13.11.2020 - 10:35 Uhr
Neunburg vorm WaldOberpfalz

Neunburg nimmt Anlauf für Endspurt im Dirt-Bike-Park

Fast im 90-Grad Winkel geht es steil nach unten. Wer sich mit dem Fahrrad in diesen Abgrund stürzt, sollte auch sicher landen können. Die Neunburger Dirt-Bike-Spezialisten können das einschätzen. Sie haben ihr Gelände selbst modelliert.

Bei dieser Funsportart geht es hoch hinaus: Die ersten großen Sprünge im Neunburger Dirt-Bike-Park sind schon geglückt.
von Monika Bugl Kontakt Profil

Ein zartes Grün erstreckt sich über die Flanken der Erdhügel am Stadtrand von Neunburg. "Das ist gut, die Wiese hält die Hügel zusammen", sagt Andreas Kibat mit einem fachmännischen Blick auf die teilweise abgedeckte Hügellandschaft am Stadtrand von Neunburg. Wer hier archäologische Ausgrabungen vermutet, liegt falsch. Seit Monaten buddeln hier junge Sportler, um die Voraussetzungen zu schaffen für eine akrobatische Form des Radfahrens.

Fast im Endstadium

"Dirt Bike" heißt das Sportgerät, mit dem sich spektakuläre Jumps (Sprünge) über Erdhügel bewerkstelligen lassen. Und eine große Auswahl solcher Erdhügel hat eine auf diese Funsportart eingeschworene Gruppe von jungen Menschen aus Neunburg und Umgebung unmittelbar an der Ortseinfahrt aus Richtung Oberviechtach entstehen lassen. "Fast schon im Endstadium" befindet sich die Hügellandschaft, für die ein harter Kern von Dirt-Bikern heuer schwer geschuftet hat.

"Wir sind kein Verein, eher eine Interessensgemeinschaft, eine Clique, die gern Rad fährt", berichtet Kibat, der sich zu den sechs "Großen" in der aktiven Runde zählt. Dann gibt es noch etwa ein Dutzend Nachwuchs-Radler und nicht wenige Auswärtige, die sich jetzt schon für den neuen Parcours interessieren.

Und so war die Ausgangslage auf dem Dirt-Bike-Park vor einem Jahr

Neunburg vorm Wald

"Die sind alle schon ganz heiß auf die Anlage, wir haben da schon einen gewissen Ruf", so der 25-Jährige nicht ohne Stolz und mit einem Blick auf die verheißungsvollen Rampen aus festgeklopfter Erde.

Noch ist ein Großteil abgedeckt, denn heftige Regengüsse hält die Natur-Konstruktion nicht aus. "Da müsste man dann erst wieder vier Stunden lang schaufeln, um so ein Teil wieder in Form zu bringen", sagt Kibat und deutet auf eine klare Kante, über die eine Bahn fast senkrecht in die Tiefe führt, um den maximalen Schwung für Luftsprünge zu gewährleisten. Immer wieder passen die Profis den Radius an, um den Absprung zu optimieren.

Das Gelände hat die Stadt zur Verfügung gestellt, Maschinen die Firma Lober, und für die Erdformationen sorgen die Anhänger der Funsportart selbst. "So 1000 Stunden pro Mann sind da schon zusammengekommen", kalkuliert Kibat die ehrenamtliche Arbeitsleistung seit dem Sommer 2019.

"Für Ungeübte sind die großen Sprünge nichts. Das kann ich wirklich nicht empfehlen, da könnte der Krankenwagen kommen."

Andreas Kibat

Andreas Kibat

Inzwischen haben die großen Maschinen den Rückzug angetreten. Sieben Holzabsprünge sind noch eingelagert und werden erst im Frühjahr installiert. Dort, wo sich jetzt noch eine Schlammspur um das Areal zieht, soll noch ein Pumptrack, ein Rundkurs aus Erde oder Lehm, geschaffen werden, der auch Anfängern Lust macht auf mehr. Das geht nicht ohne Drainage. "Der Pump Track ist wohl ideal zum Aufwärmen", merkt Bürgermeister Martin Birner an, der die Fortschritte auf dem Gelände unter die Lupe nimmt und wirtschaftliche Vorteile wittert, wenn der Dirt-Bike-Park Übernachtungsgäste bringt.

"Nicht lebensmüde"

"Einwandfrei, du traust dir was", ruft Birner einem Knirps zu, der sich mit seinem Rad mutig in die Kurve legt. Und er selbst, wird er die Erdhügel auch befahren, wenn sie im Sommer fertig sind für eine Einweihung? "Logisch, aber sicher nicht alle, ich bin ja nicht lebensmüde", sagt der Rathaus-Chef, "aber ausprobieren will ich es schon". Das sieht auch Andreas Kibat ein. Ein Ungeübter, der große Sprünge machen will? "Das kann ich wirklich nicht empfehlen, da könnte der Krankenwagen kommen."

Hintergrund:

Tricks und Sprünge mit Spezialrad

Als Dirt Bikes bezeichnet man stabile Mountainbikes mit meist kleineren Rahmen. Die Räder werden hauptsächlich für Sprünge genutzt, zur normalen Fortbewegung sind sie weniger geeignet. Die entsprechende Funsportart nennt man Dirt Jump. Dabei geht es um Sprünge über Erdhügel mit dem Ziel, in der Luft einen Trick zu vollführen. Hier eine kleine Auswahl der Kunststücke:

  • Motowhip: Hier wird das Fahrrad im Sprung quer zur Bewegungsrichtung gestellt.
  • Tabletop: Das Rad wird beim Sprung horizontal "in die Luft gelegt".
  • Backflip: Rückwärtssalto.
  • Superman: Der Fahrer nimmt beide Füße von den Pedalen und streckt sie nach hinten.
  • Suicide Nohander = Die Hände werden vom Lenker genommen und die Arme weit nach hinten gestreckt, während das Rad mit den Knien stabilisiert wird.
  • 360: Komplette Drehung mit dem Rad um die eigene Achse.

 

 

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