18.03.2021 - 16:17 Uhr
NabburgOberpfalz

Weiße Amsel gibt Rätsel auf

Ein seltsamer Vogel hat in diesem Winter den Futterplatz der Familie Urban im Nabburger Ortsteil Diendorf für sich entdeckt: Von der Größe her ist es eine Amsel, nur eben mit schneeweißen Federn. Ein Albino?

Eine Albino-Amsel, gesichtet im Nabburger Ortsteile Diendorf? Dagegen sprechen Schnabel und Augen, die dann rot sein müssten. Stattdessen handelt es sich um eine Mutation, die als Leuzismus bekannt ist.
von Monika Bugl Kontakt Profil

Der Vogel mit dem auffallend weißen Federkleid war in diesem Winter Stammgast bei Familie Urban im Nabburger Ortsteil Diendorf. Nein, eine Taube ist das nicht, so viel war Josef Urban schnell klar. Wildtauben sind deutlich größer, dafür war der gefiederte Gast zu klein. Am nächsten kam er rein größenmäßig einer Amsel. Irgendwann machten Fotos die Runde, und die Frage tauchte auf: Ist das eine Albino-Amsel?

"Jeder aus der Familie hat sie in den vergangenen Wochen irgendwann einmal gesehen", berichtet Berta Urban auf Nachfrage von Oberpfalz-Medien. "Sie war aber immer schnell wieder weg." Angelockt hätten sie wohl am Futterplatz vor allem alte Äpfel. Tochter Ilona gelang schließlich ein Schnappschuss, der letztlich bei einem Mann landete, der sich ein wenig auskennt. Hartmut Augustin, promovierter Biologe und früherer Lehrer am Schwandorfer Gymnasium, fand ein ähnliches Exemplar in keinem Fachbuch, wurde aber schließlich im Internet fündig. Die Lösung: Bei der Amsel mit dem ungewöhnlichen Federkleid tippt er auf einen sogenannten Leuzismus, eine harmlose Defekt-Mutation.

Informationen zu dieser Spielart der Natur finden sich auf einer Internetseite des Landesbundes für Vogelschutz (LBV) "Jeder Leuzismus ist in abgestufter Form bei vielen verschiedenen Vogelarten nachgewiesen worden", heißt es da. "Am besten sieht man das an weißen Flecken im dunklen Federkleid bei Amseln oder Staren." Die Mutation führe dazu, dass das Fell und die Federn weiß und die darunterliegende Haut rosa ist, da die Haut keine Melanozyten, also farbstoffbildende Zellen, enthält.

Auch diesem Mauersegler fehlt es an Farbe

Bayern

Anders ist das beim Albinismus: Da sind die Zellen zwar vorhanden, aber unfähig, den Farbstoff Melanin zu bilden. Wie bei Säugetieren entstehen laut LBV bei Vögeln schwarze und braune Farben durch verschiedene dunkle Pigmente, Melanine genannt. Neben Melaninen spielen bei Vögeln noch Carotinoide und Federstrukturen bei der Entstehung der Farben eine Rolle. "Wenn bei Vögeln also die Melanine fehlen, kann das zu weißen oder aufgehellten Flecken führen" so die Einschätzung. Dieses Phänomen hat auch Biologe Augustin schon öfter mal beobachtet, beispielsweise bei Spatzen mit sehr hellen Federteilen, ein komplett weißer Vogel ist ihm aber noch nicht untergekommen.

Trotz der fehlenden Federpigmente hat der Schnabel bei Leuzismus aber eine normale Färbung, er ist also gelb oder orange. Das Tier hat außerdem normal dunkle Augen. Bei einer Albino-Amsel wäre beides rot oder rosa. "Manchmal gibt es auch weiß gefleckte oder gar komplett weiß gefärbte Amseln", steht im entsprechenden LBV-Beitrag zu lesen, verbunden mit einem Hinweis auf ein gewisses Risiko: In der freien Natur würden diese auffallenden Tiere schnell von Beutegreifern erspäht werden, weswegen man sie fast nur in Städten finde.

Die weiße Amsel von Diendorf ist zumindest vor wenigen Tagen noch gesichtet worden und bislang keinem Räuber zum Opfer gefallen. Wenn sie mal länger wegbleibt, dann führt Berta Urban das eher auf die Versorgungslage am Futterplatz zurück und baut vor: "Ich hätte noch genug alte Äpfel."

Hintergrund:

Albinismus

  • Definition: Albinismus ist eine Sammelbezeichnung für angeborene Störungen in der Biosynthese der Melanine. Dabei handelt es sich um Pigmente, und das sichtbare Resultat sind hellere Haut-, Haar-, Fellfarbe und Augenfarben. Albinismus folgt meist einem rezessiven Erbgang und kommt beim Menschen weltweit mit einer durchschnittlichen Häufigkeit von 1:20.000 vor.
  • Vorteile: Tiere mit Albinismus sind oft Publikumslieblinge in Zoos, und bei Menschen sehr gefragt.
  • Nachteile: Fehlende Tarnung, eingeschränktes Sehvermögen und höhere Lichtempfindlichkeit können Selektionsnachteile sein. Tiere mit Albinismus werden häufig von Artgenossen ausgegrenzt, auch für Tierversuche sind sie beliebt.
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