11.08.2020 - 16:36 Uhr
Neustadt an der WaldnaabOberpfalz

Digital den Schalter umlegen: Neue Vorstandsspitze bei den Sparkassen im Landkreis Neustadt/WN

Seit 1. August haben die Vereinigten Sparkassen Neustadt-Eschenbach-Vohenstrauß eine neue Führung. Die will das Haus weiter digitalisieren und Negativzinsen für Privatkunden möglichst vermeiden.

Eine Ruhebank ist das Geschäft der neuen Sparkassen-Spitze Gerhard Hösl und Johann Zach (von rechts) in den kommenden Jahren nicht. Ihr Ziel: eine sichere Bank für Kunden und Mitarbeiter.
von Friedrich Peterhans Kontakt Profil

Gerhard Hösl wiegelt ab: "Es ist doch gar kein richtiger Neustart, ich bin doch schon seit 13 Jahren im Haus." Doch hinter der Fassade der Bescheidenheit verbirgt sich nicht nur ein Karrieresprung, sondern auch ein klarer Plan, wohin der neue Vorstandsvorsitzende will. Da trifft es sich gut, wenn er mit Johann Zach einen Mitstreiter zur Seite hat, mit dem er sich nicht nur in einer früheren Station in Schwandorf als Kollege die Bälle zugespielt hat, sondern der auch sonst auf der gleichen Wellenlänge funkt.

Ihre Ausgangssituation bezeichnen die beiden als gut. Ihr Haus gehört beim Eigenkapital zum vorderen Drittel in der bayerischen Sparkassenwelt, ebenso bei der Ertragslage. Dennoch gelte es, beim nächsten Fünf-Jahres-Plan, der alle drei Monate aktualisiert wird, die richtige Mischung zu finden: mit ruhiger Hand den Kurs von Vorgänger Josef Pflaum fortsetzen, dem veränderten Kundenverhalten Rechnung tragen und Modelle zu entwickeln, in der andauernden Nullzins-Phase trotzdem etwas zu verdienen.

"Es wird heuer bei uns im Privatkundenbereich definitiv keine Negativzinsen geben, ich weiß aber nicht, wie es im nächsten oder übernächsten Jahr aussieht. Es wird auch ein bisschen davon abhängen, was andere tun", sagt Hösl. Schließlich müsse das Institut selbst für jeden gehaltenen Euro, der nicht als Anlage rausgeht, 0,5 Prozent Strafzins an die Bundesbank zahlen.

Bauherren gut aufgestellt

Optimistisch stimmt Hösl die Entwicklung im Kreditgeschäft. Das legte in den vergangenen beiden Jahren jeweils über zehn Prozent zu. Auch die Baufinanzierung gehört zu den Wachstumssektoren.

Nun aber Corona. Die Firmenkunden sind dank Rücklagen gut durchgekommen, atmen die Vorstände auf. Auch die meisten Privatkunden. Hösl: "Es hat kaum Tilgungsaussetzungen bei der Hausfinanzierung gegeben. Das hätte ich mir schlimmer vorgestellt." Was aber deutlich zu beobachten war: Die Pandemie war auch im Sparkassenbereich Beschleuniger der Digitalisierung. Selbst ältere Kunden erledigen ihre Bankgeschäfte zunehmend selbstverständlich via Handy. Am Geldautomaten werde im Gegenzug weniger abgehoben.

Das ist ein Grund, warum die mobile Geschäftsstelle eingestellt wird. Dieser fahrende Bankschalter machte zweimal die Woche in sieben Orten Station: Schirmitz, Schwarzenbach, Tännesberg, Waldthurn, Neustadt am Kulm, Schlammersdorf und Parkstein. "Das lohnt sich nicht, wenn dort jeweils nur ein bis zwei Leute hinkommen."

Überhaupt, das Filialgeschäft. Geschäftsstellenschließungen seien nicht geplant, doch dort werde es in Zukunft automatisierter zugehen. "Mensch-zu-Mensch-Beratung wird immer Dreh- und Angelpunkt unseres Geschäfts bleiben", versichert Zach. Doch das erfolgt bisweilen zusehends via Skype. Immer häufiger druckt sich der Kunde auch schon Verträge zu Hause aus.

Etwas anderes bleibt gar nicht übrig, unterstreicht Hösl. "Wir können nur mit gutem Kostenmanagement und Prozessoptimierung überleben." Dazu gehört, dass Plausibilitätsprüfungen heute von Algorithmen statt händisch erledigt werden, digitale Archive die Keller voller Leitz-Ordner ersetzen und sich der Vorstand zur Sitzung via Teams oder Zoom trifft.

Das hat die Sparkassenlandschaft bereits gewaltig verändert. Vor 15 Jahren hatten die Vereinigten noch 400 Vollzeitmitarbeiter in 52 Geschäftsstellen, heute sind es 200 Vollzeitkräfte und 19 Filialen.

Im Schnitt nur einmal in die Filiale

Den Trend weg vom Filialbesuch zum Bildschirm belegt die Statistik. Im Schnitt betritt der deutsche Sparkassenkunde seine Filiale einmal im Jahr zur Beratung, den Rest erledigt er auf der Homepage und mit App. Ein weiterer Trend: Kleinteiliges Wertpapiersparen läuft so gut wie noch nie. "Das ist in unserer Region auch das Richtige", ist Hösl überzeugt.

Wie die Sparkassenlandschaft der Zukunft aussieht, wagt der Vorstandschef nicht vorherzusagen. Das vielzitierte Thema Fusion mit Weiden liege in absehbarer Zeit nicht auf dem Tisch. "Aber es hängt viel von den kommunalen Trägern ab. Da geht der Trend zum Teil dorthin, in größeren Wirtschaftsregionen zu denken."

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Die Jahresbilanz der Vereinigten Sparkassen

Eschenbach
Zur Person:

Gerhard Hösl und Johann Zach

Gerhard Hösl ist 1967 in Oberviechtach geboren. Er lebt in Vohenstrauß, wo sein Bruder Alexander katholischer Dekan ist. Hösl hat an der Universität Regensburg Betriebswirtschaft studiert. In der Domstadt und in Schwandorf hat er auch in der Sparkasse gearbeitet. Zuletzt war er in bei den Vereinigten Sparkassen Stellvertreter des Vorstandsvorsitzenden Josef Pflaum. Hösl ist verheiratet, hat ein Kind und erholt sich beim Sport oder auf Reisen. Johann Zach (50) ist ebenfalls gebürtiger Oberviechtacher. Er lebt mit Frau und zwei Kindern in Schönsee und bezeichnet sich als "typisches Sparkassenkind", das seine Ausbildung 1986 in Schwandorf begann. 2000 wechselte er zum Sparkassenprüfverband, wo er für ganz Ostbayern zuständig war. Ab 2018 verantwortete er das Firmenkundengeschäft in Neustadt. Seit 1. August ist er Vize-Vorstandschef. In der Freizeit genießt er Familie und Natur. (phs)

Der frühere Vorstandschef Josef Pflaum blickt zurück

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