27.11.2020 - 11:47 Uhr
Neustadt an der WaldnaabOberpfalz

Jäger sollen mehr Frischlinge im Landkreis Neustadt/WN erlegen

Um Hausschweinbestände vor der Afrikanischen Schweinepest zu schützen, geht es bereits Frischlingen an den Kragen. Weil der Abschuss offenbar wirkt, setzt der Landkreis weiterhin Kopfgeld auf junge Wildschweine aus.

Possierlich sind Frischlinge zweifelsohne. Stünden sie nicht so weit oben auf der Abschussliste, würden sie jedoch den Ausbruch der Afrikanischen Schweinepest beschleunigen, meinen Experten.
von Friedrich Peterhans Kontakt Profil

Seit August 2019 zahlt das Landratsamt jedem Jäger 30 Euro pro erlegtem Frischling. Damit sollen Infektionsketten bei Ausbruch der Afrikanischen Schweinepest (ASP) leichter durchbrochen und Wildschäden reduziert werden. Einzelheiten erläuterte Jürgen Biller von der Unteren Jagdbehörde im Kreisausschuss.

Die ASP ist bereits in Sachsen und Brandenburg angekommen. Würde sie den Landkreis erreichen, seien rund 26000 Hausschweine zwischen Waidhaus und Schlammersdorf in Gefahr. Die Sorge um diese Bestände kann für Jäger durchaus lukrativ sein. Das bayerische Umweltministerium zahlt für den Abschuss von Bachen, Überläufer-Bachen und Frischlingen 20 Euro pro Tier. Weil es den Landkreis Neustadt wegen der Grenzlage zu Tschechien als ASP-Risikogebiet einstuft, zahlt der Freistaat auch Prämien für erlegte männliche Tiere und zwar pauschal 100 Euro pro Wildschwein.

Dass der Landkreis ebenfalls mit Geld lockt, liege daran, dass Frischlinge wegen der schlechteren Verwertbarkeit nicht bevorzugt im Visier von Jägern stünden, erklärte Biller. Die höhere Frischlingsquote beim Abschuss habe laut Wissenschaft positive Auswirkungen auf die Sozialstruktur einer Rotte und bremse die unkontrollierte Vermehrung des Schwarzwilds.

Die Fraktionen des Kreistags stimmten der Verlängerung der Abschussprämienzahlung bis Ende März 2022 einstimmig zu. "Es freut mich, dass unserer früherer Antrag fast zu einer Verdoppelung des Frischlingsabschusses geführt hat. Das ist ein gutes Mittel zur ASP-Bekämpfung," sagte CSU-Sprecher Edgar Knobloch.

Die Zahlen der Jagdbehörde scheinen dies zu bestätigen. Die Schwarzwildstrecke im Landkreis betrug im Jagdjahr 2019/20 (April 2019 bis Ende März 2020) 3044 Wildschweine, darunter 1495 Frischlinge. Das entspricht einem Anteil von 49,11 Prozent. Im Jahr zuvor waren es 42 Prozent. Der Bayernschnitt liegt bei 43 Prozent. Jagdverband und Umweltministerium streben aber Werte "deutlich über 50 Prozent" an. Bei gleich hohen oder leicht steigenden Abschusszahlen würde dies den Landkreis pro Jagdjahr 55000 bis 60000 Euro kosten.

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