15.06.2020 - 04:07 Uhr
Oberbibrach bei VorbachOberpfalz

Dammbruch und Flutwellen in Oberbibrach

Überschwemmungen und ein Dammbruch lösen einen Großeinsatz in Oberbibrach aus. Nach starken Regenschauern ist in der Nacht zum Montag der Vorbacher Ortsteil voll Wasser gelaufen.

von Autor EDOProfil

Nach starken Regenfällen in der Umgebung sind in der Nacht zum Montag Bäche bei Oberbibrach über die Ufer getreten. Der Ort wurde von Flutwellen überschwemmt. „So etwas hatten wir noch nie“, war der einhellige Tenor unter den Augenzeugen. Der Biberbach setzte in der Nacht vom Sonntag auf Montag das gesamte Dorfzentrum unter Wasser. Nachdem sich die Lage zwischenzeitlich entspannt hatte, führte eine zweite, größere Welle zu verheerenden Schäden. Kommandant Martin Biersack und Kreisbrandmeister Rainer Kopp organisierten die Kräfte, die nun allen Ecken gebraucht wurden. Neben der Oberbibracher Wehr waren auch Einsatzkräfte aus Vorbach, Sassenreuth, Speinshart, Neustadt am Kulm und Eschenbach im Einsatz. Mehrere Häuser und Autos wurden beschädigt.

„So weit im Hof war das Wasser noch nie“, sagte Hermann Nickl. Der Landwirt von Rosamühle kennt den Rosabach und die ihn speisenden Weiher wohl so gut wie kein anderer. In der Nacht zum Montag musste er mit ansehen, wie das Wasser des sonst so beschaulichen Rosabachs seinem Stall und dem Wohnhaus immer näherkam. Da war es etwa halb zwei Uhr in der Nacht.

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Lage tagsüber ruhig

Von Starkregen in der Umgebung hatte man am Sonntagnachmittag gehört, in Neustadt am Kulm und Tremau habe es über 100 Liter pro Quadratmeter geregnet. In Oberbibrach war die Lage um 21 Uhr hingegen noch ruhig, das Wasser im Biberbach war nur wenige Zentimeter höher als sonst, auch hier regnete es schon seit Stunden. Um etwa 22.30 Uhr gab es den ersten Alarm.

Der Bach trete bald übers Ufer hieß es, um 1 Uhr ertönte die Sirene erneut. „Das Zentrum von Biwara säuft ab“, hieß es in einschlägigen Chatgruppen, Wasserwart Fabian Utner bestätigte das. Die Bachwiese vor dem MCO, der Spielplatz, die Südseite vom Schützenhaus, die Bachgasse standen unter Wasser, bei einem Anwesen im Zentrum wurde bereits der volllaufende Keller geräumt und in Unterbibrach wurden Barrieren aus Sandsäcken errichtet. Ein Hase war bereit in seinem Stall ertrunken.

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Eschenbach

"Auf einmal eine Welle"

„Gut, dass das die Öffentlichkeit sieht“, sagte Werner Schmid, der direkt neben dem Bach wohnt: „sonst glaubt uns das keiner“. Der Wasserpegel sinke bereits wieder, sagte der Augenzeuge. Zu dem Zeitpunkt war das Wasser wenige Zentimeter unter der Kreisstraßen-Brücke beim Bärenwirt.

„So etwas Ähnliches habe er bereits Ende der 1980er bei einem Wolkenbruch erlebt“, sagte Hans Ruder, der in der Bachgasse wohnt von der Feuerwehr geweckt wurde. Das Wasser war bis an seine Gartenmauer geflossen.

