21.10.2019 - 18:28 Uhr
Neustadt an der WaldnaabOberpfalz

"Zeichen gelebter Solidarität"

Kerzen geleiten vom Parkplatz ins Haus. Man weiß intuitiv, wofür die Kerzen stehen: für die Menschen, die in den vergangenen 20 Jahren in den Tod begleitet wurden. Von einem Team der Malteser, das den Tod nicht fürchtet und das Leben ehrt.

Stehempfang in den Räumen des Hospizes (von links): Josef Götz von der Kliniken AG, Malteser-Generaloberin Elisabeth Lohner, Bürgermeister Rupert Troppmann, Heribert und Ilse Stock, Malteser-Diözesanleiterin Adelheid Freifrau von Gemmingen-Hornberg, Stadtrat Karl Bärnklau, Elke Lauterbach vom Hospiz-Team und Malteser-Geschäftsführer Dieter Landgraf.
von Gabi EichlProfil

Der Ambulante Hospizdienst der Malteser Weiden-Neustadt/WN besteht seit zwei Jahrzehnten. Ein Dienst, verrichtet von Ehrenamtlichen, die sich freiwillig und unentgeltlich in eine Welt begeben, in die viele nicht für viel Geld hinein möchten. Die ganz eigene Welt derer, die sich auf das Sterben vorbereiten.

"Kein Geschäftsmodell"

Das Team um Elke Lauterbach als leitende Koordinatorin steht im Mittelpunkt der Feierstunde. Alle Redner betonen die Bedeutung des ehrenamtlichen Dienstes, allen voran die Diözesanleiterin der Malteser, Adelheid Freifrau von Gemmingen-Hornberg, die sagt: „Wir wollen kein Geschäftsmodell in diesem Bereich.“ Der Geschäftsführer des Malteser-Vereins, Dieter Landgraf, sagt, die Ehrenamtlichen stießen nicht selten an ihre Grenzen, vor allem auch dann, wenn es um den Tod von Kindern gehe. Dabei wachse der Bedarf an Trauerbegleitung, in deren Mittelpunkt immer der Schwerkranke mit seinen Bedürfnissen stehe und seinem Wunsch nach einem möglichst schmerzfreien Ende. Sehr glücklich sei man, für die inzwischen 70 Ehrenamtlichen des ambulanten Dienstes neue Räume am stationären Hospiz in Neustadt gefunden zu haben.

Die Diözesanleiterin der Malteser spricht vom Segen, wenn geschulte Hospizhelfer da seien, wenn sie gebraucht würden. Sie stellten sich regelrecht chamäleonartig auf den jeweiligen Schwerkranken ein. Sie stellten sich dem Tod in einer Zeit, in der man diesen am liebsten „wegschminken“ würde. Sie wüssten um die Not, die Wünsche, die Sehnsüchte, aber auch um die Freuden der Sterbenden. Um den Wunsch nach einem friedlichen Loslassen.

Die Freifrau stellt aber auch heraus, was der Dienst für die Helfer selbst bedeute: „Man sieht Ihnen an, dass Sie fröhliche und erfüllte Menschen sind.“ Ilse Stock, Mitgründerin des Dienstes, drückt es in der Festschrift so aus: „Sterbende zu begleiten ist eine Herausforderung, die viel Kraft kostet und uns mit unseren Grenzen konfrontiert. (…) Es kommt viel Bereicherndes fürs eigene Leben zurück.“

Hartnäckige Gründer

Von Gemmingen-Hornberg erinnert an die Anfänge und die Verdienste des Ehepaars Ilse und Heribert Stock um die Hospiz-Idee in der Stadt Weiden und dem Landkreis. Den Anstoß habe der frühere Pfarrer von St. Josef in Weiden, Regionaldekan Johannes Meyer, gegeben. Das jedoch zu einer Zeit, die noch nicht reif gewesen sei für die Hospiz-Bewegung. Das Ehepaar Stock habe Meyers Initiative aufgegriffen und hartnäckig verfolgt.

Sehr schöne neue Angebote des Dienstes seien der Herzenswunsch-Krankenwagen, der es Todkranken ermögliche, noch einmal einen Ort aufzusuchen, an den sie allein nicht mehr kämen, und das Projekt „Löwenherz“ für schwerkranke Kinder und Jugendliche und deren Familien.

Gespräch nicht zu ersetzen

Bürgermeister Rupert Troppmann beklagt, dass Leid, Schmerz und Tod immer mehr an den Rand der Wahrnehmung geschoben würden, während sie gleichzeitig untrennbar mit einem Menschenleben verbunden seien. Keine noch so ausgefeilte Software könne das unmittelbare Gespräch mit einem Todkranken ersetzen. Troppmann glaubt eigenem Bekunden nach in der „zunehmenden Glaubenslosigkeit“ eine Ursache für die Angst vor Sterben und Tod erkannt zu haben.

An die Gründerin der Hospizbewegung, die Engländerin Cicely Saunders, erinnert der Weidener Stadtrat Karl Bärnklau, der Oberbürgermeister Kurt Seggewiß vertritt. Die Bewegung sei das Gegengewicht zur kalten Apparatemedizin, sei ein deutliches Zeichen gelebter Solidarität. Sie mache die Welt friedlicher in einer Zeit, in der die Sprache immer mehr verrohe.

Einen passenden musikalischen Rahmen verleiht der Veranstaltung die Gruppe „Cantabile“, üblicherweise ein Quartett, diesmal als Trio, bestehend aus Regina Schmid (Gitarre), Gabi Fröhlich (Querflöte) und Brigitte Steger (Querflöte).

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