26.01.2021 - 18:13 Uhr
Neustadt an der WaldnaabOberpfalz

Winterdienste: Schneeräumen, Desinfektion und Schichtbetrieb

Die Schneemassen bringen Autofahrer an ihre Grenzen. Auch die Räumfahrzeuge sind gefordert. Oberpfalz-Medien fragt nach, wie es bei Winterdiensten im Kreis Neustadt und Weiden läuft. Wegen Corona müssen sie sich auch anders organisieren.

Ein Räumfahrzeug ist im Kreis Neustadt/WN unterwegs. Wegen Corona arbeiten die Winterdienste überwiegend im Schichtbetrieb.
von Susanne Forster Kontakt Profil

Die Region ist weiß gezuckert und die Winterdienste in Weiden und im Kreis Neustadt sind teilweise rund um die Uhr im Einsatz. Wegen der Coronapandemie arbeiten die Räumdienstmitarbeiter anders als üblich. Weil viele derzeit im Homeoffice arbeiten, bleiben auch viele Autos in den Wohnsiedlungen stehen.

Bauhofchefs und der Leiter der Straßenmeistereien der Nordoberpfalz sprechen darüber, wie sich Corona und Heimarbeit auf die Arbeit der Winterdienste auswirken.

Stadt Neustadt

Manchmal gehe es um 6, halb 7 mit dem Schneefall los, schildert Alexander Lang. Dann gelingt es nicht, die gesamten Straßen für den Berufsverkehr vom Schnee zu befreien, erklärt der Bauhofleiter in Neustadt. Eine Tour bei schneebedeckten Fahrbahnen dauere etwa zweieinhalb Stunden. "An manchen Tagen fahren wir eine Tour vier oder fünfmal." Eine Tour ist etwa 60 Kilometer lang, die Strecken überwiegend im Siedlungsgebiet. Zugeparkte Straßen seien nicht das Problem. "Wir kommen relativ gut durch." Nur wegen aufgehäufter Schneeberge wird´s ab und zu etwas enger. Dass nun mehr Autos wegen Homeoffice auf Straßen stehen, kann Lang nicht bestätigen. "Da finde ich ist überhaupt kein Unterschied." Er schätzt, dass Autos eher in der Garage geparkt werden und die Straßen deshalb nicht voller als üblich sind.

Das Team arbeitet wegen Corona im Zwei-Schicht-Betrieb. Im Schichtwechsel werden Pausenräume gelüftet, die Fahrzeuge im Innenraum desinfiziert. Die Fenster und Türen werden zum Durchlüften geöffnet, Türgriff, Lenkrad und Armaturen werden mit einem speziellen Desinfektionsmittel, das die Materialien nicht angreift, desinfiziert. Pro Schicht arbeiten fünf Personen, die keinen Kontakt zueinander haben. Nur Lang trifft sich mit seinem Stellvertreter beim Schichtwechsel, die Übergabe erfolgt im Freien.

Wenn im Quarantänefall Mitarbeiter ausfallen würden, könnten die Wohnungsbau- und Schulhausmeister mit aushelfen. Auch ein ehemaliger Bauhof-Mitarbeiter im Ruhestand stünde als Helfer bereit. Drei Räumfahrzeuge sind laut Lang im Einsatz: Im größeren Hauptfahrzeug sitzen Fahrer und Beifahrer. In den beiden kleineren Traktoren gibt es jeweils einen Fahrer. Zudem ist auch ein Team zu Fuß unterwegs, um etwa Treppen von Schnee zu befreien. Alle Mitarbeiter trügen währen ihrer Arbeit FFP2-Masken, wenn sie etwa zu zweit im Fahrzeug unterwegs sind. "Manche Arbeiten sind alleine nicht möglich". Wenn etwa das große Fahrzeug in engen Siedlungsstraßen unterwegs ist, muss der Beifahrer das Fahrzeug einweisen.

Straßenmeisterei Nordoberpfalz - Weiden, Eschenbach und Vohenstrauß

Wolfgang Kraus, zuständig für die Straßenmeistereien in der Nordoberpfalz, ist verantwortlich für fast 2000 Kilometer Fahrbahn. Die liegen in den Landkreisen Neustadt, Schwandorf, Amberg-Sulzbach und Tirschenreuth. In der Nordoberpfalz gibt es insgesamt sieben Straßenmeistereien mit jeweils ein bis zwei Stützpunkten wo unter anderem Streusalz lagert. "70 Winterdienstfahrzeuge sind im Einsatz." In höher gelegenen Regionen habe es starke Schneefälle in kurzer Zeit und auch Schneeverwehungen gegeben, wo dann der Fräser zum Einsatz kommt. "Wir haben bis jetzt alle Straßen freihalten können."

In Ortsdurchfahrten, wo besonders viel Schnee und wo es eng werden könnte, wird zwischen Gehsteigen und Fahrbahnen der Schnee weggefräst. Etwa im Bereich der Straßenmeisterei Eschenbach in Richtung Fichtelgebirge. Dort wurde bereits wegen Schneeverwehungen gefräst. An diesem Donnerstag soll die Fräse anrücken. Auch im Bereich der Straßenmeistereien Vohenstrauß oder im Kreis Tirschenreuth gebe es viel Schnee. Das Problem bei massiven Schneefällen: Es könne bis zu vier Stunden dauern, bis wieder an der selben Stelle geräumt wird, vor allem wenn es durchgehend schneit. Bundes- Staats- und Kreisstraßen werden zwischen 7 und 22 Uhr von Schnee freigehalten. "Bei verkehrswichtigen Strecken natürlich auch länger und früher", erklärt Kraus. "Da wo es kritisch ist, wo Steigungen sind, schauen wir, dass es um 6 Uhr schon frei ist."