Als bereits alle mit einer Entspannung rechneten, forderte der ehemalige Kommandant Konrad Schweiger von der Rosamühle per Funk Verstärkung an: „Die Lage hier spitzt sich zu, das Wasser dringt in den Stall ein.“ Nachdem der Wasserstand niedriger geworden war, stieg er plötzlich wieder enorm an, obwohl es nur noch leicht regnete. Die Feuerwehr aus Sassenreuth pumpte dort bereits das Wasser ab. „Es kam auf einmal wie eine große Welle.“ Wahrscheinlich sei ein Damm von den Weihern gebrochen, vermuteten Herrmann und sein Sohn Andreas Nickl. Die Vermutung sollte sich später bestätigen. „Ich verstehe das nicht“, sagte Andreas Nickl: „Der Bachlauf ist doch hinter unserem Hof vier Meter tief und sieben Meter breit.“ Er erinnert sich auch noch daran, als vor einigen Jahren Biber den Damm des Rosaweihers zum Brechen brachten: „Damals hat das der Bach locker verkraftet.“

Kreisstraße unter Wasser

„Die Welle erreicht dann bald auch Oberbibrach, befürchtete Konrad Schweiger. Bereits ein paar Minuten später war das Zentrum des Dorfs komplett unter Wasser. „Das Wasser steht bis zur Annelies“, sagte Wasserwart Utner, der gerade vom Dorf kam.

Vom Alten Schulhof bis zum Stachus, von der Kirche bis zum ehemaligen Danzer-Haus. Das Wasser strömte die Schulstraße entlang. Die Kreisstraße war auf mehrere Hundert Meter Länge nicht mehr befahrbar. Wer sich am Stachus befand und auf der anderen Seite des Dorfs wohnte, musste entweder warten oder durch 30 Zentimeter hohes Wasser auf der Straße waten. Auch allen anderen Brücken bei den Gärten und am Friedhof standen bereits lange unter Wasser. Zudem musste ein Gastank gesichert und bei einem landwirtschaftlichen Anwesen Ölsperren gesetzt werden, um weitere Schaden zu verhindern.

Schnell weckten die Feuerwehrleute die Anwohner, damit diese ihre Autos noch in Sicherheit bringen konnten. Für einige war es bereits zu spät. Mülltonnen trieben auf dem Wasser durchs Dorf. Schließlich stellte sich heraus, dass der Damm des Schneidweihers zwischen der Rosamühle, Münchsreuth und Dobertshof gebrochen war. Ein Trupp rückte aus, um diesen zu reparieren. Einheimische brachten noch in der Nacht ihre Hoffnung zum Ausdruck, dass die Bachsanierung - seit Jahren im Gespräch - nun deutlich an Fahrt aufnehme. Gegen 7.15 Uhr konnten die rund 200 Einsatzkräfte von Feuerwehren, Rettungsdienst, Wasserwacht und THW wieder abrücken. Auch aus dem Landkreis Tirschenreuth und Bayreuth waren Einsatzkräfte nach Oberbibrach gekommen.

Hintergrund:

Der Biberbach

Das Einzugsgebiet des Biberbach ersteckt sich im Speinsharter Forst im Norden vom Teufelsrangen hinter der Grün, über Tremau (Stadt Neustadt am Kulm) bis westlich von Dobertshof (Gemeinde Speinshart). In dem trichterförmigen Becken in der Senke der Kreisstraße NEW 14 nach Neustadt sammelt sich eine große Menge Wasser in den dortigen Sumpfgebieten und Weihern (Krummer Weiher, Hübner-Weiher, Rosaweiher und Schneidweiher.) Am Rosaweiher tritt der Rosabach aus, der am Samstag noch ein kleines Rinnsal war, und dann nach der Rosamühle in den Grünbach übergeht.

Aus dieser Richtung kam auch ein Großteil des Wassers, das zu den Überschwemmungen in Oberbibrach geführt hat. Eine weitere Quelle des Biberbachs sind die Weiher westlich vom Roten Bühl. Der Entwässerungsgrabend, der östlich am MCO-Heim vorbeifließt, war zwar gut gefüllt, stellte jedoch keine Bedrohung dar.

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