15.10.2021 - 16:40 Uhr
NabburgOberpfalz

Verzicht auf Namenslisten bringt Wirten im Landkreis Schwandorf nur wenig Erleichterung

Jetzt sind sie reif für den Papierkorb, die Vordrucke für Kontaktdaten in der Gastronomie. Seit Freitag gelten neue Regeln, doch für ein erleichtertes Aufatmen sorgt das bei den Wirten im Landkreis Schwandorf keineswegs.

Gastwirt Stefan Sauerer aus Nabburg kann die dicken Blöcke zur Erhebung der Kontaktdaten jetzt wegräumen. Die große Erleichterung bring der Verzicht auf diesen Schritt aber nicht, darin ist er sich mit den Kollegen im Landkreis einig.
von Monika Bugl Kontakt Profil

Die Namenslisten können weg. Fast überall dürfen Cafés, Kneipen und Restaurants in Bayern künftig auf das Erfassen von Kontaktdaten verzichten, die in der Corona-Pandemie das Aufspüren von potenziell infizierten Personen erleichtern sollen. Nun hat das bayerische Kabinett beschlossen, dass dieser Aufwand nur noch in "Schwerpunktbereichen mit hohem Risiko vom Mehrfachansteckung" erforderlich ist. Doch die Begeisterung der Gastronomen im Landkreis Schwandorf über den Wegfall der Maßnahme hält sich in Grenzen - auch deshalb, weil sie flankiert wird von einer neuen Hürde.

"Im Endeffekt haben die Gäste das mit den Kontaktdaten selbst gemacht", sagt der Nabburger Gastronom Stefan Sauerer, der noch einen ganzen Stapel Formulare auf Lager hat. "Das war kaum mehr Aufwand als mit der Speisekarte." Ähnlich sehen das viele seiner Kollegen, beispielsweise Rosmarie Reitinger, Wirtin beim "Seeschmied" in Muschenried. "Das hat mich am wenigsten aufgeregt, und in so einem kleinen Dorf wie bei uns, da kenn ich eh Geburtsdatum und Telefonnummer schon auswendig". Andere, wie Iris Ettl, Mitarbeiterin im Oberviechtacher Café Weigl, und Katja Rupp, Inhaberin des "Hollyfood", sind froh, dass es zumindest ein wenig einfacher ist. Andrea Braun von der "Hammerschänke" in Lukahammer fragt sich ohnehin, ob denn diese Pflicht bislang wirklich in allen Lokalen ernst genommen wurde.

In einem aber sind sich alle von Oberpfalz-Medien befragten Vertreter der Gastronomie einig: Ein Riesenaufwand bleibt. Besonders zeitraubend finden die meisten die Prüfung der Zugangsnachweise, also der Dokumente für Impfung, Genesung oder Test. So einen Impfpass müsse man erst einmal durchblättern, um dann zwischen Gelbfieber, Tetanus und Grippe die Corona-Schutzimpfung zu entdecken. "An einem Sonntagmittag brauche ich zur Kontrolle eine zusätzliche Kraft. Tests oder App, das ist alles nicht einheitlich und funktioniert auf dem Handy auch nicht immer", stöhnt der Chef der Gaststätte Sauerer. Es schmerzt ihn, wenn er gerade in einer Gruppe einen Gast wieder heimschicken muss, weil der den Nachweis vergessen hat.

Geburtstagsgesellschaften stornieren, weil sich Verwandte den nötigen Tests verweigern, und Betriebe ziehen aus ähnlichen Gründen den Abhol-Service vor, durch den Wirt dann an Getränken nichts verdient. In der Hotellerie verzögert sich manche Anreise, weil auch der Test noch aussteht.

Personal hart umkämpft

Einen wunden Punkt trifft aber eine weitere Änderung der Verordnung zum Infektionsschutz: Ab Dienstag müssen in allen Bereichen von 3G, 3G plus oder 2G künftig auch die Betreiber, Beschäftigte und Ehrenamtliche mit Kundenkontakt die dort geltenden Impf- Genesenen- oder Testvoraussetzungen erfüllen. An mindestens zwei verschiedenen Tagen pro Woche muss bei diesen Mitarbeitern, die nicht zu denen Genesenen oder Geimpften zählen, ein Test auf dem Tisch liegen.

