11.12.2019 - 11:56 Uhr
Neuhaus/WindischeschenbachOberpfalz

Tiefgründiger Treml

Was muss wohl passieren, dass ein hartherziger Geizhals und "Leitschinda" sich zum Menschenfreund wandelt? Ein Wunder, werden viele denken. Hubert Treml erzählt einfühlsam eine ganz besondere Geschichte.

Ausdrucksstark erzählt Hubert Treml die Geschichte vom "Rouchl", dem vier Geister den Weg weisen hin zu einem besseren Menschen
von Redaktion ONETZProfil

Weihnachtszeit. Im Laden von Eberhart Rouchl ist es bitterkalt. Seinem unterbezahlten Buchhalter Sepp Kramer droht Rouchl die Kündigung an, wenn dieser sich untersteht, im vor sich hin schwelenden Ofen eine Kohle nachzulegen oder diese auch nur anzufassen. So frieren beide vor sich hin. Unfreundlich lässt sich Rouchl gerade noch einen freien Weihnachtstag für seinen Buchhalter abringen. "Owa dea wird nougholt", droht er ihm. Und verlässt, unwirsch ein Kind vor der Ladentür wegschubsend, das Geschäft, um heimzugehen.

Hubert Treml erzählt diese Geschichte packend und mitreißend. Und holt zum ersten Mal seine Gitarre hervor, um sein Lied "Huschala" anzustimmen. "Huschala, Leit schürt's ei, damit die Kält' niat eina kummt!"

Rouchls Geschäftspartner Fred Söllner, der noch im Firmennamen "Söllner & Rouchl" steht, ist vor sieben Jahren verstorben. Auch er war ein Geizhals, ein Pfennigfuchser. Aber wieso erscheint gerade der ihm plötzlich als Geist? Rouchl sperrt sich in seine Wohnung ein, doch der Geist kommt durch die Tür, eine schwere Kette mit sich schleppend, mehrmals um seinen Leib geschlungen. "Die hob i mir selber g'schmiedet, zu Lebzeiten! Durch Gier, Geiz und Menschenverachtung. Willst wissen wie lang dei Kett'n scho is?" fragt er den Rouchl. Dieser ist leichenblass geworden. Es würden ihm in der Weihnachtsnacht drei Geister besuchen, kündigt Söllner an, die ihm die Folgen seines Handelns vor Augen führen würden. Sprach's und verschwand. Und wirklich erscheinen in dieser Nacht nacheinander: der Geist der vergangenen Weihnacht, der Geist der heurigen und der Geist der künftigen Weihnachten. Der erste führt ihn zurück in seine sehr glückliche Kindheit. Sein früheres "Ich" war also glücklich, das hatte Rouchl vergessen.

Von der "Neisteder Strouß" und vom "Tante-Emma-Lod'n" singt Treml nachdenklich, bevor seine Geschichte weitergeht. Der Geist der heurigen Weihnacht erscheint. Und führt ihn zum Haus vom Kramer Sepp, seinem Buchhalter. Die Kramers sitzen in der geschmückten Stube, der Tisch ist zum Festmahl gedeckt. Die Mutter und die Zwillinge warten noch auf Martha und den Vater, der den kleinen behinderten Beppi auf den Schultern, gerade hereinträgt. "Engl aaf da Stöing", ein sehr nachdenklicher Text, unterstreicht die Tragik des kleinen Beppi, dem "Manschkerl", von dem keiner weiß, wie lange er noch leben wird.

Und dann kommt Geist Nummer drei zum Rouchl: der Geist der künftigen Weihnachten. Er sagt nichts, deutet nur ernst herum. Rouchl bekommt Angst. "Sooch halt wos!" Doch der Geist deutet weiter. Wortlos führt er den Rouchl in ein finsteres Viertel, in dem es Not und Verbrechen gibt. Alle reden von einem Toten. Rouchl muss mit ansehen und -hören, wie die Leute respekt- und lieblos von dieser "Leich" reden. Es dämmert ihm. Er ist gemeint. Verzweifelt wehrt er sich. "Naa! Des derf niat saa!" Gleichzeitig erfährt er, dass der kleine Beppi verstorben ist. Passend singt Treml von der "schöina Leich", mit der eigentlich das Leichenmahl danach gemeint ist.

Ausdrucksstark, mit großer Hingabe, Überzeugungskraft und ausgeklügelter Mimik, begeisterte Treml das Publikum im Schafferhof. "Dou kanni redn, wäi is gwehnt bin", freute er sich über seine Landsleute aus der nördlichen Oberpfalz.Begeisterter Applaus belohnte die wunderbare Geschichte, die Treml, angelehnt an Charles Dickens' Weihnachtserzählung vom Geizhals Ebenezer Scrooge, "aaf Oberpfölzisch" erzählte.

Für Sie empfohlen

 

 

Videos aus der Region

Kommentare

Um Kommentare verfassen zu können, müssen Sie sich anmelden.

Bitte beachten Sie unsere Nutzungsregeln.