nicht

Auf jeden Fall wurde es auch in der Pubertät nicht besser. „Das verwächst sich noch“ hat bei mir definitiv nicht funktioniert. So groß konnte ich auch mit den stärksten Wachstumsschüben nicht werden, wie ich mit 14, 16 oder 18 schon schwer war. Auch damals lag mein Gewicht schon weit jenseits der 100-Kilogramm-Marke. Mit 18 dürfte ich grob geschätzt die 180 oder 190 Kilogramm erreicht gehabt haben. Im Schulsport gab es demensprechend selten eine bessere Bewertung als eine vier oder fünf – perfekt für das Selbstbewusstsein und das Selbstbild. Die Ausbildung im IT-Bereich hat mich physisch auch nicht gerade aktiviert und ein Stubenhocker war ich schon lange. Die paar Mal, die ich in dem Alter weggegangen bin, kann ich fast an einer Hand abzählen (wenn ich mit den Fingern binär zähle sowieso). Daheimsitzen, Frust und Angst: Die perfekte Basis, um immer weiter in eine Essstörung abzudriften.

Auch wenn ich dann eine Partnerin gefunden habe, die mich durch über 20 Jahre begleitet hat, wurde es nicht besser. Im Gegenteil: ich habe weiter und weiter zugenommen. So sehr, dass ich 2009 auf der Intensivstation des Weidener Krankenhauses gelandet bin. 296,4 Kilogramm, Wasser in der Lunge und ganz kurz vor dem Sterben. Aber ich habe es überstanden und die folgenden 10 Jahre lag mein Gewicht immer so um die 235 bis 245 Kilo. Weiter runter ging es aber nicht. Dazu hat mir der Wille und der Ansporn gefehlt.

Klinik in Burglengenfeld hilft bei Übergewicht

Burglengenfeld

Ich hatte die Schnauze voll

Ach ja, kleiner Spoiler: Viele von uns kennen die Stereotypen, die gerne in bestimmten Fernsehsendern verbreitet werden. 10 Pizzen, 5 große Burger und 4 Liter Cola zum runterspülen jeden Tag. Da wäre es ja ganz klar kein Wunder, dass man „fett“ wird. Nein, so ist es nicht. So war es zumindest bei mir nicht. Aber dazu in einer der kommenden Wochen mehr.

Und jetzt? Im vergangenen Jahr habe ich fast 90 Kilogramm abgenommen. Aktuell liegt mein Gewicht bei 155 Kilogramm. Ja, das ist noch immer viel zu viel. Und genau deswegen bin ich noch mitten in meiner Reise durch diese Entwicklung und diese seltsame Zeit. Ich habe erst angefangen mir mein neues Leben zu erarbeiten. Aber ich bin auf einem sehr guten Weg. Ein Weg, der mit kleinen, vorsichtigen Schritten angefangen hat und sich inzwischen so gut anfühlt wie sehr, sehr wenig in meinem bisherigen Leben.

Wie ich es geschafft habe „loszulaufen“? Ich hatte die Schnauze voll. Ganz einfach und plakativ. Oder höflicher formuliert und an einen genialen Text der von mir sehr geschätzten Oberpfalz-Medien-Redakteurin Julia Hammer angelehnt: Ich wollte endlich wieder frei sein. Mich frei fühlen. Nicht mehr gefangen sein im eigenen Übergewicht. Ich wollte mich nicht länger auf jedem Bild von mir schlecht fühlen. Ich wollte mir nicht länger über so viele Kleinigkeiten Gedanken machen müssen, die sonst allen anderen Menschen einfach egal sind. Also bin ich gegangen: #gehenstattessen.

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Ziel: Unter hundert Kilo

Ich möchte Sie, Euch, auf diesen Weg mitnehmen und ich möchte Euch einladen Fragen zu stellen. Aber vor allem würde ich mich freuen, wenn es noch andere da draußen gibt, die einfach ein bisschen was über ihren Weg erzählen wollen. Ich weiß, dass ich nicht der Einzige bin, der diesen Weg geht. Gerade in den letzten Monaten habe ich in vielen Gesprächen mitbekommen, wieviel etwas ähnliches vor oder hinter sich haben. Wer davon etwas erzählen will – einfach eine Mail schreiben an gehenstattessen[at]oberpfalzmedien[dot]de.

Ich bin auf einem Weg, aber wo führt mich der Weg hin? In ein neues Leben. Ein Leben, dass ich so leben kann, dass ich überhaupt alt genug werde, um auf mein Leben zurückzuschauen. Und dann möchte ich auf möglichst viele glückliche und unbeschwerte Jahre zurückschauen können. Ein großes Ziel, oder? Stimmt. Sehr allgemein? Stimmt. Im Detail: ich möchte den UHU erreichen. Also unter hundert Kilo wiegen. Bis wann? Gute Frage. 2022 wäre genial. Bis dahin gibt es aber viele kleine Ziele.

Das erste war unter 200 im Jahr 2020. Das habe ich schon zur Jahresmitte erreicht. Das nächste Ziel war es eine bestimmte Strecke mit einer bestimmten Anzahl an Höhenmetern zu schaffen. Mein ursprüngliches Ziel für 2020 waren 6 Kilometer und 150 Höhenmeter. Das hatte ich am 11.11. mit einer Tour auf den Lusen beides gut überschritten: 8 Kilometer und 300 Höhenmeter. Nach einer gesundheitlichen Zwangspause – #fckcovid19 – arbeite ich nun daran, diese Werte auszubauen und zu verbessern. Längere Zeiten gehen. Mehr Kilometer gehen. Mehr Höhenmeter schaffen. Und natürlich: das Gewicht muss weiter runter.

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Die größte Herausforderung in diesem Jahr, war der Weg auf den Gipfel des Lusen. Etwas, das ich nicht gedacht hätte, das ich es dieses Jahr schaffen würde. Es waren gut 300 Höhenmeter und insgesamt 8 Kilometer Strecke. Aber mit dem richtigen Ansporn hat es geklappt. Und eines ist sicher: es war es in jeder Hinsicht wert.
Ein absolut fantastischer Ausblick war der Sonnenuntergang über dem Nebelmeer. Losgelaufen in Nebel und Nieselregen. Dann die ersten Sonnenstrahlen, die auf dem Weg durch die Bäume gebrochen sind. Bis hinauf zum Gipfel mit einem wundervoll farbenfrohem Sonnenuntergang. Dann im Dunkeln wieder hinab.
Serie: #gehenstattessen:

Zum neuen Jahr eine neue Serie hier im Magazin. Aus meinem Blickwinkel geschrieben. Ich möchte Sie mitnehmen auf meine Reise in ein normales Leben – rückblickend aufs vergangene Jahr und begleitend in diesem Jahr. Tipps und Infos geben, Hintergründe beschreiben, jeden ersten Samstag im Monat.

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