04.06.2019 - 15:09 Uhr
Neustadt am KulmOberpfalz

Einfach gut gesalbt

"Heilsalben herstellen ist keine Hexerei", sagt die Kosmetikerin und Kräuterführerin Arina Schultes aus Neustadt am Kulm. Sie gibt Tipps für die Kosmetik vom Küchenherd.

Arina Schultes weiß, wie's geht. "Naturkosmetik selbst herstellen ist nicht schwer!", rät sie allen Interessierten, es auszuprobieren. Man könne kaum etwas falsch machen.
von Ulla Britta BaumerProfil

(ubb) Welche Inhaltsstoffe stecken in meiner Gesichtscreme? Wie reagiert meine Haut auf die Bodylotion vom Discounter? Wo wurde der Lippenbalsam aus der Drogerie hergestellt? Fragen über Fragen. Immer häufiger wollen verantwortungsbewusste Verbraucherinnen wissen, was sie kaufen, bevor sie Kosmetik verwenden. Die Antworten der Hersteller sind meist undurchsichtig, die Märkte sind mit Tausenden Produkten überschüttet. Und alles wird als das "Allheilmittel" schlechthin angepriesen.

Wer da nicht mehr mitmachen möchte, kann zu einer guten Alternative greifen: Kosmetik sowie Alltags-Heilmittel lassen sich wunderbar selbst herstellen. Arina Schultes gibt Ratschläge, wie es funktioniert. Die 59-jährige, gelernte Kosmetikerin hat, bevor sie selbst losgelegt hat, in der Umweltstation Waldsassen einen Kräuterführerkurs belegt. "Ich kannte vorher nur Löwenzahn, Gänseblümchen und die Brennnesseln", erzählt sie lachend. Der Erkenntnis, dass sprichwörtlich gegen jedes Wehwehchen und für jedes Pflegeprodukt ein Kraut gewachsen sei, folgte ein kleiner Schritt zur modernen "Kräuterhexe". Die Neustädterin gibt ihr Wissen auch unter anderem im Kemnather Familienzentrum "Mittendrin" an andere weitere.

Arina Schultes stellt unterschiedliche Döschen, Gläschen, Fläschchen mit fertigen Inhalten sowie geheimnisvollen Essenzen auf den Tisch.

Kundig machen

"Heilsalben selbst herstellen ist keine Hexerei", macht sie Mut und nennt gleich Regel Nummer eins: "Machen Sie sich kundig! Es gibt Volkshochschulkurse, Vorträge, Seminare, Workshops, gute Literatur und das Internet." Regel Nummer zwei: "Mit einfachen Rezepten beginnen." Schultes nennt hier eine Beinwellsalbe. Bitte was ist Beinwell? Die Fachfrau klärt auf: Beinwell ist eine Pflanze und man verwendet die Wurzel. Beinwellsalben lindern Schmerzen bei Prellungen und Zerrungen. Die zerkleinerte Wurzel (oder je nach Verwendungszweck getrocknete Ringelblumenköpfe, Gänseblümchen, Kleeblüten und anderes) wird in Speiseöl eingelegt. Schultes schlägt Rapsöl aus der Region vor. Alles in ein Gläschen füllen und verschlossen aufs Fensterbrett stellen.

Drei Wochen dauert es, bis sich die Wirkstoffe gelöst haben. Damit nichts verdirbt, muss die Substanz regelmäßig geschüttelt werden, lautet Regel Nummer drei. Nach 21 Tagen wird das Öl durch einen Filter oder ein Tuch gegossen. Wer eine Salbe oder Creme daraus herstellen möchte, benötigt weitere Zutaten. "Auf 100 Gramm Auszugsöl kommen 20 Gramm Bienenwachs sowie 20 Gramm Kakao- oder Sheabutter", nennt Arina Schultes ein Grundrezept.

