15.08.2021 - 15:12 Uhr
Neustadt an der WaldnaabOberpfalz

Verwahrlost ein Hund im Landkreis Neustadt/WN?

Fotos zeigen einen Hund im westlichen Landkreis Neustadt/WN mit Haarknäuel und Fellwülsten. Tierschützer wenden sich an das Veterinäramt vor Ort. Als Oberpfalz-Medien den Hundehalter ausfindig macht, gibt es aber gute Nachrichten.

Der Halter aus dem westlichen Landkreis Neustadt/WN konnte sich nicht ausreichend um seinen Hund kümmern. Nachdem Stimmen über Vernachlässigung laut wurden, brachte er den Hund ins Tierheim. Unser Bild zeigt einen Blick ins Tierheim Weiden vor einiger Zeit und nicht das betroffene Tier.
von Kathrin Moch Kontakt Profil

Dicke Fellknäuel an den Füßen und viel zu lange Haare über den Augen. Auf Fotos der Tierschutzorganisation Peta sieht ein Hund aus dem westlichen Landkreis Neustadt/WN "extrem vernachlässigt" aus, wie es in einer Mitteilung von Peta heißt. Personen aus dem Umfeld hätten außerdem von Parasitenbefall berichtet. Schon im Juli und erneut in der vergangenen Woche habe sich die Organisation deshalb an das Veterinäramt in Neustadt/WN gewandt.

Das sagt Peta

"Der Hund muss sofort da raus. Die extreme Vernachlässigung ist eine schlimme Form der Misshandlung, die sogar tödlich enden kann. Das Veterinäramt hätte spätestens nach unserer Meldung vor drei Wochen reagieren müssen. Warum sie das Tier weiterhin leiden lassen, ist nicht nachvollziehbar", wird Peter Höffken, Fachreferent bei Peta, in der Mitteilung zitiert. Bislang habe Peta nur die Information erhalten, dass der Fall in "laufender Bearbeitung" sei. Die Tierrechtsorganisation kritisierte in ihrer öffentlichen Meldung die Behörde scharf und forderte auch Landrat Andreas Meier auf, den Hund zu beschlagnahmen und eine tierärztliche Versorgung sicherzustellen.

Das sagt das Landratsamt

Marcel Weidner, Pressesprecher am Landratsamt Neustadt/WN, erklärt auf Nachfrage wie mit der Meldung von Peta verfahren wurde. Es komme regelmäßig vor, dass Peta Tierschutzanzeigen von Privatpersonen an die zuständigen Veterinärämter weitergibt. "Da die Behauptungen der Hinweisgeber ungeprüft übernommen werden, besteht aber auch die Gefahr der Weitergabe von Falschinformationen, etwa bei Nachbarschaftsstreitigkeiten." Peta habe weder eine Kontrollfunktion über Behörden noch einen Auskunftsanspruch.

"Daher wurde die Organisation nur darüber informiert, dass das Landratsamt sich um den Fall kümmert." Im aktuellen Fall handle es sich um einen Hund, bei dem die vorliegenden Bilder eine stark vernachlässigte Fellpflege zeigten. "Bei einem alten und kranken Hund können zusätzlich Altersbeschwerden oder Gelenkleiden auftreten, die keinen Zusammenhang mit der vernachlässigten Fellpflege haben." Deshalb müsse zuerst eine Begutachtung erfolgen, um das Ausmaß des Tierschutzverstoßes beurteilen zu können, heißt es aus dem Landratsamt.

Das Veterinäramt sei deshalb sogar schon vor Ort gewesen, erklärt Weidner. Jedoch hätte der Hundehalter nie die Tür geöffnet. "Da auch vereinbarte Termine nicht eingehalten wurden, wurde der Hundehalter jetzt unter Androhung von 1000 Euro Zwangsgeld aufgefordert, den Hund zur Begutachtung vorzustellen." 500 Euro Zwangsgeld habe der Hundehalter schon bezahlen müssen, heißt es aus Neustadt. Zur Begutachtung des Hundes wurden zwei Termine festgesetzt. Einer sei mit Donnerstag, 12. August bereits verstrichen, teilte Pressesprecher Weidner mit.

Das sagt der Halter

Nachdem Oberpfalz-Medien über einen freien Mitarbeiter vor Ort den Hundehalter ausfindig machen konnte, steht nun fest, dass das Tier nicht mehr gefährdet und in Sicherheit ist. Der Hundehalter hat den Vierbeiner mittlerweile von sich aus ins Tierheim nach Weiden gebracht. Offenbar zeigten die Stimmen, die von Vernachlässigung sprachen, Wirkung, denn der ehemalige Halter zeigte sich im Gespräch mit Oberpfalz-Medien einsichtig.

Der Mann gab zu, mit dem Tier schlicht überfordert gewesen zu sein. "Ich bereue das wirklich, und es hat mir auch leid getan", erklärte er am Telefon. Peta erinnert in Zusammenhang mit dem Fall in der Oberpfalz daran, dass es eine große Verantwortung bedeute ein Tier zu halten und ein Haustier häufig auch mit hohen Kosten einhergehe. Bei Hunden aus dem Tierheim, denen man ein neues Zuhause schenken möchte, würden sich im Vorfeld gemeinsame Spaziergänge anbieten, um zu testen ob die Chemie zwischen Mensch und Tier stimme. Nur so stünde einem harmonischen Zusammenleben nichts im Weg.

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"Zuerst muss eine Begutachtung erfolgen, um das Ausmaß des Tierschutzverstoßes beurteilen zu können."

Marcel Weidner, Pressesprecher am Landratsamt Neustadt/WN

 

 

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