03.12.2020 - 10:57 Uhr
Neustadt an der WaldnaabOberpfalz

Weihnachten mit Harry Potter im Stadtrat Neustadt/WN

Weihnachtsansprachen sind nicht dazu da, Zuhörer vom Hocker zu reißen. Schließlich geht es um Ruhe, Harmonie und Frieden. Dennoch gelingen den Sprechern im Stadtrat ein paar außergewöhnliche Sätze.

Sebastian Dippold.
von Friedrich Peterhans Kontakt Profil
  • Sebastian Dippold

Der Bürgermeister leitet den Reigen der Weihnachtsreden in der letzten Stadtratssitzung des Jahres ein. Und klar, nach ein paar Sekunden ist er beim Thema Corona. Dippold erinnerte in zahlreichen Dankadressen an alle, die das Jahr trotzdem irgendwie erträglich gemacht haben. Er erwähnte aber auch, was den Bürgern alles entgangen ist und zog einen schrägen Vergleich, den er sich nach eigener Aussage von einer Realschülerin geliehen hat. Das Mädchen fühlte sich dieses Jahr mehrmals an ihre Harry-Potter-Lektüre erinnert. Darin ist das Unheimliche so gefürchtet, dass man seinen Namen, Lord Voldemort, sicherheitshalber nicht ausspricht. Gar nicht so abwegig, meinte Dippold. Die unheimlich vielen Absagen 2020 schoben viele auch nicht mehr auf den Coronavirus, sondern seien "der allgemeinen Lage" oder "der Situation" geschuldet. Einer Situation, gegen die weder Harry Potter noch ein Bürgermeister anzaubern können.

  • Thomas Hauer
Thomas Hauer.

Was den Lord-Voldemort-Virus so unheimlich macht, packte CSU-Sprecher Thomas Hauer in Zahlen: weltweit 62 Millionen Infizierte und 1,5 Millionen Tote, 16000 Tote in Deutschland, Existenzängste und kulturelle Ödnis auch im beschaulichen Neustadt. Hauer rief aber auch in Erinnerung, dass 2020 ein Jahr des Umbruchs war. Den brachten die Kommunalwahlen. Ihr Resultat ist ein neuer Stadtrat, in dem viel Erfahrung verloren gegangen ist. Den Einbringern dieser Erfahrung rief Hauer nochmal einen Dank hinterher. Genauso wie den Erzieherinnen, Krankenpflegern, Feuerwehrleuten und Bauhofmitarbeitern, die zuvor Dippold hatte hochleben lassen. Der CSU-Mann schloss mit einem besinnlichen Gedicht einer gewissen Hermine Geißler. Der zweite Name, den er zitierte, sagte seinen Stadtratskollegen schon eher was: Felix Beutler, Träger der Bürgermedaille. Sein Mantra "Zammhalt'n mei ma" passe mehr denn je in die Zeit.

  • Rainer Hetz
Rainer Hetz.

SPD-Fraktionschef Rainer Hetz schloss sich der Umarmung an, die Dippold und Hauer begonnen hatten. Mitarbeiter in Verwaltung, Museum, Vereinen, Bücherei, Elternbeiräten - fühlt euch alle mal richtig geherzt. Und weil es gerade so gut passte, machte Hetz auch den Stadtratskollegen ein Kompliment. Man könne immer offen sachlich miteinander sprechen. Der Start für den neuen Stadtrat hätte "in vielerlei Hinsicht" (Lord Voldemort?) nicht schwerer sein können. Doch gerade Bürgermeister Dippold habe sich zügig und gut in viele Themen eingearbeitet. Hetz zitierte den geflügelten Satz "Was interessiert mich, wenn in China ein Fahrrad umfällt?". Diese kleinen Dinge sollten uns viel öfter interessieren. Vor allem wenn in China ein Rad umfällt und dabei in Wuhan eine Katstrophe freisetzt.

  • Karl Meier

China, Voldemort und Lockdown. Diese drei Worte vermied Karl Meier nicht, weil sie ihm unheimlich waren, sondern weil der Freie Wähler findet, dass es mal wieder Zeit ist für Optimismus. "Der Schnee im Dezember und das schöne Weihnachten am Vierundzwanzigsten sind doch noch gleich." Bei dieser Gelegenheit auch gleich nochmal schöne Ferien, liebe Kindergarten- und Schulkinder. Wem war noch nicht gedankt? Den Wahlhelfern und Wählern, ergänzte Meier seine Vorredner. Zugleich drückte er die Hoffnung aus, dass die Feuerwehrleute und ihre Hilfsbereitschaft mal wieder gewürdigt werden, indem sie mit den Jubiläen und Festen, die heuer ausgefallen sind, nächstes Jahr in der Zeitung stehen.

Karl Meier.

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