"Ausbaden müssen das die Wirte, denn gerade junge Aushilfen sind häufig nicht geimpft", gibt Sauerer zu bedenken. Er rechnet mit zusätzlichen Kosten: "Wer das vom Personal selbst zahlen soll, der wird wohl nicht mehr kommen", so die Befürchtung. "Das verschärft den Personalmangel noch mehr", pflichtet ihm die Kollegin aus Muschenried bei, die nur noch Dienstag bis Samstag um 18 Uhr primär Hausgäste bekocht. "Wir hatten sieben Monate zugesperrt", berichtet Reitinger. "In dieser Zeit haben viele erkannt, dass sie nicht gerne nachts arbeiten und den Sonntag auch lieber daheim verbringen."

Nachfrage erlaubt?

"Offiziell darf ich das doch gar nicht erfragen, wer geimpft ist", wundert sich ein Wirt aus Wernberg über die Vorgaben für seine Mitarbeiter. Er will lieber anonym bleiben und befürchtet, dass Gäste wegbleiben, wenn bekannt wird, dass er auch Personen beschäftigt, die "nur" getestet sind. "Das Testen wäre auf jeden Fall aufwendig", meint Iris Ettl aus dem Café Weigl, immerhin, der Chef habe eine entsprechende Schulung. "Wir haben die ganze Zeit schon freiwillig Tests angeboten", berichtet Thomas Auerbach, Geschäftsführer von Hotel und Restaurant Wolfringmühle (Gemeinde Fensterbach). Inzwischen habe ihm der Großteil der Belegschaft mitgeteilt, dass man vollständig geimpft sei.

"Jeder Geimpfte ist eine deutliche Erleichterung", hat er festgestellt und sich früh für eine Priorisierung eingesetzt. Kontrolle und Kontaktdaten, das sei im Sommer schon Routine geworden. "Mit der App ist das ja auch so eine Sache", überlegt Auerbach, "etwa die Hälfte der Gäste nutzt sie, ob es auch klappt, weiß man nie zu hundert Prozent".

Weniger Papier

"Der Lackierte ist immer der Wirt", seufzt Gastronomin Andrea Braun aus der "Hammerschänke. Auch Gastwirt Sauerer lenkt den Blick auf wunde Punkte wie die nach wie vor lästige Maskenpflicht fürs Personal oder die im Vergleich zu Österreich deutlich höhere Mehrwertsteuer in der Gastronomie. "Es ist längst nicht alles so rosig, wie es auf den ersten Blick aussieht", so seine Bilanz.

In der Pizzeria "Mio Naabucco" in Schwarzenfeld dagegen lässt man sich die Freude an einem winzigen Stück wiedergewonnener Freiheit nicht nehmen. "Schön, super, Gott sei Dank, das spart Zeit", lautet der Kommentar von Mehmet Özkalayci zum Wegfall der Namenslisten. "Bei uns sind alle geimpft, und jetzt brauchen wird auch nicht mehr einen Haufen Papier", stellt der fest und führt noch einen ökonomischen Faktor ins Feld. "So Druckerpatronen für die Formulare, die kosten auch viel Geld."

So war die Lage in der Gastronomie vor einem Jahr

Schwandorf
Geimpft, genesen oder getestet: In der Praxis ist die Kontrolle dieser Zutrittsbedingung extrem zeitaufwendig, berichten Gastwirte aus dem Landkreis. Dass nun jede Aushilfe auch diese Bedingungen erfüllen muss, sorgt für noch mehr Personalknappheit oder Kosten in der ohnehin gebeutelten Branche.
Hintergrund:

Geänderte Maßnahmen für Infektionsschutz

  • Kontaktdaten: Seit Freitag, 15. Oktober, nur noch fällig bei hohem Risiko von Mehrfachansteckungen. Das heißt: bei Veranstaltungen ab 1000 Personen, in Clubs, Diskotheken, Bordellen und vergleichbaren Freizeiteinrichtungen sowie bei gastronomischen Angeboten mit Tanzmusik, in Gemeinschaftsunterkünften (beispielsweise Jugendherbergen oder Berghütten) oder bei Körpernahmen Dienstleistungen.
  • Testpflicht: Ab Dienstag, 19. Oktober, müssen in allen Bereichen von 3G, 3G Plus oder 2G künftig auch für Betreiber, Beschäftigte und Ehrenamtliche mit Kundenkontakt die dort jeweils geltenden Impf- Genesenen- oder Testvoraussetzungen erfüllen. Erforderlich ist ein entsprechender Testnachweis laut Staatskanzlei an mindestens zwei verschiedenen Tagen pro Woche.

 

 

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