19.04.2021 - 18:20 Uhr
NabburgOberpfalz

Wunderhirn im Coronamodus: Gedächtnistrainer muss umdenken

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Normalerweise ist Markus Hofmann immer unterwegs. Er ist erfolgreicher Gedächtnistrainer und sehr gefragt. Corona hat ihn ausgebremst. Er spricht mit uns über seine Lage, seine Strategien, um mit seinen Kunden in Kontakt zu bleiben und seine Erfahrungen mit dem Gedächtnis nach einer überstandenen Coronainfektion.

Das Hirn ist sein Arbeitsgerät. Gedächtnistrainer Markus Hofmann, der ursprünglich aus Nabburg kommt, hat mit Beginn der Pandemie alle seine Vorträge verloren. Nun geht er neue Wege.
von Wolfgang Ruppert Kontakt Profil

Markus Hofmann kennt die Bretter dieser Welt. Normalerweise füllt der gebürtig aus Nabburg stammende Gedächtnistrainer Hallen mit Zuhörern. Die Betonung liegt auf normalerweise, denn mit Ausbruch der Corona-Pandemie und dem ersten Lockdown vergangenes Frühjahr war es vorbei mit den Live-Auftritten.

Im Gespräch mit Oberpfalz-Medien sagt er: "Vonseiten der Regierung habe ich zu 100 Prozent ein Berufsverbot bekommen. Drei Tage nach dem ersten Lockdown hatte ich 100 Prozent Stornierungen für alle Auftritte bis Ende des Jahres." Bislang hält die Odyssee des Gedächtnistrainers an. Auf lange Sicht befürchtet er, dass die derzeitige Corona- und deren Geldpolitik auf die Bürger umgemünzt werden könnte. Das Geld, das er bislang vom Staat bekommen habe, sei ein "Tropfen auf dem heißen Stein".

Neue Wege für das Superhirn

Einfach aufgeben kommt Hofmann dennoch nicht in den Sinn. Er hatte zunächst ein Programm auf die Beine gestellt, das er "Hofmann-Daily" nannte. Dabei ging er für einen Zeitraum von fünf Wochen jeden Tag online, um Kindern, Eltern, Pädagogen und Lehrern Techniken der Gedächtnisweltmeister zu zeigen. Dabei sei die Idee entstanden, ein Angebot daraus zu entwickeln. "Ich habe überlegt, wie ich Kindern beim Lernen helfen kann", sagt Hofmann. Er bietet mittlerweile ein "Lern-Coach-Programm" an. Dabei stellt er zunächst jede Woche zwischen fünf und sieben Videos für die Teilnehmer bereit. Hofmann: "Da geht es drum, die Techniken der Gedächtnisweltmeister zu vermitteln. Wenn du die nämlich kannst, dann vergisst du nie wieder irgendwas." Zudem möchte er sich um die Lernmotivation der Teilnehmer kümmern. "Da geht es darum, dass die besten Techniken nichts bringen, wenn das Kind sagt, dass es keine Lust zum Lernen hat. Hier möchte ich innere Glaubenssätze aufbrechen." Drittens beschäftigt Hofmann sich mit der Arbeitsorganisation der Schüler und gibt ihnen Tipps, wann wie und wo sie am besten lernen können. Auch widmet er sich Kindern, die, wie er sagt, "Lernbesonderheiten" aufweisen. Schließlich will er seine Teilnehmer soweit bringen, damit sie seine Techniken auch an andere weiter geben können.

Persönliche Online-Treffen

Einmal die Woche trifft sich Hofmann persönlich mit seinen Teilnehmern via Zoom. Hofmann: "Da hole ich dann alle aus dem deutschsprachigen Raum zusammen. Die Teilnehmer kommen aus Österreich, der Schweiz und natürlich aus Deutschland. Da sind Eltern, Pädagogen, Schulleiter und Coaches mit dabei, die sich für die Zusatzqualifikation interessieren. Dort sprechen wir dann über die Inhalte der vergangenen Woche."

Was er sonst in seinem Programm noch tun würde, muss wegen der Pandemie umgeplant werden: "Normalerweise würden wir uns zwei bis drei Mail im Jahr persönlich zu einer Supervision treffen", erklärt der Gedächtnistrainer. "Das geht im Moment leider nicht. Das letzte Mal habe ich das im September vergangenen Jahres gemacht", fügt er an.

Kein Ersatz für Live-Performance

Die Online-Veranstaltungen können Hofmann zufolge nicht den Reiz einer Live-Performance ersetzen. "Das ist schon noch mal eine andere Nummer, wenn ich die Menschen persönlich vor mir habe und mit ihnen arbeiten kann, wenn es zum Beispiel darum geht, ihnen Methodenkompetenz nahezubringen. Da ist das persönliche Miteinander viel intensiver." Dennoch funktioniere sein Konzept auch über die digitalen Kanäle. Es habe auch Vorteile. "Was man online machen kann ist, Menschen über einen längeren Zeitraum zu begleiten", sagt er, denn so gebe es keine räumlichen Distanzen, auf die man achten müsse.

Dreimal soviel Arbeit

Überrascht hat den Gedächtnistrainer auch, dass sich seine geschlossene Facebook-Gruppe während der Pandemie so selbstständig gemacht hat. Hofmann: Ich hätte nicht gedacht, dass das so Fahrt aufnimmt und so durch die Decke geht."

Alles in allem macht Hofmann weiter mit seinem Angebot einen Umsatz. Allerdings ist dieser nicht annähernd so hoch wie vor der Pandemie. Hofmann: "Momentan muss ich mir ja die neuen Kompetenzen aneignen, die ich für die Online-Angebote brauche. Unterm Strich arbeite ich gerade drei Mal so viel wie vor der Pandemie und verdiene ungefähr ein Drittel."

Denken, Fühlen und Lernen

Hofmann kennt auch das Phänomen, dass Menschen nach einer Corona-Infektion Probleme mit dem Gedächtnis haben. Er sagt: "Ich habe mit fünf Leuten gesprochen, die einen leichten Verlauf von Corona hatten, aber anschließend ein Thema mit dem Gedächtnis hatten." Er habe mit ihnen einige Übungen gemacht, die andere Bereiche des Gehirns ansprechen als herkömmlich.

Als Beispiel dafür nennt er Kinder, die Memory spielen und den Erwachsenen fast immer überlegen sind, weil sie anders denken. "Genauso geht das mit Erwachsenen, wenn ich denen zeige, einen kreativen, emotionalen Bereich mit in ihr Denken aufzunehmen. Dann können sie sich auf einmal fünfmal so viel merken", sagt Hofmann.

Es gehe darum, den Menschen zu zeigen, wie sie "denken, lernen und fühlen können wie ein fünf- der sechsjähriges Kind" .

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Regensburg
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