01.12.2020 - 12:22 Uhr
Neustadt an der WaldnaabOberpfalz

Frische Eltern in der Coronapandemie: Die Krise immer im Hinterkopf

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Eltern mit Baby haben es nicht leicht. Kontaktbeschränkungen und Hygieneregeln wirken sich auf Schwangerschaft, Geburt und das Leben danach aus. Holger Dagner und Katharina Freundl finden sich gerade ins Elterndasein in der Pandemie ein.

Simon Freundl-Dagner wurde am Samstag, 21. November, im Klinikum Weiden geboren und ahnt noch nicht, wie besonders der Start ins Leben in diesem Krisenjahr ist.
von Sonja Kaute Kontakt Profil

Simon Freundl-Dagner hatte es plötzlich eilig. Sein errechneter Geburtstermin war erst der 2. Dezember. Doch letzten Samstag wollte der kleine Junge endlich auf die Welt kommen. Für Papa Holger Dagner war das in doppelter Hinsicht ein Geschenk, denn er hatte an diesem Tag seinen 43. Geburtstag. "Das ist das beste Geburtstagsgeschenk überhaupt. Mehr geht nicht. Das ist wie ein Sechser im Lotto", sagt der stolze Vater. Während der Geburt im Klinikum Weiden hat das Paar aus Neustadt/WN die Coronakrise kurz ausblenden können. Mama Katharina Freundl musste im Kreißsaal keine Maske tragen. "Das wäre auch der Horror gewesen. Ich glaube, ich wäre kaputt gegangen", sagt die frisch gebackene Mutter, die seit Montag mit Baby Simon zu Hause ist.

Baby platzt in Papas Geburtstag

Die Geburt kam für das Paar recht überraschend. "Wir sind am Freitagnachmittag wegen Wehen zur Untersuchung rein ins Krankenhaus. Dort sagte man, wir könnten vermutlich am Samstagmorgen wieder heim", erzählt Holger Dagner, der gebürtig aus Schwand bei Parkstein kommt. "Der Muttermund war noch recht zu. Ich sollte nur eine Nacht zur Beobachtung bleiben", ergänzt seine Partnerin. "Um 21 Uhr wurde noch einmal ein CTG gemacht. Und direkt danach ist auf dem Zimmer die Fruchtblase geplatzt." Simon wurde am Samstag um 5.42 Uhr kerngesund mit 51 Zentimetern Körperlänge und 3370 Gramm Gewicht geboren. "Ich war eigentlich bei einem Arbeitskollegen zum Geburtstag eingeladen. Wir wollten im kleinen Kreise mit zwei Haushalten ein bisschen feiern. Das ganze Ding ist geplatzt", lacht Simons Papa.

Paare, die in diesem Jahr Babys bekommen, merken die Folgen Coronakrise ständig. "Beim Arzt hat man das schon arg gemerkt", sagt Mama Katharina. "Zum Beispiel durfte keiner mit zu den Untersuchungen. Mein Freund hat öfters gesagt, er würde gerne mitgehen zum CTG oder Ultraschall. Man war auch generell vorsichtiger. Aber wir haben versucht, das Leben möglichst normal zu führen."

Auch gleich nach der Geburt gab es Einschränkungen, die verständlich, aber nicht leicht zu verdauen waren. "Meine beste Freundin wurde nicht reingelassen, weil gleichzeitig mein Freund da war. Das hat mir schon gefehlt. Man freut sich ja, wenn jemand kommt", erzählt die 31-Jährige. Bisher habe das Baby außer dem ersten Sohn von Holger Dagner noch niemand gesehen. "Meine Eltern leben bei Würzburg, meine Oma ist 90 und Simon ist ihr erster Urenkel. Ich hoffe, dass wir bald hin können, aber man ist natürlich vorsichtig. Weihnachten ist in der Diskussion, aber wir wissen es noch nicht. Ich hoffe auch, dass ich meine Freundin in den nächsten Tagen sehen kann. Das werden wir uns vermutlich nicht nehmen lassen. Man braucht ja Kontakt, kann sich nicht total einsperren", so die Mama. Jetzt sei jedenfalls erst einmal Zeit, sich zu dritt einzugewöhnen.

