16.07.2021 - 10:23 Uhr
Neustadt an der WaldnaabOberpfalz

Wie sicher sind die Dämme? Gewässer im Landkreis Neustadt/WN werden geprüft

Bräche am Flossenbürger Gaisweiher der Damm, wäre in Floß landunter. Nur gut, dass dieser Damm vor Jahren schon untersucht und saniert wurde. Gefahr gebannt. Aber viele kleinere Weiher werden aktuell überprüft. Nicht alle sind ganz sicher.

Einer der Weiher in Altenhammer; für die Weiherkette in dem Ortsteil lässt die Gemeinde derzeit ein Gutachten erstellen.
von Gabi EichlProfil

Der Flossenbürger Stieberweiher gehört zu jenen Teichanlagen, die derzeit im Landkreis untersucht werden. Ein Ortstermin hat ergeben, dass hier eventuell Gefahr im Verzug ist, hieß es zuletzt im Gemeinderat. Die Gemeinde hat laut Bürgermeister Thomas Meiler einen Gutachter beauftragt zu prüfen, ob ein teures Gutachten überhaupt notwendig ist. Denn die Kosten für ein solches Gutachten müsste die Gemeinde, so Meiler, auf die Anlieger umlegen. Anlieger sind in einem solchen Fall diejenigen, die in Gefahr sind, überschwemmt zu werden. Für den Ortsteil Altenhammer mit seinen hintereinander liegenden Weihern wird laut Meiler bereits ein solches Gutachten erstellt.

Müssen sich also Anrainer solcher Weiheranlagen Sorgen machen? Sei es, dass sie teure Gutachten mitzahlen müssen oder überschwemmt werden? Vor gerade einmal einem Jahr, im Juni 2020, setzte im Vorbacher Ortsteil Oberbibrach nach Starkregen erst der Biberbach das Dorfzentrum unter Wasser, danach kam eine zweite größere Flutwelle, die aus dem Rosabach und den diesen speisenden Weihern stammte. Der Wasserstand war bis dahin wieder gesunken und stieg urplötzlich wieder. „Auf einmal wie eine große Welle“, beschrieben Augenzeugen den Vorfall. Tatsächlich war zusätzlich ein Damm der Weiher gebrochen. Wenige Minuten später stand das Dorfzentrum unter Wasser. Untersuchungen ergaben später, dass der Damm des Schneidweihers gebrochen war.

Regelmäßige Kontrollen

Wie die Pressesprecherin des Landratsamtes, Claudia Prößl, auf Nachfrage von Oberpfalz-Medien sagt, hat die Wasserwirtschaftsverwaltung schon seit einigen Jahren den Auftrag, die kleinen Stauanlagen zu überprüfen. Dies werde wegen Ereignissen wie in Oberbibrach aktuell verstärkt betrieben. Die großen Weiher wie etwa der Flossenbürger Gaisweiher seien auch bisher schon regelmäßig im Rahmen der technischen Gewässeraufsicht überprüft worden. Dem Landratsamt seien „diesbezüglich keine Mängel mitgeteilt worden“.

Im Herbst vergangenen Jahres gab es laut Prößl eine Besprechung mit Vertretern des Wasserwirtschaftsamtes Weiden in der Sache. Hintergrund sei gewesen, dass das Wasserwirtschaftsamt Weilheim (Landkreis Weilheim-Schongau) bei stichprobenartigen Überprüfungen in den vergangenen Jahren eine Vielzahl von Defiziten bei der Anlagensicherheit von Fischteichen festgestellt habe.

Auch das Weidener Amt habe daraufhin vom bayerischen Umweltministerium den Auftrag erhalten, bestimmte kleine Stauanlagen (Stauhöhe über zwei Meter und Volumen über 10.000 Kubikmeter) nach Anzahl und Gefährdungspotenzial zu erfassen und zu überprüfen.

