21.02.2021 - 15:22 Uhr
Neustadt an der WaldnaabOberpfalz

Bierdoktor Dr. Johannes Sauer "trifft" Bergdoktor Hans Sigl

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Der Bergdoktor Hans Sigl interviewte schon Alice Schwarzer und Anselm Grün. Jetzt lud er Bierdoktor Dr. Johannes Sauer zum Instagram-Gespräch. Mit dem Neustädter unterhielt er sich über Corona, die Lunge und Weißbier.

Der Bierdoktor aus Neustadt, Dr. Johannes Sauer, und der TV-Bergdoktor, Hans Sigl, stehen im engen Austausch.
von Uwe Ibl Kontakt Profil

„Ich habe immer darauf geachtet, dass das Hefeweizen mit Schaumkrone gescheit eingeschenkt ist“, sagt Dr. Johannes Sauer über seine Jobs als Schankkellner während des Studiums unter anderem in der ehemaligen Gaststätte Schätzler in der Weidener Bahnhofstraße. Nach einem Abstecher zur Geografie folgte er dem Vorbild seines Vaters Dr. Karlheinz Sauer und studierte Medizin. Seit November ist er als Facharzt für Radiologie am Klinikum Nürnberg Süd tätig. Als Hobby braut der 37-Jährige im Garten der Eltern in Neustadt „Rumpler Weiße“ für sich selbst sowie zum Verschenken an Freunde und Kollegen. Nebenbei hat sich der Mediziner die Marke „Bierdoktor“ beim Marken- und Patentamt schützen lassen und ein Kleingewerbe für die als „Gerste Hilfe Kurse“ bezeichneten „Bierseminare“ angemeldet.

Fernseh-Bergdoktor Hans Sigl (oben) talkt auf Instagram mit dem Bierdoktor, Sommelier und Radiologen Dr. Johannes Sauer aus Neustadt (unten).

„Mein Rezept zeichnet sich dadurch aus, dass das Weißbier extrem süffig ist“, schnalzt Sauer mit der Zunge. Der Holledauer Bitterhopfen stammt von Pflanzen, die der Nachbar am Rumpler in Neustadt vor langer Zeit zum 40. Geburtstag geschenkt bekommen hat. Für das Aroma ergänzt der Nachwuchsbrauer die Hopfengabe durch die Sorte Mandarina Bavaria. Zusammen mit Hefe vom Schneider aus Kelheim ergebe das insgesamt eine ausgewogene Würzigkeit. Das obergärige Bier vergärt er bei 16 bis 17 Grad. Die Kohlensäure für die Spritzigkeit entsteht anschließend bei der Flaschengärung.

Hopfendolden aus Nachbars Garten gibt Johannes Sauer in seine „Rumpler Weiße“.

Das Wissen ums Bier hat sich Sauer durch eine Ausbildung zum Diplom-Biersommelier bei Doemens in München erworben. „Beim Herumziehen mit den Bands, in denen ich als Gitarrist gespielt habe, habe ich viele verschiedene Biere getrunken, aber kaum etwas über sie gewusst.“ 2013 bei einer Reise mit Kumpels nach Kanada war der Wissendurst übers Bier wieder geweckt. „Wir haben Craftbier getrunken. Da gab es verrückt fuchtige oder bittere Biere, wie man sie hier nicht kannte.“ 2019 erarbeitete sich Sauer die professionelle Bierkunde mit 20 anderen, darunter Bierbrauer, Getränkehändler und Hobbybrauer. "Ich habe festgestellt, dass ich am wenigsten von der Sache wusste." Als Arzt war sein Ansatzpunkt, mit dem Gelernten Bier und Gesundheit an passender Stelle zu verbinden.

Johannes Sauer (Mitte) erhält von Axel Kiesbye (links) von der gleichnamigen Akademie in Obertrum am See bei Salzburg, dem Gründervater der Biersommelier-Ausbildung, und Fabian Staudinger von Doemens München die Urkunde über die erfolgreiche Ausbildung zum Diplom-Biersommelier.

„Es gibt Studien, die besagen, dass Leute, die moderat Bier trinken, länger leben, als die, die nichts trinken.“ Diesen Satz sagt nicht irgendein fröhlicher Bierliebhaber, sondern Dr. Johannes Sauer, Facharzt am Klinikum Nürnberg. Aber, betont der in Neustadt/WN aufgewachsene Bierdoktor, „Das negative im Bier ist der Alkohol. Er ist ein Zellgift und macht abhängig.“ Aus gesundheitlicher Sicht sei eine Menge von 0,5 Litern Gerstensaft bei einem gesunden Mann und 0,3 Litern bei der gesunden Frau das Maximum pro Tag. „Und man sollte immer wieder zwei Tage hintereinander keinen Alkohol trinken“, empfiehlt der Mediziner.

Radiologe Dr. Johannes Sauer hat neben seinem Beruf im Klinikum Nürnberg Süd privat eine Passion fürs Bier udn eine Ausbildung zum Diplom-Biersommelier absolviert.

