24.08.2020 - 13:33 Uhr
Neunburg vorm WaldOberpfalz

Mit Biomanipulation gegen Blaualgen im Eixendorfer Stausee

Wie ist das immer wiederkehrende Blaualgenproblem im Eixendorfer Stausee dauerhaft in den Griff zu bekommen? Biomanipulation heißt das Zauberwort.

Mit den neuen Trappnetzen sollen mehr Weißfische aus dem See gezogen werden. Kürzlich fand die Übergabe an den Fischereiverein statt. Im Bild von links Robert Bäumler, Horst Schmid, der Bereichsleiter bei der Regierung der Oberpfalz, Alois Decker (verdeckt), Michael Throner, Andrea Gall, Mathias Rosenmüller und Manuel Schlegel.
von Externer BeitragProfil

Die Blaualgenproblematik im Eixendorfer Stausee beschäftigt weiter alle Beteiligten des von der Regierung der Oberpfalz reaktivierten „Runden Tisches“. Es gibt eine Möglichkeit, dem Problem Herr zu werden und die Wassergüte zu verbessern. Dabei greift das Wasserwirtschaftsamt Weiden dem Fischereiverein Neunburg vorm Wald unter die Arme.

Ziel: Drei Tonnen Fisch

Die Behörde hat dem Fischereiverein eine umfangreiche Ausrüstung zur Trappnetzbefischung als Dauerleihgabe zur Verfügung gestellt. Neben verschiedenen Fischernetzen sind ebenfalls Zubehör wie Bojen, Kescher, Waagen und weiteres mehr Teil des Pakets. Auch Messgeräte für Sauerstoff, Temperatur, PH-Wert oder die Leitfähigkeit des Wassers sowie eine Unterwasserkamera sollen es dem Fischereiverein zukünftig erleichtern, dem See jährlich drei Tonnen Weißfische zu entnehmen. Bisher war es vor allem die Angelfischerei, die am See betrieben wurde. In den vergangenen Jahren konnte mit dieser Fangmethode das von der Fachberatung für Fischerei und dem Institut für Fischereiökologie bei der Landesanstalt für Landwirtschaft formulierte Ziel von drei Tonnen Weißfisch jährlich nur selten erreicht werden.

Der Runde Tisch “Eixendorfer See"

Neunburg vorm Wald

Doch was genau wird mit der Entnahme von Weißfischen bezweckt? Das Stichwort hierfür lautet „Biomanipulation“. Kurz gesagt verfolgt der Fischereiverein mit diesem Ansatz das Ziel, die Nahrungskette im See so zu beeinflussen, dass Kleinstlebewesen, bei denen die unerwünschten Algen auf dem Speiseplan stehen, nicht selbst gefressen werden – beispielsweise von Weißfischen wie Barbe, Aitel, Rotauge oder auch Karpfen.

Nährstoffeintrag reduzieren

"Die Biomanipulation ist ein Baustein der Seerestaurierung" heißt es in einer Mitteilung des Wasserwirtschaftsamtes Weiden einschränkend. Es sei nicht zu erwarten, dass allein durch die Biomanipulation die Blaualgenblüten auf Dauer und nachhaltig vermeidbar werden. Das habe sich in den vergangenen Jahren gezeigt. Ein Hauptziel müsse deshalb, neben Maßnahmen im See, vor allen Dingen die Reduzierung der Nährstoffzufuhr aus dem rund 410 Quadratkilometer großen Einzugsgebiet sein.

Start im Frühjahr

Fürs erste dankte der Vorsitzende des Vereins, Michael Throner, dem Wasserwirtschaftsamt für die Bereitstellung des Materials und die unkomplizierte Zusammenarbeit in der Beschaffung. Eine erste Befischung mit den neuen Netzen hat der Fischereiverein für das kommende Frühjahr ins Auge gefasst.

Andrea Gall vom Wasserwirtschaftsamt Weiden stellte vor den Anwesenden nochmals die wasserwirtschaftlichen Zusammenhänge der Biomanipulation dar und bedankte sich für die konstruktive Abstimmung bei der Zusammenstellung der notwendigen Ausrüstung.

Besonders freuten sich der Fischereiverein Neunburg vorm Wald und das Wasserwirtschaftsamt Weiden über die Anwesenheit des Bereichsleiters für Umwelt, Gesundheit und Verbraucherschutz an der Regierung der Oberpfalz, Horst Schmid. Er war beeindruckt von den technischen Raffinessen der zum Einsatz kommenden Ausrüstung und würdigte das Engagement des Fischereivereins.

Hintergrund:

Biomanipulation

Viele Friedfische – also insbesondere die Weißfische – führen zu wenigen Planktonkrebsen, die wiederum nur wenige Algen fressen können. Diese Planktonkrebse gilt es also in der Nah-rungskette zu schützen. Damit dies gelingt, müssen die Friedfische „in Schach gehalten“ werden. Dies erreicht man dadurch, dass einerseits Raubfische gestärkt und andererseits die Weißfische entnommen werden. Ersteres führt der Fischereiverein Neunburg vorm Wald beispielsweise durch das Einbringen von Laichhilfen für Hecht oder Zander durch. Zweiteres erfolgt bislang durch die Angelfischerei und soll nun mittels der Trappnetzbefischungen in-tensiviert werden. Diese Befischungen haben das Potenzial, an guten Fangtagen selektiv bis zu 150 Kilo Weißfische zu entnehmen. Eventuell mitgefangene Hechte oder Zander können unbeschadet zurückgesetzt werden. Wenn die Netze dann in zwei bis vier Metern Tiefe aus-gebracht sind, müssen sie zweimal täglich vom Motorboot aus mit zwei bis vier Mann Besat-zung geleert werden.

So sollte sich der Eixendorfer Stausee immer präsentieren: Ohne Blaualgen. Das Wasserwirtschaftsamt hat nun einen Plan entwickelt. Mit Biomanipulation soll gegen die Algen vorgegangen werden.
Die bildliche Darstellung des Wasserwirtschaftsamtes verdeutlicht links den bisherigen Zustand und rechts die Wunschsituation.
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