17.05.2021 - 11:27 Uhr
NabburgOberpfalz

Die Wildretter: Konzertierte Aktion von Bauern und Jägern

Rehkitze sind herzallerliebst anzuschauen. Zur Zeit der Wiesenmahd sind sie besonders in Gefahr. Sie fliehen nicht, ducken sich ins Gras und fallen dem Mähwerk zum Opfer. Jagd- und Bauernverband rufen zur Jungwildrettung auf.

Einfach lieb, so ein Rehkitz. Wenn die Mähmaschine kommt, ducken sie sich ins Gras, statt zu fliehen.
von Irma Held Kontakt Profil

Landwirte und Jäger stehen dabei gemeinsam in der Verantwortung, etwas für den Jungwildschutz und gegen den Mähtod zu tun, heißt es in einer gemeinsamen Erklärung des Bezirksvorsitzenden des Bayerischen Jagdverbandes, MdL Alexander Flierl, und des Präsidenten des Bayerischen Bauernverbandes (BBV), Josef Wutz. Alexander Flierl ergänzt gegenüber Oberpfalz-Medien, Landwirte hätten eine rechtliche Verpflichtung und Jäger eine ethische.

"Die Geiß führt ihre Kitze in eine Wiese, auch weil sie sich dort verstecken können", sagt Flierl. Dort kommt der Tod in Form einer Mähmaschine. BBV-Kreisobmann Josef Irlbacher weiß: "Keiner, der mäht will diese Situation heraufbeschwören."

Die schönen Tierchen täten jedem Leid. Er weiß allerdings auch, dass eine Mähbreite von neun Metern nicht zu überblicken sei. Die Maschinen würden immer größer und schneller. Umso wichtiger seien Maßnahmen vor der Mahd. Josef Irlbacher erzählt im Gespräch mit Oberpfalz-Medien, dass er die Flächen rund um seinen landwirtschaftlichen Betrieb in Grubhof bei Nabburg im Frühjahr beobachtet, um zu wissen, wo sich Rehe aufhalten. Er hält die allermeisten Landwirte für sensibilisiert und appelliert an seine Berufskollegen mit Jagdpächtern die Flächen zu befliegen oder zu begehen.

Der Kreisobmann stuft die Befliegung mit Drohnen mit Wärmebildkameras als effektiv ein. Respekt und Bewunderung hat er für Jäger übrig, die mit vielen Helfern die Wiesen durchkämmen. Auch eine Krautscheuche zeige oftmals schon Wirkung. Die Jäger seien darauf angewiesen, dass die Landwirte rechtzeitig melden, wenn die Mahd ansteht. Josef Irlbacher rät: "Vor dem Lohnunternehmer zuerst den Jäger anrufen."

Diese Zusammenarbeit ist auch Alexander Flierl und Josef Wutz ein Anliegen. "Einerseits müssen die Landwirte darauf hingewiesen werden, wo sensible Flächen mit Kitzen, Junghasen und Gelege von Bodenbrütern sind." Andererseits sollten die Jagdpächter rechtzeitig informiert sein, wann das Mähwerk anrückt, um Maßnahmen zur Vermeidung von Mähunfällen treffen zu können, bringt es Josef Wutz auf den Punkt. "Effektive Jungwildrettung beginnt bereits vor der Mahd", unterstützt Alexander Flierl den Appell von Kreisobmann Josef Irlbacher. Eine Rettung müsse geplant sein, denn eine Drohnenbefliegung sei nur in den Morgenstunden sinnvoll, wenn es kühl sei. Dann müssten die Kitze aus der Wiese getragen und es müsse zeitnah gemäht werden. Alexander Flierl verweist im Zusammenhang des Drohneneinsatzes auf ein Förderprogramm des Bundes für Kreisgruppen aber auch Tierrettungsvereine.

Von Mähunfällen betroffen seien besonders Jungrehe, aber auch junge Hasen oder "Gelege, dort, wo es noch Niederwild gibt." Neben dem tierschutzrechtlichen Aspekt machen Flierl und Wutz auf die psychische Belastung von Landwirten durch Mähunfälle sowie die Gefährdung der Futterqualität aufmerksam.

Wildrettung mit Drohnen

Hohentreswitz bei Pfreimd

Der Kreisvorsitzende des Bundes Naturschutz (BN) Klaus Pöhler hält die Gefahr für die kleinen Rehe am größten. "Die Kitze ducken sich nieder. Die Geiß springt weg". Das sei das angeborene Verhalten bei drohender Gefahr, auch wenn sie von Maschinen ausgeht. Die Tiere seien gut versteckt und die Mähmaschinen immer größer und schneller. "Ein Kitz nieder zu mähen, ist immer eine schlimme Geschichte."

"Der erste Schnitt ist relativ spät. Vielleicht hilft das Rehen, weil sie schon älter sind", hofft Josef Irlbacher. Das ist ein frommer Wunsch, den Alexander Flierl nicht generell gelten lässt. Das sei regional sehr unterschiedlich, hänge von den klimatischen Bedingungen ab. Diese seien in Schönsee oder Stadlern anders als im Naabtal.

Mehr zum Thema Forst und Jagd

Neunburg vorm Wald

"Vor dem Lohnunternehmer zuerst den Jäger anrufen."

BBV-Kreisobmann Josef Irlbacher

BBV-Kreisobmann Josef Irlbacher

"Die Geiß führt ihre Kitze in eine Wiese, auch weil sie sich dort verstecken können"

MdL Alexander Flierl, Bezirksvorsitzender des Bayerischen Jagdverbandes

MdL Alexander Flierl, Bezirksvorsitzender des Bayerischen Jagdverbandes

"Ein Kitz nieder zu mähen, ist immer eine schlimme Geschichte."

Klaus Pöhler, BN-Kreisvorsitzender

Klaus Pöhler, BN-Kreisvorsitzender

Hintergrund:

Jungwildrettung

  • Aufstellen von Scheuchen
  • Absuchen von Wiesen mit Drohnen oder Jagdhund
  • Optisch-akustische Kitzretter, eine Art Wildverbrämungsgerät
  • Mähknigge: Die Bayerische Landesanstalt für Landwirtschaft, www.lfl.bayern.de, hat als Orientierungshilfe
    einen "Mähknigge" entworfen, der
    Maßnahmen enthält, die zur Vermeidung von Mähunfällen bei Wildtiere, nicht nur Rehen, dienen
    können.
Klicken Sie hier für mehr Artikel zum Thema:

 

 

Kommentare

Um Kommentare verfassen zu können, müssen Sie sich anmelden.

Bitte beachten Sie unsere Nutzungsregeln.