"Wir haben vereinzelt Coronafälle in den Straßenmeistereien." Davon sei bislang aber keiner vom Winterdienst betroffen gewesen. Vorgebeugt wird mit Schichtbetrieb mit drei Schichten. Die Straßenmeisterei Vohenstrauß arbeitet in vier Schichten, da von ihr die Autobahn rund um die Uhr betreut wird.

Bauhof Eschenbach

"Die letzten Jahre sind wir in der Oberpfalz ziemlich glimpflich davon gekommen. Heuer, gerade die letzten 14 Tage, ist es extrem. Unser Winterdienst ist am Limit", sagt Norbert Braun, Bauhofleiter in Eschenbach. Teilweise liegen in der Früh 8 bis 10 Zentimeter Neuschnee. "Das fordert natürlich die Winterdienste heraus". Momentan gebe es auch einen hohen Verbrauch an Streusalz. Und bei so viel Schneefall sei die Nachfrage hoch. Derzeit gebe es Wartezeiten von bis zu zwei Wochen, bis eine neue Salzlieferung eintrifft.

Natürlich sei es so, das durch Homeoffice mehr Autos auf den Straßen parken. Hinderlich sind diese weniger, meint Braun. Das Team arbeitet coronabedingt in gleichbleibenden Gruppen, Schichten gibt es keine. Meistens sei es ein Zweier-Team, möglichst immer mit denselben Mitarbeitern. Das komme auch auf die Art der Arbeit an. Das große Räumfahrzeug sei immer mit zwei Mitarbeitern besetzt, weil die großen Fahrzeuge in engen Gassen eingewiesen werden müssen.

Bauhof Vohenstrauß

"Es ist wie alle Jahre", zugeparkte Straßen seien kein großes Problem, sagt Karl Frey, Bauhofleiter in Vohenstrauß. Die Leute seien auch verständnisvoller, zum Beispiel wenn es mal etwas länger dauern sollte, bis alle Straßen geräumt sind. In Vohenstrauß arbeiten zehn Menschen für den Winterdienst. Sie sind wegen Corona in zwei Gruppen aufgeteilt. Im wöchentlichen Wechsel arbeiten jeweils fünf Leute. Jeder hat sein eigenes Fahrzeug. Bei Fahrerwechsel werden sie desinfiziert. Bislang habe es noch keinen coronabedingten Mitarbeiterausfall gegeben.

Für Frey ist es heuer kein außergewöhnlicher Winter. "Man kann überall hinkommen. Wir haben gute Autos und gute Reifen." Für ihn und sein Team sind die aktuell 15 bis 20 Zentimeter Schnee in Vohenstrauß und Umland gut händelbar. Es gebe leichte Schneeverwehungen bis zu einem halben Meter, teilweise bis zu 70 Zentimeter. Schneefräsen kamen noch nicht zum Einsatz. "Wir haben ja noch den Februar. Im letzten Jahr hats in Vohenstrauß das erste Mal am 27. Februar geschneit", erinnert sich Frey. "Am 25. Februar war mein Garten noch grün", sagt er. Insgesamt betreut das Team 140 Fahrbahnkilometer.

Die Winter der Vergangenheit: Ein Blick in die Wetter-Geschichte des Landkreises Neustadt und Weiden

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Für Weidener Bürger ist Streusalz tabu

Weiden in der Oberpfalz
Hintergrund:

Winterdienst in der Region - Autobahnen, Staatsstraßen, Bundesstraßen, Kreisstraßen

  • In der nördlichen Oberpfalz gibt es sieben Straßenmeistereien, erklärt Wolfgang Kraus, Sachgebietsleiter Betriebsdienst des staatlichen Bauamtes Amberg-Sulzbach: In Weiden, Eschenbach, Vohenstrauß (plus Autobahnbetreuung von Waidhaus bis Autobahnkreuz Oberpfälzer Wald), Nabburg, Neunburg vorm Wald, Amberg und Tirschenreuth
  • Die Straßenmeistereien sind jeweils auch zuständig für den Winterdienst auf den Bundes-, und Staatstraßen
  • Eine Ausnahme gibt es im Kreis Neustadt. Dort betreuen etwa den Winterdienst für die Kreisstraßen anteilig die Straßenmeistereien Eschenbach, Weiden und Vohenstrauß. Der Landkreis trägt dabei die Kosten für den Winterdienst, den die Straßenmeistereien im Auftrag des Kreises ausführen
  • Für den Winterdienst auf Landkreisstraßen und Gemeinde- beziehungsweise die Stadtstraßen tragen die Straßenmeistereien der Landkreise beziehungsweise die gemeindlichen Bauhöfe die Verantwortung
  • Für die Räumfahrten auf den Autobahnen sind die Autobahnmeistereien zuständig, mit einigen wenigen Ausnahmen wie etwa Vohenstrauß

 

 

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