29.11.2018 - 14:09 Uhr
Bad NeualbenreuthOberpfalz

Streifzug durch die Geschichte

"Gesichter eines Ortes": Albert Köstler blättert bei Vortrag im Häuserbuch von Rosa Jäger.

Im Saal des Sengerhof-Anwesens sprach Albert Köstler (rechts) über „Gesichter eines Ortes“.
von Autor FSCProfil

In der Reihe "Gesichter eines Ortes" stellte Altbürgermeister und Archivbetreuter Albert Köstler im Sengerhof weitere Fotos aus dem Häuserbuch der ehemaligen Schulleiterin Rosa Jäger vor. Mit anrührenden Gedanken über das, was ein altes Haus aus seinem langen Leben erzählen könnte - festgehalten von Toni Lauerer - führte Albert Köstler hin zu einem Spaziergang durch das Neualbenreuth der 1950er Jahre. "Wenn man genau hinhört", so der Sprecher, "würde das alte Haus vielleicht sagen: ,Wer mich abreißt, bringt a Drumm vo seiner Heimat um'."

Das Blättern im Häuserbuch von Rosa Jäger ließ bei den gut 30 Zuhörern viele Erinnerungen wach werden, denn von den vorgestellten Anwesen erfuhr man Hausnamen, Eigentumsverhältnisse, Baujahr und geleistete Kaufsummen. Zudem gab es Namen aus den Schülerlisten und man sah Bildvergleiche zur heutigen Situation vor Ort.

Aus seinen Arbeiten im Gemeindearchiv konnte Albert Köstler weitere interessante Angaben beisteuern und beantwortete folgende Fragen: Wer hatte 1869 und später das Bürgerrecht auf dem Anwesen? Welche Anwesen waren ehemals "böhmisch" und mussten nach einer Notarurkunde des königlichen Notars Max Ries von Waldsassen von 1874 Hand- und Spanndienste für Kirchen- und Schulgebäude leisten, während zur gleichen Zeit die damals "bayerischen" Anwesen von diesen Diensten befreit waren? Wer war bei der Gemeindewahl 1899 wahlberechtigt? Welche Namen von Heimatvertriebenen tauchten in den einzelnen Anwesen auf? Wer war Mitglied der Feuerwehr oder musste eine Feuerschutzabgabe zahlen? Ein Besucher erkannte sich auf einem Foto aus dem Jahr 1957 wieder, das ihn als Kind zeigt.

Die vielfältigen "Hausnamen" seien in den Köpfen der Neualbenreuther noch tief verwurzelt, da sie weitgehend im Alltag noch gebraucht würden, so Köstler. Nämlich dann, wenn in der heutigen Turmstraße, an der die vorgestellten Anwesen stehen, alleine mindestens fünf Familiennamen "Frank" auftauchen. Da sei es schon noch hilfreich, den Hausnamen dazu zu wissen, meinte der frühere Bürgermeister. Und so sind Namen wie "Steffl", "Woogner" "Strobl", "Struazn", "Neuhüafner", "Heislmoa"," Brosl", "Kesslsimmer", "Schneideradl", "Geicher", "Döitznschneida" und "Palnigl" noch immer im Sprachgebrauch der Einheimischen zu finden.

Dass es neben dem "oberen Hirthaus" auch ein solches im "unteren Dorf" gab, konnte ein 85-jähriger Zuhörer mit genauer Standortangabe bestätigen. Viele konnten sich auch noch gut an die Besuche und Vorkommnisse im Gasthof "Irrgang" mit seinen Wirtsleuten Gusti und Karl Frank erinnern. Neu war einigen aber auch, dass das Brauhaus oberhalb der Gaststätte "Irrgang" von Karl Rößler vom Marktplatz und Michl Frank vom Irrgang - beide Schank- und Gastwirte - gemeinsam erbaut und betrieben worden war. Unvergessen bleibt wohl auch der ehemalige Forstarbeiter, Stein- und Stocksprengmeister Anton Schnurrer - der "Haislmoa-Tone". Und mit ihm auch sein Sohn, der "Haislmoa-Ferdl" und dessen Schwester Amalia.

Nach knapp zwei Stunden weckte Köstler die Besucher aus den Erinnerungen, versprach eine Fortsetzung der Vortragsreihe und durfte viel herzlichen Beifall entgegennehmen.

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