29.09.2020 - 11:33 Uhr
NeukirchenOberpfalz

Ein Oberpfälzer Altar und sein Weg nach Franken

1929 ging das Simultaneum in Neukirchen bei Sulzbach-Rosenberg nach 276 Jahren zu Ende. Der Hochaltar der alten Kirche St. Peter und Paul verschwand erst einmal in einer Scheune. Aber nicht für lange.

So sah der Chorraum der St.-Peter-und-Paul-Kirche vor gut 100 Jahren aus. Als das Simultaneum 1929 aufgelöst wurde und die evangelischen Gemeinde das Gotteshaus übernahm, wurde der alte barocke Hauptaltar abgebaut.
von Autor WSLProfil

Bis Ende der 1920er-Jahre teilten sich die evangelischen und katholischen Gläubigen in Neukirchen zur Feier ihrer Gottesdienste die Kirche St. Peter und Paul. Dieses als Simultaneum bezeichnete gemeinsame Nutzungsrecht bestand damals immerhin schon 276 Jahre. Eingeführt hatte es Pfalzgraf Christian August im gesamten Herzogtum Sulzbach, um kurz nach dem Dreißigjährigen Krieg die oftmals verfeindeten Religionsgemeinschaften zu befrieden.

Kirche stark verändert

Nach dem Bau eines eigenen Gotteshauses für die größer werdende katholische Gemeinde und der Auflösung des Simultaneums 1929 wurde das Innere der jetzt evangelischen Kirche signifikant umgestaltet. Die zwei oberen Emporen beiderseits der Orgel wurden entfernt und durch eine Empore an der nördlichen Langhauswand ersetzt. Die meisten sakralen Einrichtungsgegenstände wie der gotische Flügelaltar, der englische Gruß und die beiden Seitenaltäre kamen in die neue katholische, ebenfalls den Aposteln Petrus und Paulus geweihte Kirche.

Vom Dachboden in die Kirche

Für den aus dem 17. Jahrhundert stammende Hochaltar gilt das jedoch nicht. Er fand nach dem Auszug der Katholiken im Jahr 1928 auch im alten Gotteshaus keine Bleibe mehr. Vielmehr wurde er durch den auf dem Dachboden des Sulzbacher Schlosses deponierten Altar aus dem einstigen Betsaal (vormals städtisches Heimatmuseum) der früheren Gefangenenanstalt mit einer Kopie des Werkes "Maria und Johannes am Kreuz" von Peter Paul Rubens ersetzt.

Die Frage stellt sich: Wo ist der alte Barock-Altar mit Renaissance-Elementen geblieben? Die Spur führt überraschenderweise ins mittelfränkische Schwabach südwestlich von Nürnberg, und zwar in die dortige katholische Sebalduskirche. Hier ziert der Oberpfälzer Altar die rechte Seitennische vor dem Chorraum, nach einer Restaurierung in einen Josefsaltar umgestaltet. Flankiert wird er von Holzfiguren des Bruders Konrad und des Heiligen Martin. Eine alte Innenansicht von St. Peter und Paul aus der Zeit des Simultaneums zeigt den Altar - trotz minderer Bildqualität erkennbar - mit einer Darstellung der beiden Apostelfürsten im Zentrum, daneben zwei Skulpturen, einmal die Gottes Mutter Maria und zum anderen den Evangelisten Johannes.

Gefallen unter alten Bekannten?

Nun, der "Altartransfer" während des Zweiten Weltkrieges in die fränkische Goldschlägerstadt lässt sich mit einem Blick auf die betreuenden Seelsorger der beiden Pfarrgemeinden während der Zeit des Simultaneums schnell klären. Pfarrer Georg Herbst - er wirkte von 1905 bis 1940 an der evangelischen Kirchengemeinde - und Geistlicher Rat Franz Xaver Schuster - von 1908 bis 1920 Pfarrer an der katholischen Pfarrei - waren also zeitgleich Amtsbrüder im gemeinsamen Gotteshaus. Schuster übernahm anschließend die vakante Pfarrstelle in Schwabach, wo eine Erweiterung der dortigen Sebalduskirche bevorstand. Offensichtlich noch in guter Erinnerung an seinen früheren Mitbruder überließ Pfarrer Herbst den in einer Scheune eingelagerten ehemaligen Hochaltar kostenlos der katholischen Pfarrei Schwabach, wo er rechts vom Chorraum nunmehr als dem Heiligen Josef geweihter Nebenaltar von den Gläubigen verehrt wird.

Aus Pilgramshof nach Schwabach

Und eine weitere überraschende personelle Verbindung zwischen Neukirchen und Schwabach soll nicht unerwähnt bleiben: Der aus Pilgramshof stammende Pfarrer Johann Georg Übler kam 1933 als junger Kaplan nach Schwabach, wo er - von 1946 bis 1975 - als Stadtpfarrer und Dekan wirkte. Als Elfjähriger hatte dieser im Kriegsjahr 1917 an den Stufen des früheren Hauptaltars im simultanen Gotteshaus von Neukirchen aus den Händen eben jenes späteren Schwabacher Pfarrers Franz Xaver Schuster die Erstkommunion empfangen.

Bleibt noch nachzutragen, dass der linke Schwabacher Seitenaltar - ein Marienaltar - maßstabsgetreu eine im Jahr 1949 angefertigte Kopie des alten Neukirchener Hochaltares aus dem 17. Jahrhundert darstellt. Eine weitere Überraschung in der Geschichte dieses barocken Kunstwerks aus der uralten Neukirchener Kirche.

Interessante Hintergründe zu einer barocken Christusfigur

Neukirchen
Als Josefsaltar schmückt der frühere Hochaltar der ehemaligen Simultankirche St. Peter und Paul von Neukirchen seit dem 2. Weltkrieg die katholische Sebalduskirche in Schwabach.

Für Sie empfohlen

 

 

 

Videos aus der Region

 

Kommentare

Um Kommentare verfassen zu können, müssen Sie sich anmelden.

Bitte beachten Sie unsere Nutzungsregeln.