"So normal wie möglich"

Dabei hilft eine Hebamme. "Ich bin froh, dass ich sie habe. Für mich ist es ja das erste Kind. Die Hebamme hilft mir, wo ich noch unsicher bin und ist auch telefonisch erreichbar." Die Coronakrise habe das Paar immer im Hinterkopf. "Aber wir genießen die Zeit und versuchen, sie so normal wie möglich zu gestalten." "Man lebt damit und arrangiert sich", so Holger Dagner. Das gilt auch für seine kommenden Geburtstage, die er mit Sohn Simon teilen wird. "Nachmittags die Kinder, abends die Erwachsenen", verrät er seinen Plan. "Für mich wird's teuer", scherzt seine Lebensgefährtin.

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  • Voruntersuchung von Schwangeren: Bei Schwangeren mit unauffälliger Vorgeschichte und regelrechtem Verlauf der Schwangerschaft können Anmeldung im Kreißsaal und Anästhesiegespräch telefonisch erfolgen. Empfiehlt der Frauenarzt die Untersuchung vor der Geburt in der Klinik, sollte ein Termin vereinbart werden (mit Maskenpflicht, Begleitperson nur in Ausnahmefällen möglich).
  • Coronatest: Bereits bei der Aufnahme wird die Mutter auf eine Infektion getestet. Das Kind wird nur bei begründetem Verdacht auf eine Infektion oder wenn die Mutter positiv getestet wurde selbst getestet. Bisher gab es noch bei keinem Neugeborenen ein positives Testergebnis.
  • Kreißsaal-Besichtigungen sind nicht wie gewohnt möglich, aber das Klinikum plant derzeit als Ersatz die Umsetzung einer virtuellen Kreißsaalführung.
  • Rund um die Geburt: Der Vater oder eine nahestehende Person darf die Geburt begleiten (mit Maskenpflicht). Während der Geburt wird abhängig vom Verlauf, der Phase der Geburt und dem Wunsch der Patientin individuell entschieden, ob eine Maske getragen werden muss.
  • Geburt mit bestätigter Covid-19-Infektion oder Verdacht: Es wird ein spezieller Kreißsaal genutzt und es greift ein extra entwickeltes Konzept, zu dem ein zusätzlicher ärztlicher Corona-Rufdienst gehört, um zu gewährleisten, dass trotz des zusätzlichen Aufwands, der bei der Begleitung einer Schwangeren mit Covid-19 oder dem Verdacht darauf vorliegt, alle anderen Patientinnen wie gewohnt versorgt werden können.
  • Besuchsregeln auf der Geburtshilfestation: Es gelten die Regeln wie im gesamten Haus. Patientinnen und Neugeborene können täglich ein Mal von einer Person für zwei Stunden besucht werden. Ein Geschwisterkind unter sechs Jahren darf eine erwachsene Person begleiten.
  • Babyboom nach dem ersten Lockdown? Einen Corona-Effekt gibt es laut Reindl bisher nicht. Im November gab es in Weiden bisher 79 Geburten (Stand bis 22. November), was in etwa den Vorjahren entspricht. In der Gesamtbewertung seit Jahresbeginn ist jedoch ein Anstieg der Geburten zu erkennen. Bis Stichtag 22. November gab es am Klinikum 1363 Geburten (2018: 1199, 2019: 1227). Während der vorübergehenden Schließung der Geburtshilfe Tirschenreuth im Frühjahr übernahm das Weidener Klinikum viele dieser Geburten. Aber auch ohne diese zusätzlichen Geburten bleibt ein Anstieg. Laut Reindl ist dieser auf das neu aufgestellte Team der Frauenklinik am Klinikum um Chefarzt Dr. Bernd Hornbacher, die Leitenden Oberärztinnen Dr. Anette Lechler und Dr. Ines Erhardt sowie das gesamte weitere Team zurückzuführen.

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