Im Landkreis geht es laut Prößl um mehr als 200 Stau- und Teichanlagen, „die allermeisten mit geringem Gefährdungspotenzial“. Das Wasserwirtschaftsamt sei regelmäßig vor Ort und prüfe auf offensichtliche Mängel wie Standsicherheit, Hochwasserentlastung usw. Mängel würden dem Landratsamt mitgeteilt, ebenso Fördermöglichkeiten und Anlaufstellen für die Teichwirte.

Bis heute habe das Landratsamt zu 16 Weiheranlagen/Weiherketten Mitteilungen des Wasserwirtschaftsamtes bekommen und an die jeweiligen Unterhaltsverpflichteten weitergegeben. Da es sich überwiegend um sehr alte, seit jeher bestehende Weiher handle, über die keine wasserrechtliche Planfeststellung vorliege, in der eine Unterhaltungspflicht geregelt sei, sei die Gemeinde vor Ort Unterhaltsverpflichteter, da es sich bei den Weihern um Gewässer dritter Ordnung handelt. Wie der Flossenbürger Bürgermeister im Gemeinderat gesagt hatte, bestätigt Prößl, dass die Gemeinde die Kosten für eine Sanierung auf Anlieger umlegen könne.

Abhilfemaßnahmen

Wie geht es weiter, wenn das Wasserwirtschaftsamt wie im Fall des Flossenbürger Stieberweihers ein „Gefährdungspotenzial“ erkannt hat? Laut Prößl stellt der Zuständige, hier die Gemeinde, einen Förderantrag und beauftragt einen Planer. Der Planer begutachtet die Anlage und schlägt Abhilfemaßnahmen vor, die umgesetzt werden müssen.

Klar sei, dass das teuer werden könne auch für all jene, die die Teiche vielleicht geerbt und gar keinen direkten Nutzen davon hätten. Das Landratsamt bemühe sich daher um neue Fördermöglichkeiten. Keine Frage sei aber, dass die Gefahren durch offensichtliche Mängel behoben werden müssten.

Die Kosten einer Sanierung vermag Plößl eigenen Angaben zufolge nicht beziffern. Das Wasserwirtschaftsamt verlange in jedem Fall ein sogenanntes Standsicherheitsgutachten; ein solches setze eine Vermessung des Damms und eventuell auch eine geologische Untersuchung desselben voraus, was schon nicht ganz billig sei. Alternativ könne auch eine Gefährdungsabschätzung mit einer sogenannten Flutwellenberechnung erfolgen, durch die nachgewiesen werde, dass im Fall eines Dammbruchs keine Menschen gefährdet würden.

Dammbruch in Oberbibrach

Oberbibrach bei Vorbach
Der Flossenbürger Hornmühlweiher gehört nicht zu den Weihern, die sanierungsbedürftig sind; weiter hinten liegt jedoch der Stieberweiher mitten im Wald, und dieser ist nicht mehr zu hundert Prozent standfest.
Hintergrund:

Schutz, Pflege und Entwicklung Gewässer dritter Ordnung

  • Bayern ist ein Wasserland. Hier fließen rund 100.000 Kilometer Gewässer von kleinen Quellbächen bis zu den großen Flüssen Donau und Main.
  • Etwa 92.000 Kilometer davon sind kleine Gewässer, auch als Gewässer dritter Ordnung bezeichnet. Deren Unterhaltung nach Artikel 22, die auch die Pflege und Entwicklung umfasst, und deren Ausbau nach Artikel 39 Bayerisches Wassergesetz sind in der Regel Pflichtaufgabe der Gemeinden und Städte, sowie von Wasser- und Bodenverbänden, die diese im Rahmen der wasserrechtlichen Vorgaben wahrnehmen.
  • Die Kommunen erfüllen diese Aufgaben im eigenen Wirkungskreis und werden von den Gewässer-Nachbarschaften und vom örtlich zuständigen Wasserwirtschaftsamt unterstützt.

 

 

Kommentare

Um Kommentare verfassen zu können, müssen Sie sich anmelden.

Bitte beachten Sie unsere Nutzungsregeln.