Sauer verweist auf Studien der Uni Erlangen, die sekundären Pflanzenstoffen (Polyphenolen), und Harzen aus dem Hopfen eine antientzündliche, antioxidative und antikanzerogene, also gegen Tumorzellen gerichtete, Wirkung zuschrieben. Sie würden sich außerdem positiv auf den Fett- und Zuckerstoffwechsel auswirken und so einen schützenden Effekt vor Herz-Kreislauferkrankungen sowie Diabetes und Fettleibigkeit haben. Ohne diese positiven Eigenschaften der Hopfeninhaltsstoffe schmälern zu wollen, betont Sauer, dass sie im fertigen Bier in geringerer Konzentration vorkommen, als in der Studie untersucht.

„Durch Fermentation der Stärke und des Zuckers aus dem Malz mit der Hefe entstehen viele B-Vitamine.“ Sie seien wichtig für Zellstoffwechsel und Nerven. Außerdem sei der Hopfen ein Stimmungsaufheller, mache ausgeglichen durch beruhigende Aromaöle. Zusammen mit dem Alkohol in Maßen fördere Bier den Schlaf wohl besser als eine Schlaftablette. Sauer legt Wert auf das richtige Maß, denn der Alkohol sei eindeutig eine stark negative Komponente des Gerstensafts.

Lockdown und Coronavirus brachten dann den Bierdoktor mit dem Fernsehdoktor Hans Sigl in Kontakt. Der Schauspieler stehe ebenso wie Sauer selbst auf seinem Instagram-Account zu den Maßnahmen gegen die Pandemie. Zu dem Thema entflammte aber eine kontroverse Diskussion Sigls mit einem anderen User. Sauer: „Ich habe dann die medizinische Faktenlage dazu gerade gerückt.“ Der sich daraus entwickelnde Talk hat auf Sigls Seite mehr als 15 000 Klicks. Dabei ging es um die Impfbereitschaft unter Ärzten ebenso wie über den Unterschied von ober- und untergärigen Bieren oder die Beschreibung, was ein Radiologe macht und warum er so viel Wissen über die ganze Medizin braucht sowie über das, was man bei einem Coronakranken in der Lunge sieht.

Mit so einem Promi öffentlich vor einem riesen Publikum zu sprechen, ist spannend“, erinnert sich Sauer. Er habe Sigl, der per Instagram schon mit Anselm Grün oder Alice Schwarzer talkte, als unkomplizierten, netten und aufgeschlossenen Mensch kennengelernt.

„Sigl hat mich mit Fragen gelöchert und wollte vom Bierdoktor etwas für seine Fernseh-Praxis lernen.“ Bergdoktor Sigl äußerte sich mit Verweis auf die Vorbereitung zu den Dreharbeiten zum Winterspecial nicht zu seinen Eindrücken über das Gespräch. Sauer bezeichnete die Atmosphäre des Talks nach den ersten zwei bis drei Minuten als entspannt. „Wir haben live miteinander ein Weißbier getrunken.“

Zusätzlich zu dieser gasbeheizten Brauanlage in Neustadt hat sich Sauer nun eine vollautomatisches Gerät gekauft.

Von seiner „Rumpler Weiße“ wollte der gebürtige Straubinger eigentlich bei Ludwig Koch in Floß 1000 Liter brauen und für einen guten Zweck verkaufen. Aber wegen Corona liegt dieser Plan auf Eis. Dafür gönnt sich Sauer eine vollautomatische mobile Brauanlage mit Elektroheizung für die eigenen Sude, die er damit in Nürnberg kochen kann. Das bisherige mit Gas beheizte Gerät in Neustadt kam wegen der durch die Pandemie bedingt selteneren Besuche bei den Eltern immer weniger zum Einsatz.

Ich bin ein Weißbierenthusiast.

Johannes Sauer

Johannes Sauer

Sauer ist ein Weißbierenthusiast. Daneben bevorzugt er Helles oder als Kontraprodukt tiefdunkles Stout mit Röstmalz-Aromen. „Interessant sind belgische Sorten wie Sauerbier und alte, lange gelagerte Vintage-Biere.“ Abgestandenes, warmes Bier mag er nicht. Wenig begeistert ist der Bierdoktor außerdem von Biermischgetränken. „Bananenweizen geht gar nicht, würde ich sagen.“ Colaweizen und Radler? „Mei, wer es mag, soll es trinken.“ Geschmäcker seien eben verschieden. Sauer: „Ein gutes Bier muss zum Weitertrinken animieren.“

Online-Bierverkostung mit Tipps und Kommentaren vom Bierdoktor für einen guten Zweck

Weiden in der Oberpfalz

Zum Start der neuen "Bergdoktor"-Staffel

Deutschland & Welt
Hintergrund:

Dr. Johannes Sauer, ein Mann mit vielen Seiten

  • Radiologe in Nürnberg
  • Gitarrist und Sänger in ehemaligen Punk- und Metalbands wie „STRINE“ und „Tomleftmarybleading“, demnächst in der Rosenheimer Punkband „Avenal“.
  • Weizenbierbrauer im Garten der Eltern in Neustadt
  • Biersommelier, "Gerste Hilfe Kurse" derzeit nur im Internet

Es gibt viele Gründe, Fan des "Bergdoktors" zu sein

Oberpfalz
Der Weißbiersud kocht im Garten der Eltern in Neustadt/WN.
Hopfendolden aus Nachbars Garten gibt Johannes Sauer in seine „Rumpler Weiße“.
Der Hopfen wächst in Neustadt und ist selbst gezupft.

 

 

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