12.05.2020 - 08:37 Uhr
Neunburg vorm WaldOberpfalz

Neunburg baut an: Rathaus ohne Barriere

Diesen Artikel lesen Sie mit
Was ist OnetzPlus?

Seit Wochen wird unter den Fenstern des Neunburger Bürgermeisters "kreuz und quer gebuddelt". Er gehört zu den ersten, die in den neuen Rathaus-Anbau umziehen sollen. Einen unerwarteten Trumpf hat die Buddelei jetzt schon geliefert.

Verwaltungleiter Georg Keil, Architekt Michael Steidl und Bürgermeister Martin Birner (von links) werfen einen letzten Blick auf das Terrain, auf dem in den nächsten Wochen der barrierefreie Rathaus-Anbau in die Höhe wachsen soll.
von Monika Bugl Kontakt Profil

Ein Nachbarhaus aus den 1950er Jahren hat für den Rathaus-Anbau Platz gemacht, es wurde bereits im Oktober abgerissen. Vor sechs Wochen begannen nun die Bauarbeiten, die Schluss machen sollen mit den beengten Verhältnissen in der Neunburger Verwaltungszentrale, wo die Mitarbeiter sich in der Corona-Krise mit Plexiglasscheiben am Arbeitsplatz behelfen müssen. Der auf drei Millionen Euro veranschlagte Anbau war allerdings längst vor der Pandemie beschlossene Sache. "Man sieht noch nicht viel, aber wir haben hier packenweise Versorgungsleitungen verlegt", berichtet Architekt Michael Steidl beim Ortstermin in der Straße "Am Berg", wo quasi im Hinterhof des historischen Rathauses der Neubau Gestalt annehmen soll.

Der zum Altbau hin etwas versetzte Gebäudekomplex wird über einen gläsernen Verbindungstrakt integriert und bringt auch für die bisherigen Räume einen entscheidenden Vorteil: Die einzelnen Ämter sind über den Aufzug im Neubau ohne Barriere zu erreichen. "Der Aufzug ist der Dreh- und Angelpunkt des neuen Rathaus-Komplexes", berichtete Bürgermeister Martin Birner, der das aufwendige Vorspiel jeden Tag von seinem Amtszimmer aus verfolgen kann.

Schmerzhafter Eingriff

"Das ist tatsächlich eine sehr komplexe Angelegenheit", bestätigt Architekt Steidl und deutet auf eine Betonwand in der Tiefe, die zur Unterfangung des Nachbargebäudes angelegt wurde. "Bei alten Bauwerken muss man sehr vorsichtig sein", warnt er, "viele sind noch mit Kalk gemauert, jede Erschütterung tut so einem Gebäude weh". Teilweise müsse man an solchen Stellen den Bagger ruhen lassen und "von Hand abbrechen". Risikovermeidung ist angesagt, wenn es um diesen tiefsten Teil des Neubaus geht, der direkt an die Nachbargebäude anschließt.

Direkt an dieser Grenze verläuft auch der Fluchtweg in der untersten Ebene. Eine Art Zwischengeschoss bildet die Glasverbindung zum Altbau, und etwas Platz für einen kleinen Innenhof soll auch noch übrig bleiben. Inklusive Keller hat das Rathaus mit dem rund 5000 Kubikmeter großem Komplex dann rund 1000 Quadratmeter hinzugewonnen. Ordnungsamt, Einwohnermeldeamt, dem Bürgermeister mit der Hauptverwaltung und der Bauverwaltung steht dann ein Umzug ins Haus.

Kurze Wege

In den bisherigen Räumen ist dann genügend Luft für Tourismus, Stadtmarketing, Kämmerei, Finanzbuchhaltung und die Buchhaltung fürs Marienheim, im Dachgeschoss kann sich das Archiv ausbreiten, auch ein Personalraum ist dort vorgesehen. "Jede Verwaltungseinheit ist dann auf einer Ebene untergebracht, damit kriegen wir optimale Arbeitsbedingungen", freut sich der Rathaus-Chef. Besonders wichtig sei es dabei, dass hochfrequentierte Ämter künftig barrierefrei sind, betont Verwaltungsleiter Georg Keil. "Der Neubau wird kein Luxusbau, sondern ein ganz normales Gebäude, das sich in die Altstadt-Silhouette einfügt."

Einziger Wermutstropfen: Für Rollstuhlfahrer bleibt der Zugang zum Sitzungssaal des Stadtrats im Altbau eine Hürde. Ein Aufzug war dort aus Gründen des Denkmalschutzes nicht möglich, und so gibt es noch eine kleine Treppe zu überwinden. "Wir könnten aber notfalls für eine Sitzung ins Foyer oder Trauzimmer ausweichen", tröstet Keil.

Bis zum Winter soll der neue Komplex im Rohbau stehen, für den Sommer 2021 ist der Umzug angepeilt. Inzwischen sind etwa die Hälfte der Ausschreibungen am Neubau abgehakt, für den Rest ist der Architekt optimistisch: "Momentan sieht es wegen Corona eher nach günstigeren Angeboten aus." Nicht zuletzt ist auch ein Unsicherheitsfaktor im Boden jetzt schon ausgeräumt: Die archäologischen Untersuchungen sind abgeschlossen. Die Experten sind zwar fündig geworden, haben mit ihren Untersuchungen aber nicht zu größeren Verzögerungen des Baufortschritts geführt. Stattdessen haben sie einen wertvollen Beleg für die Stadtgeschichte geliefert.

"Die Archäologen sind auf der Baustelle auf ein Fragment der alten Burgmauer gestoßen", berichtet Architekt Steidl über die angenehme Überraschung. "Damit ist jetzt zusätzlich noch einmal belegt, dass die Stadt tatsächlich über 1000 Jahre alt ist."

Aufwendig waren die Maßnahmen, um die Nachbargebäude abzustützen, die durch den Rathaus-Anbau nicht gefährdet werden sollen.
Ein Abriss hat Platz gemacht für die die neuen Räume, die über einen gläsernen Verbindungstrakt mit dem Altbau verbunden werden.

Der Aufzug ist der Dreh- und Angelpunkt des neuen Rathaus-Komplexes.

Bürgermeister Martin Birner

Bürgermeister Martin Birner

Dort, wo Architekt Michael Steidl gerade steht, endet der Baukörper, in dem künftig auch Bürgermeister Martin Birner ein neues Amtszimmer beziehen soll.
Bevor die Bodenplatten betoniert wurden, mussten jede Menge Leitungen verlegt werden.
Pfarrkirche rückt näher:

Näher am Heiligen Geist

Neunburgs Bürgermeister Martin Birner nähert sich mit dem Umzug in ein neues Amtszimmer der Stadtpfarrkirche, die auch den Blick prägen dürfte. "Bürgermeister und Pfarrer rücken näher zusammen", kommentiert Architekt Michael Steidl. "Und die Verbindung zum Heiligen Geist ist dann auch besser", scherzt Verwaltungschef Georg Keil, während der Rathauschef schmunzelnd die eher praktische Seite des neuen Überblicks beleuchtet: "Da könnte ich dann eine Strichliste machen, wer in die Kirche geht." (bl)

Wie vor knapp zwei Jahren der Grundsatz-Beschluss zum Rathaus-Umbau ausging, lesen Sie hier

Neunburg vorm Wald

Für Sie empfohlen

 

 

 

Videos aus der Region

 

Kommentare

Um Kommentare verfassen zu können, müssen Sie sich anmelden.

Bitte beachten Sie unsere Nutzungsregeln.