10.09.2020 - 09:05 Uhr
Neunburg vorm WaldOberpfalz

Von Regensburg mit dem Rad an die Nordsee

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Aus einer Schnapsidee wird Wirklichkeit. Der Neunburger Fabian Weig und sein Kumpel Matthias Hoidn wollen an die Nordsee. Sie beschließen, das Rad zu nehmen. Sie haben keine Erfahrung, nichts geplant und die beste Zeit ihres Lebens.

Beim Start in Regensburg war das Wetter noch blendend. Das war in den vergangenen Tagen nicht immer so. Matthias Hoidn (links) und Fabian Weig sind gerade in Richtung Nordsee unterwegs.
von Wolfgang Ruppert Kontakt Profil

Zwei Typen auf Fahrrädern, drei Wochen, null Plan, aber ein großes Ziel: die Nordsee. Fabian Weig aus Neunburg und sein Studienkumpel Matthias Hoidn aus dem niederbayerischen Rinchnach bei Regen sind zwar beide sportlich, Radsportler sind sie aber nicht. Trotzdem sind sie Ende August in Regensburg losgefahren, um im September in Brunsbüttel in Schleswig-Holstein rauszukommen. Beide wissen morgens nicht, wo sie abends sein werden und wo sie schlafen können.

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Weig erzählt: "Wir wollten ursprünglich Backpacking in Vietnam machen." Wegen der Coronapandemie wurde nichts aus dem Traum vom Rucksacktouristen in einem fernen Land. Allerdings wurde den beiden während der Coronamaßnahmen schnell langweilig. Beide kauften sich unabhängig voneinander ein Rad. "Matthias hat mich angerufen und gefragt, was wir jetzt machen. Den Rucksack hatten wir ja schon. Er kam mit der Idee daher, dass wir mit dem Rad an die Nordsee fahren könnten", erinnert sich Weig.

Was anfangs wie eine Spinnerei wirkte, wurde langsam immer konkreter. "Die Leute haben mir immer wieder gesagt, dass wir das eh nicht schaffen", sagt Hoidn. Genau deshalb haben die Kumpels Blut geleckt und wollten ihren Zweiflern beweisen, dass das geht.

Kein Plan aber Kilometer

Mittlerweile haben sich Hoidn und Weig bis nach Hamburg durchgeschlagen. Rund 700 Kilometer sind sie geradelt. "Wir treffen unterwegs immer mal wieder Radsportler, die uns nach unserer Route fragen und welchen Weg wir nehmen wollen", sagt Weig. "Wir können dann bloß immer sagen, dass wir keinen Plan haben."

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Genau darum geht es den Jungs. Sie wollen ungebunden, ohne irgendwelche festen Vorgaben durchs Land reisen. "Wenn wir was finden, das uns gefällt, dann halten wir an. Das sind oft Orte, die wir so nie bewusst besucht hätten", sagt Weig.

Worauf es beim Reisen ankommt

Beide haben auf ihrer Reise herausgefunden, dass nicht eine perfekt geplante Route für einen Trip entscheidend ist, sondern die Leute, die sie unterwegs zufällig treffen. Wenn sie mal wieder kein Wasser mehr hatten, haben sie bei wildfremden Menschen, die gerade in ihrem Garten standen, nachgefragt, ob sie nachfüllen dürfen. "Die Leute waren super nett. Sie haben uns auch immer wieder mal ein Bier angeboten, oft sind wir mit ihnen ins Gespräch gekommen und haben teilweise eine Stunde geredet", sagt Weig. Die Tipps, die sie bei ihren Zaungesprächen bekommen haben, waren für sie Gold wert.

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Wenn Hoidn und Weig morgens losfahren, wissen sie nicht, wohin es sie abends verschlagen wird. "Wenn wir 20 Kilometer vor einer Stadt sind, dann rufen wir dort auf Camping-Plätzen an und fragen, ob sie einen Platz für uns haben", sagt Weig. Das wohl außergewöhnlichste Erlebnis bislang hatten sie in Göttingen. Weil sie sich nicht entscheiden konnten, was sie dort machen wollen, schrieben sie eine Nachricht auf der Social-Media-Plattform Jodel. Ein Geschichtsstudent bot ihnen an, ihnen eine Stadtführung zu geben. "Bezahlt haben wir ihn mit ein paar Bier in einer Kneipe", sagt Hoidn.

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Es stellte sich heraus, dass der Student in einer Studentenverbindung ist. "Er hat gesagt, dass er eh schon angekündigt hat, dass er später auf eine Party noch zwei Leute mitbringt", sagt Weig. Gleich am nächsten Tag weiterfahren konnten die beiden danach zwar nicht, allerdings haben sie Kontakte knüpfen können. "Wir haben ihnen erzählt, dass wir nach Hamburg weiterfahren", sagt Hoidn. "Die sind kurz raus gegangen, haben telefoniert und schon hatten wir eine Wohnung, in der wir umsonst unterkommen konnten."

Ziel in greifbarer Nähe

Momentan haben die Freunde vergessen, welcher Wochentag gerade ist. Was sie aber noch wissen, ist, dass sie ziemlich gut in der Zeit liegen. "Die Nordsee ist das Ziel, das wir unbedingt erreichen müssen. Das ist fürs Ego", sagt Hoidn. Wenn aber weiter alles so gut läuft, dann wollen sie noch einen Abstecher nach Dänemark wagen. Das bietet sich an, denn beide wissen nicht, wie lange sie eigentlich in Brunsbüttel bleiben wollen, geschweige denn, was sie dort machen wollen. "Wir haben uns darüber noch keine Gedanken gemacht, weil wir selber nicht sicher waren, ob wir es überhaupt bis an die Nordsee schaffen", sagt Weig.

Wir haben ihnen erzählt, dass wir nach Hamburg weiterfahren. Die sind kurz raus gegangen, haben telefoniert und schon hatten wir eine Wohnung, in der wir umsonst unterkommen konnten.

Matthias Hoidn

Matthias Hoidn

Siegerselfie mit Bayernfahne

Eine Ausnahme gibt es dann aber doch. Weig und Hoidn wissen, wie ihr "Siegerselfie" ausschauen soll, wenn sie ankommen. Beide sind sich einig, dass die Bayernfahne mit drauf sein muss. "Das ist uns in Nürnberg eingefallen", sagt Weig. Die haben sie bei Amazon bestellt und nach Kassel zu einem Freund liefern lassen, den sie später unterwegs getroffen haben. "Die müssen wir uns dann schon umhängen", sagt Hoidn.

Matthias hat angerufen und gefragt, was wir jetzt machen. Den Rucksack hatten wir ja schon. Er kam mit der Idee daher, dass wir mit dem Rad an die Nordsee fahren könnten.

Fabian Weig

Fabian Weig

Klar ist, dass sie ihre Badehosen schon einige Kilometer vor dem Ziel anziehen werden, damit sie sofort rein springen können, wenn sie am Wasser ankommen. "Vielleicht ist ja dann auch Ebbe. Aber das ist uns egal. Wir ziehen das durch, auch ganz egal wie das Wetter ist."

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