12.07.2021 - 16:07 Uhr
NabburgOberpfalz

Zwischen Frust und Freude: Hochzeitspaare feiern wieder

Heiraten unter Pandemie-Bedingungen ist eine Herausforderung. Die Hochzeitsbranche im Kreis Schwandorf taumelt zwischen Freude und Resignation - denn gewisse Beschränkungen bleiben. Doch nicht alle Paare schreckt das ab.

Heiraten in Pandemiezeiten kann eine Herausforderung sein. Die Hochzeitsbranche versucht, den Paaren trotz allem einen schönen Tag zu bereiten.
von Vanessa Lutz Kontakt Profil

Corona und Hochzeiten - ein Thema, das viele Brautpaare und professionelle Planer vergangenes Jahr in schiere Verzweiflung getrieben haben dürfte. Organisationsunsicherheiten, geschlossene Brautmodegeschäfte, Feiern auf Sparflamme mit ganz wenigen oder gar keinen Gästen. Zahlreiche Paare haben deshalb ihren Termin verschoben, wollten lieber abwarten, bis sie ihren besonderen Tag mit einem halbwegs rauschenden Fest begehen können. Mittlerweile sind viele Pandemie-Einschränkungen etwas gelockert worden. Doch hat sich etwas an der Lage geändert? Trauen sich nun wieder mehr und feiern?

Für Renata Thaller aus Wernberg-Köblitz ist die bisherige Bilanz eher ernüchternd. Sie ist seit 2014 selbstständige Hochzeitsplanerin - und seufzt. "Ich tue mich momentan sehr schwer", gibt sie zu. "Es ist ein ziemlicher Nervenkrieg." Dieses Jahr laufe es sogar noch schlechter als im vergangenen. "Die meisten Paare haben schon mehrfach ihren Termin verschoben, planen nun eher mit den Jahren 2022 oder 2023."

Für viele sei eben gerade die Feier nach der Trauung wichtig. Und laut aktuellen Bestimmungen dürfen lediglich 50 Gäste teilnehmen, plus Geimpfte und Genesene. "Das ist einigen zu wenig", sagt Thaller. "Und dass die Gastronomie bereits um 1 Uhr schließen muss, wo viele Feiern gerade ihren Höhepunkt haben, ist zusätzlich bitter."

Normalerweise 25 bis 30 Paare pro Jahr

Wo Thaller normalerweise 25 bis 30 Paare pro Jahr betreut hat, sind es heuer bislang gerade einmal 10 - und von denen sind sich auch nur 5 ganz sicher. "Das kann ich natürlich verstehen", sagt Thaller. Jedem Kunden müsse sie mehrere Optionen anbieten, falls sich die Corona-Lage ändern sollte - für sie auch ein großer Zusatzaufwand. Manche Locations, in denen sonst Hochzeiten stattgefunden hatten, die Namen nennt sie nicht, hätten sich mittlerweile gar gänzlich umorientiert, weg vom Heiratsgeschäft.

Viele sind aber trotz der Lage am Ball geblieben. Unter ihnen Gut Dietersberg in Schönsee. Josef Eibauer erzählt, dass ihre Dietersberger Scheune bisweilen "gut gebucht" sei. "Wir haben unseren Paaren immer zwei Termine angeboten", sagt er. Durch viele Verschiebungen würden nun Hochzeitsfeiern aus dem Vorjahr nachgeholt werden - und aktuell auch Hochzeiten aus dem Frühjahr.

Geheiratet wird also. Das bestätigt Hans Prechtl. Er ist Bürgermeister der Gemeinde Stulln und bereits seit 19 Jahren Standesbeamter in Schwarzenfeld. Standesamtliche Trauungen waren nämlich durchgehend möglich - und werden auch gut in Anspruch genommen, wie die Ständesämter aus Schwarzenfeld, Oberviechtach und Nabburg bestätigen (siehe Infokasten). Trotzdem: "In Coronazeiten haben schon viele abgesagt". Einen Rückgang habe man da gemerkt. Doch wer es wollte, hat die Vermählung trotzdem durchgezogen und eben lediglich die Feier verschoben.

