12.05.2021 - 17:55 Uhr
Neustadt an der WaldnaabOberpfalz

Erleichterungen für Genesene? Diese Corona-Nachweise gelten

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Wer von einer Corona-Infektion genesen ist, dem stehen Erleichterungen zu. Keine Tests, keine Ausgangssperre, keine Kontaktbeschränkung. Die überstandene Erkrankung korrekt nachzuweisen, ist aber nicht ganz einfach. Eine Anleitung.

So sieht die Bestätigung eines positiven PCR-Tests aus. 28 Tage nach der Diagnose „Covid“ gilt dieses Dokument als Nachweis für Genesene. Wer es vorlegt, kann Erleichterungen in Anspruch nehmen.
von Florian Bindl Kontakt Profil

Peter Müller ist genesen. Von einer Corona-Infektion, die er sich im November eingefangen hat. Besonders schwer erwischt hat es ihn nicht, sagt er heute, nur der Geruchssinn sei noch immer beeinträchtigt. Ansonsten: alles in Ordnung. Nun hat der Kohlberger den Status inne, der Erleichterungen verspricht, aber zugleich mit viel Unsicherheit behaftet ist, Corona-Genesener.

Denn Anfang Mai beschloss die Bundesregierung, vollständig Geimpfte und Genesene gleichzustellen und sie von vielen Einschränkungen zu befreien. Das heißt konkret: Peter Müller braucht keinen Negativ-Test mehr, etwa um ins Restaurant oder zum Friseur zu gehen. Er zählt nicht mehr als Kontaktperson. Und auch die Ausgangssperre spielt keine Rolle mehr für ihn. Wie er den Status als Corona-Genesener aber korrekt nachweist, weiß er nicht. "Das ist ein ziemliches Chaos", findet er. Wenn selbst ehemals Erkrankte nur mutmaßen können, wie sie ihren Status beweisen sollen, wie sollen dann etwa Wirte und Friseure richtig kontrollieren? Welche Bescheinigungen für Genesene zählen, wer sie ausstellt und wie lange sie gelten, Oberpfalz-Medien hat nachgefragt.

Wer gilt überhaupt als genesen?

Je nach Krankheitsverlauf gelten unterschiedliche Maßgaben, wann Erkrankte die Quarantäne verlassen dürfen. Aber: Das ist noch nicht gleichzusetzen mit einer offiziellen "Genesung". Erst wer symptomfrei ist und wessen Positiv-Test 28 Tage zurückliegt, gilt als genesen und kann die damit verbundenen Erleichterungen beanspruchen. Erst nach diesen vier Wochen habe sich ein ausreichender Immunschutz ausgebildet, so die Begründung der Bundesregierung.

Wie belege ich, dass ich genesen bin?

Hier gibt es laut bayerischem Gesundheitsministerium mehrere Möglichkeiten. Erstens: Gültig ist ein Dokument des Testzentrums oder der Arztpraxis, das den positiven PCR-Test bescheinigt und auf dem das Datum des Tests vermerkt ist. Die zweite Option ist ein Dokument des zuständigen Gesundheitsamtes, das die nach der Infektion angeordnete Quarantäne belegt. Eine weitergehende – rein formale – Bestätigung des Gesundheitsamtes Weiden/Neustadt gebe es aber nicht, heißt es aus dem Landratsamt. Was als Beleg für Genesene nicht ausreicht, ist ein Antikörper-Nachweis.

Wie lange gelten die Bescheinigungen?

Der Zeitraum für den Status als "Genesener" ist klar festgelegt. Er beginnt 28 Tage nach dem Positiv-Test, solange keine Symptome mehr vorliegen, und endet nach sechs Monaten. So lange hält nach derzeitigen immunologischen Befunden der Immunschutz nach der Infektion, heißt es aus dem bayerischen Gesundheitsministerium. Und danach? Nach sechs Monaten ist mindestens eine Impfung notwendig, um den Schutz aufrecht zu erhalten und weiter von den Erleichterungen zu profitieren. Das ist nun bei Peter Müller der Fall. Im April lag seine Infektion sechs Monate zurück. Er hat sich deshalb in Weiden impfen lassen. Sowohl in seinem Impfpass als auch in der Impf-Bescheinigung ist vermerkt, dass die Erstimpfung bereits ausreichend schützt, da er schon erkrankt war. Beide Dokumente sind nun die benötigten Belege, so das Landratsamt. Allerdings ist die Schutzwirkung der Impfung erst nach 14 Tagen ausgeprägt. Ab dem 15. Tag nach dem Impftermin greifen die Erleichterungen.

Wieso reicht nach einer Erkrankung eine Erstimpfung aus?

Wer von Corona genesen ist, hat bereits als Immunreaktion Antikörper ausgebildet. Deren Schutzwirkung nimmt jedoch nach etwa sechs bis acht Monaten ab. Durch die erste Impfung nach frühestens sechs Monaten erhöht sich die Antikörperkonzentration wieder. Sie könne sich aber laut Gesundheitsministerium "durch eine zweite Impfung nicht weiter steigern". Nur bei Personen mit eingeschränkter Immunfunktion müsse "im Einzelfall entschieden werden, ob eine einmalige Impfung ausreicht".

Weitere Ausnahme: Wer in einem sehr frühen Stadium der Pandemie erkrankt ist, hat häufig keinen PCR-Test gemacht und kann somit seine Erkrankung nicht ausreichend nachweisen. Im März oder April des vergangenen Jahres waren PCR-Tests schlichtweg noch nicht so einfach verfügbar wie heute. Der Vohenstraußer Arzt Martin Poschenrieder kennt solche Fälle. Ehemals Erkrankte seien dann so zu behandeln, als hätten sie sich nie infiziert. „Unter diesen Umständen sollen auch Genesene eine zweite Impfung erhalten und sie gelten erst dann als vollständig geimpft.“ Erleichterungen inklusive. Eine andere Möglichkeit gebe es nicht, die obersten Behörden hätten sich deshalb darauf geeinigt.

So laufen die Impfungen in Weiden und im Kreis Neustadt derzeit

Weiden in der Oberpfalz
Hintergrund :

Erleichterungen für Geimpfte und Genesene

  • Kein Negativtest für Restaurant-, Zoo- oder Friseurbesuche notwendig
  • Keine Kontaktbeschränkungen
  • Keine Ausgangsbeschränkungen
  • Kontaktloser Individualsport ohne Einschränkung der Gruppengröße
  • Keine Quarantäne-Pflicht bei Einreisen aus dem Ausland (Ausnahme: Virusvarianten-Gebiete)

 

 

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