Sie rät zum Schmelzen der Substanzen im Wasserbad. Sind die Zutaten geschmolzen, könne das Öl hinzugefügt werden und alles vorsichtig in kleine Behältnisse abgefüllt werden. Abkühlen lassen: Fertig! Mutige können sich mit diesen Grundregeln bis zum eigenen Lippenstift "hocharbeiten". Hierfür müsse die Substanz nur mehr Festigkeit bekommen. "Lippenstifte werden wunderbar mit Rosenöl, Orange oder einer anderen Duftvariante", erklärt Arina Schultes.

Wer möchte, kann sich sogar drehbare Lippenstifthülsen besorgen. Alle Zutaten, Behältnisse und Utensilien könne man unter anderem in der Apotheke oder übers Internet bestellen, nennt Arina Schultes zwei praktische Bezugsquellen.

Was kann falsch laufen?

Schultes warnt vor der Verwendung von unbekannten Gewächsen. Auch dürfe nicht alles gezupft werden, was draußen wächst. Arnika zum Beispiel stehe unter Naturschutz. "Wer sich nicht sicher ist, soll bitte seine Zutaten getrocknet oder als Pulver in der Apotheke oder über den Handel bestellen." Bei den Heilmitteln könne der eigene Kräutergarten zum Einsatz kommen: Rosmarin, Salbei, Thymian und Spitzwegerich seien rasch zum Einreibemittel bei Erkältungen verarbeitet.

Zur Frage der Haltbarkeit meint Arina Schultes, geeignet sei zum Aufbewahren ein dunkler, kühler Ort. "Aber nicht der Kühlschrank stellen. Da ist es zu kalt!" Von der Heilsalbe über die Hautcreme bis hin zur Tinktur, dem Lippenstift, Badeperlen oder dem Massageöl könne jeder sein komplettes Sortiment selbst kreativ herstellen, rät sie zum einfach einmal ausprobieren. Die Vorteile liegen auf der Hand: Man weiß, was man hat und was drin ist. Eigene Kosmetik ist billiger und das Herstellen macht viel Spaß. Zudem kann Frau damit als individuelles Geschenk bei der Freundin nur punkten.

Bei ihren Kursen hat Arina Schultes immer auch viel Anschauungsmaterial dabei. Sie zeigt ihren Kursteilnehmerinnen live, wie es gemacht wird.
Einige Beispiele für die Grundausstattung: Gläschen, Dosen und Behältnisse aus Kunststoff oder Glas in großen und kleinen Gebinden gibt es im Handel für wenig Geld. Vor der Verwendung muss man sie lediglich gut auskochen.
Grundrezept:

Balsam

Zutaten:

10 Gramm Kräuterauszugsöl (mit Kräutern nach eigenem Wunsch)

20 Gramm Bienenwachs

20 Gramm Shea- oder Kakaobutter

10 Tropfen ätherische Öle

Anleitung: Bienenwachs vorsichtig erhitzen (am besten immer in einem Wassertopf), Shea- oder Kakaobutter schmelzen, Kräuteröl und ätherisches Öl unterrühren. Abfüllen und vollständig abkühlen lassen. Fertig.

Alle Zutaten, aber auch die Kräuter in getrockneter oder pulverisierter Form, können als biologisch erzeugte Produkte gekauft werden. Die gewünschten Pflanzen für den Ölauszug können auch im Garten oder in der Natur selbst gepflückt werden.
Mit etwas Übung gelingt sogar der eigene Lippenbalsam. Selbst gemachter Lippenbalsam sei bestens geeignet bei trockenen Lippen.
So sieht Kakaobutter aus. Diese Kosmetik-Zutat ist ein Lebensmittel, also essbar und kann auch zur Herstellung von Schokolade verwendet werden.
Rezept:

Lanolia-Balsam

Zutaten:

10 Gramm Lanolinhydrid

5 Gramm Bienenwachs

5 Gramm Shea- oder

Kakaobutter

40 Gramm Kräuteröl (mit Kräutern nach eigenem Wunsch)

40 Gramm Hydrolat oder abgekochtes Wasser

Anleitung: Die ersten drei Zutaten schmelzen, Öl hinzufügen, auf 60 Grad erhitzen. Dafür ein Zuckerthermometer benutzen. Wasser dazugeben, erst bei Handwärme ätherische Öle hinzufügen. Gründlich emulgieren.

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