24.06.2019 - 11:15 Uhr
Bad NeualbenreuthOberpfalz

Zum Himmel hin offen

Über 70 Jahre sind seit der Vertreibung vergangen. Doch die Erinnerung an die alte Heimat lebt an einem ganz besonderen Ort fort - der "Kirche ohne Dach" in Maiersgrün (Vysoka).

Eine besondere Prägung hat dieses Patroziniumsfest.
von Autor FSCProfil

Als am Samstagvormittag über dem Kaiserwald Regenwolken hingen und der Tillenberg noch von weißen Wolken umspielt in den blauen Himmel ragte, lag das Land zu seinen Füßen unter grauverhangenem Himmel. Ein frischer Wind blies über die Fluren der früheren Dörfer Maiersgrün (Vysoka) und Grafengrün (Háj). Dort hatten sich zu Johanni wieder einige frühere Bewohner, mehr aber noch deren Nachfahren zum Gedenkgottesdienst in der Pfarrkirche "Johannes der Täufer", der heutigen Kirchenruine, eingefunden.

Fast hundert Besucher hatten kurz nach dem Glockengruß Platz genommen, den Eingangschoral des Bläserquartetts des Musikvereins Ernestgrün gehört und den Zelebranten, Pfarrer George Parankimalil aus Neualbenreuth, erwartet. Der Bürgermeister der Patengemeinde Neualbenreuth, Klaus Meyer, hieß alle willkommen und gedachte der Verstorbenen aus den Heimatorten der Vertriebenen. Dazu legte er einen mit weiß-roten Blumen und Schleifen geschmückten Kranz an der Stelle nieder, wo einst die Kanzel hing. Walther Maier verlas das "Vermächtnis der Maiersgrüner und Grafengrüner", in dem an geschehenes Unrecht erinnert, aber auch zu Frieden und Eintracht gemahnt wird.

Pfarrer Parankimalil zeigte sich zum wiederholten Mal angetan, an diesem besonderen Ort Gottesdienst feiern zu dürfen - in der "wunderschönen Kirche ohne Dach", die hin zum Himmel offen ist. Und um den Himmel drehte sich auch die Betrachtung des Geistlichen in der Predigt, den Himmel, in den Christus aufgestiegen sei zu Gott, dem Vater. Der wohne im Himmel und nicht im Weltall, vor allem aber da, wo man ihn einlade, betonte der Pfarrer. Gott sei den Menschen näher als sie es sich selbst wären. Deshalb seien auch die Texte der Eingangslieder aus der Schubert-Messe ("Wohin soll ich mich wenden" und "zu dir, zu dir, oh Vater" von so eindringlicher Bedeutung.

In den von Altbürgermeister Albert Köstler gesprochenen Fürbitten war bemerkenswert, dass für die Tschechische Republik und die Bundesrepublik gebetet wurde. Mit gemeinsamen Gesängen und den Klängen der Bläser nahm der Gottesdienst seinen Fortgang, nur ganz kurz von einigen Regenspritzern gestört, während wohl im Umland von Altwasser (Stará Voda) und Königswart (Lázne Kynžvart) ein stärkerer Regenguss niederging.

Nach dem vom Geläut der kleinen Kirchenglocke begleiteten Lied "Großer Gott wir loben dich" war der Gottesdienst im 73. Jahr nach der Vertreibung zu Ende. Abschließend dankte Bürgermeister Klaus Meyer besonders der Gemeinde Altwasser mit ihrer Bürgermeisterin Eva Procházková für die engagierte Betreuung der Kirchenruine und die Vorbereitung der alljährlichen Feier sowie allen Teilnehmern am Gottesdienst für ihren Besuch. Dabei lud er auch zu den weiteren Veranstaltungen anlässlich des Heimattreffens ein.

Liebevoll vorbereitet bot sich der Kirchenraum der „Kirche ohne Dach“.
Für die Gottesdienstbesucher hatte die Gemeinde Altwasser ausreichend Sitzgelegenheiten aufgestellt.
Für die Gottesdienstbesucher hatte die Gemeinde Altwasser ausreichend Sitzgelegenheiten aufgestellt.
Landsmann Walther Maier, er war zur Zeit der Vertreibung 4 ½ Jahr alt, verlas das Vermächtnis der Maiersgrüner und Grafengrüner.
Der Pfarrer der Patengemeinde Neualbenreuth, George Parankimalil, feierte den Gottesdienst zu „Johanni“. Im Hintergrund die Bläser des Musikvereins Ernestgrün.

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