12.08.2020 - 17:11 Uhr
Neustadt an der WaldnaabOberpfalz

Herzenswunsch: Grabstein für Baby Louisa aus Neustadt/WN

Diesen Artikel lesen Sie mit
Was ist OnetzPlus?

Mit 17 Monaten hat die kleine Louisa aus Neustadt/WN den Kampf gegen einen Hirntumor verloren. Sie starb wenige Tage vor dem Corona-Lockdown. Heute, fünf Monate später, wünscht sich die Familie nichts mehr als einen Grabstein für ihr Baby.

Ilona und Timo Stamminger aus Neustadt vermissen ihre Louisa sehr. Mit erst 17 Monaten starb ihr Baby in Folge eines aggressiven Hirntumors. Nun ist der Herzenswunsch der Familie ein Grabstein für Louisa. Doch den können sich die Stammingers aktuell nicht leisten.
von Simone Baumgärtner Kontakt Profil

„Louisa war eine kleine Löwin, aber der Krebs war leider stärker“, sagt Mama Ilona Stamminger. Am 9. März ist ihre Tochter mit nur 17 Monaten im Kreis ihrer Familie mit Mama Ilona, Papa Timo und Bruder Pascal im Kinderhospiz im Allgäu verstorben. Nach fünf Monaten Kampf gegen einen seltenen, aggressiven Hirntumor. Und vier Tage vor dem Corona-Lockdown. Doch wie ist es der Familie seither ergangen?

Die letzten Tage von Baby Louisa

Neustadt an der Waldnaab

„Wir konnten Louisa trotz Corona eine würdevolle Beerdigung hier in Neustadt ermöglichen“, sagt Mama Ilona tapfer. Das Grab sei schön gelegen, von dort aus könne man direkt hinunter zum Wald gucken. Nur der Grabstein fehlt noch. Und den wünscht sich die Familie sehnlichst. „Leider aber können wir uns diesen Wunsch nicht leisten.“

Denn als ob die Trauer und der Schmerz über Louisas Tod nicht genug an der Seele der Familie nagen würden, muss sie weitere Schicksalsschläge verkraften. In der Coronazeit gerät Papa Timo Stamminger, Maschinenführer bei der Firma Nachtmann, in Kurzarbeit. Seit 1. August ist er ganz ohne Arbeit, weil sein Vertrag nicht verlängert wurde.

Mutter selbst schwer krank

Ilona Stamminger selbst ist schwer krank. Sie hat eine Knochenmarkserkrankung, die sie während der Chemotherapie für Louisa so gut es ging hintanstellte. „Nach Louisas Tod ging es mir eine Zeit lang gesundheitlich noch ganz gut. Vielleicht weil man da einfach funktionieren muss.“ In dieser Phase haben Ilona und Timo Stamminger auch endlich geheiratet. „Das wollten wir schon letztes Jahr, aber dann kamen die Diagnose von Louisa und diese unendlichen Krankenhausaufenthalte in Regensburg dazwischen. Am 10. Juni haben wir in Neustadt aber Ja zueinander gesagt. Mit Masken. Trotz Corona. Das waren wir Louisa einfach schuldig.“

Ich werde nicht aufgeben. Das habe ich auch Louisa versprochen.

Mutter Ilona Stamminger

Mutter Ilona Stamminger

Das Rattern der Nähmaschine hilft der 35-Jährigen durch die schwere Zeit. „Ich habe ein Kleingewerbe angemeldet und nähe Babykleidung, auch für die Frühchenstation. Immer dann, wenn ich kann.“ Auch einen Minijob, zwei Stunden Putzen pro Tag, versucht Ilona Stamminger zu bewältigen.

Bruder von Louisa leidet sehr

Doch vor einem Monat folgt der herbe gesundheitliche Rückschlag: Die 35-Jährige trifft ein leichter Schlaganfall, eine Knochenmarkspunktion vor wenigen Tagen folgte. Das Ergebnis steht noch aus. „Je nachdem sind eine Knochenmarkstransplantation und ein Spender nötig. Meine Schwester könnte infrage kommen. Aber auch mein Sohn Pascal will unbedingt helfen.“

Louisa lächelt im Arm von Mama Ilona beim ersten Hospizaufenthalt.

Bruder Pascal tut sich schwer mit Friedhofsbesuch

Den 16-jährigen Pascal haben Kampf und Tod seiner Schwester besonders mitgenommen. Trotz fünf Chemoblöcke samt aller Nebenwirkungen ist der Hirntumor von Louisa nicht kleiner geworden. Im Gegenteil. Er ist weiter gewachsen. Zudem hatten sich Metastasen im Rückenmark gebildet. „In den letzten Tagen im Kinderhospiz haben wir alle vier noch viel Zeit miteinander verbringen können. Zuletzt waren wir nur mehr zerrissen zwischen der Hoffnung und dem Wunsch, dass Louisa gehen darf“, erinnert sich Mutter Ilona. Als die Kleine am 9. März morgens um 5.30 Uhr im Beisein der ganzen Familie verstarb, hat ein Sozialpädagoge Bruder Pascal noch im Kinderhospiz aufgefangen.

