05.05.2021 - 15:42 Uhr
Neustadt an der WaldnaabOberpfalz

Felsen in der Gramaustraße werden zu Steinen des Anstoßes

Diesen Artikel lesen Sie mit
Alle Informationen zu OnetzPlus

Mit dem Vorwurf, zu eigenmächtig gehandelt zu haben, konfrontiert Armin Aichinger den Neustädter Bürgermeister Sebastian Dippold. Der sieht sich im Recht und gibt ein Versprechen ab.

Zwischen die Felsbrocken, die noch vom Tunnelbau übrig waren, wird in der Gramaustraße demnächst ein Apfelbaum gepflanzt.
von Uwe Ibl Kontakt Profil

"Bisher war es Usus, dass der Stadtrat beziehungsweise der Bauausschuss bei Umgestaltungen oder baulichen Veränderungen mit ins Boot geholt wurde, sich eine eigene Meinung bilden und darüber abstimmen konnte." Mit diesen Worten startete Armin Aichinger im Stadtrat seine Kritik am Vorgehen von Bürgermeister Sebastian Dippold bei der Umgestaltung einer Grünfläche. "Leider wurde der Ausschuss bei der Maßnahme in der Gramau nicht gehört", klagt der ehemalige Bürgermeisterkandidat.

Aichinger bat darum, "in Zukunft derart stadtbildprägende Projekte im Bauausschuss vorzubesprechen und zu beraten." Ähnlich wie in der Gramaustraße sei auch die Platzierung der Felsbrocken im Vogelherd ohne Absprache geschehen. "Ich kann den Bauausschuss künftig gerne informieren", entgegnete Dippold auf den Kritikpunkt in der Sitzung kurz und knapp.

Wie aus dem Stadtratsprotokoll hervorgeht, war der Grünstreifen in der Gramaustraße bereits in der April-Sitzung Thema. Auf Aichingers damaligen Hinweis, dass der Bereich in der Liste der Neupflanzungen von Bäumen nicht enthalten sei, hatte Dippold geantwortet, dass auf die große Freifläche ein Baum gepflanzt werde.

"Damit nicht irgendein Gramauerer an Vitaminmangel leidet kommt wieder ein Apfelbaum hin", lacht Bauhofleiter Alexander Lang am Tag nach der Sitzung. Es wird einer von zehn Bäumen sein, die der Naturkostladen Hollerbirl der Stadt zur Verfügung stellt. Kosten: keine. Auch für die Felsbrocken aus Mühlberggneis muss der Kämmerer keinen Euro bezahlen. Lang: "Die sind noch vom Bau des Tunnels übrig." Für den Rindenmulch waren einige hundert Euro fällig und für die Bepflanzung mit blühenden Bodendeckern etwas mehr, teilte Dippold mit. Die Höhe der Ausgaben machte gemäß der Vorgaben in der Geschäftsordnung mit weit unter 10.000 Euro keinen Gremienbeschluss nötig.

"Ich möchte die Räte nicht mit jeder Kleinigkeit überfrachten", sagte das Stadtoberhaupt am Tag nach der Sitzung. Er räumt allerdings ein, dass die Entfernung der alten Bäume in der Gramaustraße etwas unglücklich gelaufen sei. Dort standen verwachsene alte Obstgehölze. Die seien nach Auskunft des Experten vom Bauhof nicht mehr fit gewesen. Nach dem 1. März sei ein Rückschnitt wegen brütender Vögel nicht mehr zulässig gewesen und die Neugestaltung musste schnell erfolgen, da der neue Baum im April oder Mai kommen sollte.

Kommentar:

Schnelle Entscheidung statt langer Debatte

Ja es ist richtig, dass es bisher Usus in Neustadt war, bei nahezu jedem neu- oder umgestalteten Fleckchen Grün oder Bröckelchen Stein oder Fitzelchen Asphalt ein Gremium einzubinden. Es ist – gerade für die Opposition – auch richtig und sinnvoll, aufmerksam Veränderungen bei gewohnten Entscheidungswegen wahrzunehmen und eventuell drohende schleichende Abwandlungen im Keim anzusprechen, bevor sich eine möglicherweise ungute Routine einrichtet, die sich dann als gegeben aber nicht von allen gewollt festsetzt. Richtig ist aber auch, das Zögern, Zaudern, Abwägen und die Bildung von Arbeitskreisen manchmal der schlechtere Weg sind, gegenüber dem, eine Gelegenheit beim Schopf zu packen und im Rahmen des zugesagten Spielraums eine Entscheidung zu treffen. Mit dem Versprechen des Bürgermeisters, dass er die Gremien künftig darüber informieren werde, sollte das Scharmützel ein Ende haben. Sonst könnte sich eine Streitkultur hochschaukeln, die so niemandem in der Stadt etwas bringt.

Von Uwe Ibl

Ärger um zugeparkte Straße am Vogelherd

Neustadt an der Waldnaab
Mit bodendeckenden Pflanzen, Mühlberggneisbrocken und bald einem Apfelbaum ist die Freifläche in der Gramaustraße neu gestaltet. Armin Aichinger hätte sich zuvor eine Beratung im Bauausschuss gewünscht.

 

 

Kommentare

Um Kommentare verfassen zu können, müssen Sie sich anmelden.

Bitte beachten Sie unsere Nutzungsregeln.