03.02.2020 - 13:39 Uhr
Neustadt an der WaldnaabOberpfalz

Bei Bargeldeinzahlungen gilt: Münzberge landen im Safebag

Das Münzgeld abschaffen? "Auf keinen Fall" sind sich die Chefs von Sparkasse und Raiffeisenbank in Neustadt einig. Lediglich auf 1- oder 2-Cent-Stücke könnte man ihrer Ansicht nach verzichten.

Einen Sack, oder besser gesagt: einen Safebag, voll Geld hält Wolfgang Robl, Kassier der Vereinigten Sparkassen Eschenbach-Neustadt-Vohenstrauß hier in Händen. Derart verpackt wird das Kleingeld der Kunden an einen Dienstleister geschickt. Der zählt die Münzen, meldet den Betrag zurück und die Einzahlung wird dem Kundenkonto gutgeschrieben.
von Jutta Porsche Kontakt Profil

Über die Abschaffung der zwei kleinen Kupfermünzen berät derzeit die EU-Kommission. Nur bei diesen zwei kleinen Münzen könnte sich Karl Völkl, Direktor der Raiffeisenbank Neustadt-Vohenstrauß mit dem Gedanken anfreunden, dass sie eingestampft werden. Denn die Bearbeitung dieser kleinen Stückelungen sei relativ teuer und nicht effektiv.

"Aber ein genereller Bargeldabschied sollte keinesfalls eingeläutet werden", warnt Völkl. "Das würde meines Erachtens die persönliche Freiheit einschränken." Die Daten von Kartennutzern würden überall gespeichert, so könnten persönliche Vorlieben und Gewohnheiten zurückverfolgt werden.

Der Verzicht auf 1- und 2-Cent-Münzen dagegen brächte teilweise eine Entlastung. Generelle Preiserhöhungen dürften damit aber keinesfalls verbunden sein. "Da heißt es, gut darauf achten, dass die Preise kaufmännisch auf- und abgerundet werden", fordert Völkl und klärt auf: Ein Preis von 19,98 Euro müsste auf 20 Euro aufgerundet werden. Ein Preis von 19,97 Euro dagegen wäre laut kaufmännischer Rundungsformel auf 19,95 Euro abzurunden. Auch aus diesem Blickwinkel steht für ihn fest: "Die 5-Cent-Münzen sollten erhalten bleiben."

In den Filialen der Raiffeisenbank Neustadt-Vohenstrauß komme es durchaus noch häufiger zu Bargeldeinzahlungen mit Münzen. Die werden von dem Geldinstitut allerdings mittlerweile an einen Dienstleister weitergereicht, weil das Geld zählen sehr aufwendig sei. Zudem würden die Münzen vom Dienstleister gleich daraufhin überprüft, ob sie noch tauglich seien.

Die Vorgehensweise: Das Hartgeld des Kunden kommt in eine stabile Plastiktüte, einen sogenannten Safebag. Der Kunde erhält eine Quittung mit der Nummer des Safebags. Nach zirka einer Woche erfolgt die Rückmeldung, wie hoch der Geldbetrag war. Der wird dem Kundenkonto gutgeschrieben. Umsonst ist dieser Service nicht: Der Safebag kostet 1 Euro. Drei Prozent des Einzahlungsbetrages fallen als Gebühren an.

Ausnahme sind kleine Kunden. Buben und Mädchen, die ihre Sparbüchse zum Entleeren bringen oder sich an der Kindersparwoche beteiligen, müssen keine Gebühren zahlen. Doch selbst bei den erwachsenen Einzahlern gilt laut Völkl: "Wir geben die Gebühren nur weiter. Für uns bleibt das trotzdem ein Draufzahlgeschäft."

Als "Verfechter von Bargeld" bezeichnet sich Direktor Josef Pflaum, der ebenso wie Karl Völkl, allenfalls auf die 1- und 2-Cent-Münzen verzichten würde. "Ich hoffe, es wird immer Bargeld geben." Denn für Pflaum ist Bargeld nach wie vor das beste Tauschmittel. Dass Kunden größere Münzberge bei den Vereinigten Sparkassen Eschenbach-Neustadt-Vohenstrauß zur Einzahlung bringen, habe stark nachgelassen, vom Weltspartag einmal abgesehen. "Selbst Kinder bekommen ja heutzutage ihr Taschengeld aufs Girokonto überwiesen."

Spielautomatenbetreiber würden vereinzelt noch größere Summen in klingender Münze anliefern. Das Prozedere bei Bargeldeinzahlungen gleicht dem bei der Raiffeisenbank. Das Geld der Kunden landet in Safebags, die werden an einen Dienstleister weitergeleitet, der das Geld zählt. Die Summe wird dann dem Konto des Kunden gutgeschrieben. Der Unterschied: Bisher verlangen die Vereinigten Sparkassen weder Geld für den Safebag noch für die Münzzählung. Denkbar sei aber, so Pflaum, dass in Zukunft eine Gebühr eingeführt werde.

"Zinsen sind abgeschafft", räumt der Sparkassenchef angesichts von 0,001 Prozent Zinsen auf Festgeld oder Sparbuch ein. Trotzdem vertritt er die Ansicht: "Sparen rentiert sich nach wie vor, im Sinne von Geldaufbewahrung." Angesichts der aktuellen Zinspolitik wäre ein Wertpapiersparvertrag allerdings sinnvoller, als ein Sparbuch.

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