In der Krise zum Schulabschluss

Daheim in Neustadt kämpft sich der Teenager zurück in den Alltag, stemmt den Quali. Ab September will er an der Pestalozzischule in Weiden an der Mittleren Reife arbeiten. „Etwas Trost findet er auch bei seinem neuen Gefährten, Kater Leo. Aber ihm fällt es so schwer, auf den Friedhof zu gehen“, sorgt sich Mama Ilona – und wünscht sich nichts mehr, als dass er sich auch dort gut aufgehoben fühlen kann. „Zumal wir uns gleich für ein Doppelgrab entschieden haben. Wir wissen ja nicht, wie das mit mir noch ausgeht.“ Ein schöner Grabstein für die kleine Schwester könnte helfen. „Ein Grabstein, der all die Stärke, den Mut und die Lebensfreude von Louisa verkörpert. Das ist der Herzenswunsch unserer Familie.“ Dringlich ist er obendrein, weil Mama Ilona vermutlich selbst bald ins Krankenhaus muss. „Ich wünsche mir so sehr, dass vorher alles fertig wird. Ich will, dass meine Männer sich um nichts kümmern müssen.“

Amsel als Zeichen?

Aktuell gibt es zwar all die Probleme, aber auch diese Amsel auf der Terrasse. „Sie kommt, seit Louisa gegangen ist“, sagt Mama Ilona und betont: Der Glaube an die Gerechtigkeit habe unter all dem Erlebten gelitten. Glaube ans große Ganze aber sei noch da. „Den darf man auch nicht verlieren. Sonst würde ich auch für mich nicht mehr kämpfen.“ Noch in dieser Woche steht das Gespräch mit der Onkologie an. „Egal, was kommt: Ich werde nicht aufgeben. Das habe ich auch Louisa versprochen“, sagt Mutter Ilona.

Heute gibt es zwar all diese neuen Probleme, aber auch diese Amsel auf der Terrasse. "Sie kommt, seit Louisa gegangen ist", sagt Mama Ilona und betont: Der Glaube an die Gerechtigkeit habe unter all dem Erlebten gelitten. "Den Glauben an sich darf man aber nicht verlieren. Sonst würde ich auch für mich nicht mehr kämpfen." Noch in dieser Woche kommt der Anruf mit dem Ergebnis der Knochenmarkspunktion. "Egal, was kommt: Ich werde nicht aufgeben. Das habe ich auch Louisa versprochen."

So haben die kleine Louisa und ihre Familie gekämpft

Oberpfalz
Info:

Familie Stammingers klare Vorstellungen vom Grabstein

  • Ein Fels soll es sein für Louisa. „Er soll für die schwere Zeit stehen, die wir durchgemacht haben.“
  • Der Fels soll hell, am besten weiß strahlen. „Weil Luisa trotz allem so ein fröhlicher kleiner Mensch war und viel gelacht hat.“
  • Oben auf dem Fels soll ein Regenbogen aus Glas in der Sonne funkeln als Ausdruck der Hoffnung. „Die haben wir nie aufgegeben.“

Familie Stamminger hat sich bereits über die Kosten erkundigt. Ein Steinmetz aus dem Landkreis Neustadt/WN habe sich sehr entgegenkommend gezeigt. Er bot der Familie einen Stein an, wie sie sich ihn wünscht. Dieser sei bereits gebraucht, müsse neu aufgearbeitet werden, koste dafür aber nur die Hälfte. Auch der Regenbogen sowie eine spezielle Form für den Weihwasserbehälter, einen Sonnenblume mit Biene wie es sich Bruder Pascal wünscht, lasse sich verwirklichen. Der Preis von 3500 Euro ist für Stammingers aber dennoch unerschwinglichen. Mittlerweile haben sich aber viele Menschen gemeldet, die helfen wollen.

Zwischen Engeln, Schmetterlingen und der Mutperlenkette hat die kleine Louisa auf dem Friedhof in Neustadt/WN ihre letzte Ruhestätte gefunden. Das provisorische Holzkreuz soll nun aber einem Grabstein weichen, noch bevor die Mutter von Louisa selbst ins Krankenhaus muss.
Louisas Grab ist keines ausschließlich für Kinder. "Wir haben uns für ein Doppelgrab entschieden, weil wir ja nicht wissen, wie das mit mir ausgeht", sagt Mutter Ilona Stamminger, selbst schwer krank.

Die Ersten wollen helfen

Neustadt an der Waldnaab

Für Sie empfohlen

 

 

Videos aus der Region

Kommentare

Um Kommentare verfassen zu können, müssen Sie sich anmelden.

Bitte beachten Sie unsere Nutzungsregeln.

Theresa Kroher

Hallo, kann man irgendwo für die Familie spenden?

13.08.2020
Alexander Unger

Guten Morgen und danke für die Anfrage.

Im Artikel heißt es: Wer helfen will, kann sich unter redws@oberpfalzmedien.de , Stichwort Louisa, bei Oberpfalz-Medien melden.

13.08.2020