Brautmodenausstatter machen wieder Geschäft

Das kann Nina Blaß aus dem Schwarzenfelder Geschäft "Braut Zauber" bestätigen. Ihr Laden, frisch hergerichtet und eröffnet, wurde vergangenes Jahr vom Lockdown hart getroffen. Denn kurz nach der Eröffnung waren monatelang ihre Tore verschlossen. Und während Brautmodenausstatter in Nachbarlandkreisen wieder öffnen durften, schauten Blaß und ihre Kollegen aus der Branche in die Röhre.

Brautmodeläden in der Oberpfalz kämpften während des Lockdowns ums Überleben

Mitterteich

Die Not war gar so groß, dass sie sich damals an Behörden und an Oberpfalz-Medien wandte. Diese Durststrecke ist aber nun vorbei. Seit der Öffnung im April könne Blaß wieder einen "Run" auf Brautkleider feststellen, wie sie sagt. Sie hat sogar Kundinnen betreut, die sich gemeinsam mit ihrem Partner ziemlich spontan für eine Heirat entschieden haben, wie sie lachend sagt. Erleichtert sei sie, dass sie den damaligen Lockdown nun wieder gut auffangen könne.

"Die Lage kann sich aber immer schnell ändern", sagt Josef Eibauer von der Dietersberger Scheune. Tatsächlich hofft er, dass die Impfquote weiter steigt. "Das ist momentan das einzige Mittel, um die Heftigkeit abzumildern." Denn die Sorge, dass die Eibauers ihre Hochzeitslocation womöglich coronabedingt wieder schließen müssen, ist nach wie vor immer da. Er wünscht sich, bis in den Oktober hinein Hochzeitsfeiern abhalten zu können. "Wir wollen einfach unserer Passion nachgehen können und die Paare glücklich machen."

Freude auf der einen Seite, Frust auf der anderen Seite ob all der Planungsschwierigkeiten. "Trotz allem", sagt Hochzeitsplanerin Renata Thaller, "will ich das positive sehen." Mehr Zeit für die Familie habe sie nun. Allmählich wieder wie vorher durchstarten können möchte sie aber trotzdem. "Ich liebe meinen Beruf, ich liebe es, Paare strahlen zu sehen", erzählt sie. Sie hofft auf Normalität und dass sich die Lage wieder einpendelt. Dann, im nächsten oder übernächsten Jahr.

Hintergrund:

Das sind die Trauzahlen in ausgewählten Standesämtern

  • Nabburg: Reinhard Schlosser vom Nabburger Standesamt sagt, dass sich die Hochzeiten heuer bunt auf das ganze Jahr verteilen würden - einen besonders begehrten Hochzeitsmonat gebe es nicht. Mit Corona habe die Datumsauswahl aus seiner Sicht ebenfalls nichts zu tun. Heuer haben bislang 18 Brautpaare geheiratet, für den Rest des Jahres gibt es weitere 20 Anmeldungen.
  • Oberviechtach: Für das Standesamt Oberviechtach berichtet Felix Pretzel, dass es Anfang des Jahres etwas mau gewesen sei mit den Anmeldungen. "Dafür heiraten in den Sommermonaten bei uns aber allgemein mehr." Bislang haben 9 Paare den Bund der Ehe miteinander geschlossen, 3 Anmeldungen gibt es noch im Laufe des Jahres. "Etwas weniger als in den Vorjahren ist es schon, aber nicht signifikant."
  • Schwarzenfeld: Hans Prechtl liefert für das Schwarzenfelder Standesamt die Informationen. Bisher haben 19 Paare geheiratet, 14 weitere Termine wurden für den Rest des Jahres reserviert. "Die Erfahrung aus den letzten Jahren hat aber gezeigt, dass mindestens noch circa 5 Termine spontan vereinbart werden." Der Mai sei in Schwarzenfeld mit 7 Trauungen der Spitzenmonat gewesen. Und eine gute Nachricht: 2020, so Prechtl, hätten trotz Corona 55 Paare in Schwarzenfeld geheiratet - so viele wie seit 2015 nicht mehr. Damals waren es 56 Trauungen.
Nina Blaß in ihrem Geschäft Braut Zauber in Schwarzenfeld.
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