05.05.2021 - 17:44 Uhr
NabburgOberpfalz

Umfeld der neuen Umgehung in Nabburg noch verbesserungswürdig

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Der Bau der Umgehungsstraße ändert das Nabburger Stadtbild. Bei der Gestaltung sind noch viele Fragen offen. Die bestehenden Defizite zeigt eine Studie auf, die der Stadtrat präsentiert bekommt.

Blick in die Zukunft: Wo sich heute der Bahnübergang in der Georgenstraße befindet, soll es nach dem Bau der Umgehung nur noch eine Unterführung für Fußgänger (hier der Zugang) und Radfahrer geben.
von Wilhelm Amann Kontakt Profil

Die beauftragten Architekten sehen drei Bereiche an der Trasse der geplanten Umgehungsstraße, in denen noch großer Handlungsbedarf besteht: Fußgänger- und Radfahrer-Unterführung, Zugang zur Naab und Vorplatz der Nordgauhalle. Dort muss nach Überzeugung von Städteplaner Ulrich Wieler und Landschaftsarchitekt Marcus Hamberger vom Büro UmbauStadt noch in die aktuelle Amtsplanung eingegriffen werden, um gute Lösungen für Nabburg zu finden, die auch den Grundgedanken des Integrieren Städtebaulichen Entwicklungskonzepts aus dem Jahr 2011 entsprechen. Welche Schwachpunkte noch bestehen und wie sie aufgelöst werden könnten, zeigten sie am Dienstagabend dem Stadtrat. Sie präsentierten dazu in der Nordgauhalle eine Machbarkeitsstudie.

Zunächst zum Tunnel, der direkt an der Stelle des jetzigen Bahnübergangs nur für Fußgänger und Radfahrer mit lediglich vier Metern Breite entstehen soll: Die Treppenanlage sei eng, nicht geradlinig und beinhalte eine verwinkelte Wegführung. "Verbesserungswürdig", sagte Hamberger dazu. Der Zubringer verlaufe zwischen 3,50 Meter hohen Mauern, auf die bahnseitig eine fünf Meter hohe Lärmschutzwand und stadtseitig eine einen Meter hohe Brüstung aufgesetzt werde. In diesem "Schlauch" würden Fußgänger und Radfahrer "aufeinander treffen". Hamberger: "Wir sehen da Konfliktpotenzial, das nicht unterschätzt werden sollte". Zudem gebe es keine Barrierefreiheit, weil zu starke Steigungen - auf der Naabseite bis zu elf Prozent - vorherrschen.

Der Naabtalplan des Wasserwirtschaftsamtes sehe nur Hochwasserschutz südlich der neuen Brücke über den Fluss vor, nördlich sei das Gelände hoch genug. Nicht geschützt werde jedoch die Fußgänger- und Radfahrerunterführung, so dass sie ungehindert mit Wasser volllaufen könne.

Wie es besser werden könnte

Der Landschaftsarchitekt unterbreitete einige Verbesserungsvorschläge: deutlich größere Treppe in direkter Linienführung, luftiger und offener Tunnel mit sechs Metern Breite, Begrünungskonzept für Schallschutzwand. Die Unterführung solle "nicht so was wie ein Mäuseloch, sondern ihrer Bedeutung entsprechend und einladend gestaltet werden". Für die Radfahrer und die Schaffung von Barrierefreiheit könne eine schlangenlinienförmig angelegte Rampe dienen. An der Naab könne ein neuer Platz geschaffen werden mit Zugang bis ans Wasser und Bootsanlegemöglichkeit. Hier müsse aber unbedingt daran gedacht werden, mobile Wände für den Hochwasserschutz der Unterführung platzieren zu können. Die Anbindung des Fuß- und Radweges an die Umgehungsstraße würde Hamberger weiter nach Süden verlegen, um durch die längere Strecke eine geringere Steigung zu erzeugen.

Vor der Nordgauhalle hielt er es nicht für sinnvoll, die Parkplätze in unübersichtlichen Kleingruppen anzulegen. Zur aktuellen Planung meinte er: "Wir stellen uns die Parkplatzsuche als wahnsinnig kompliziert vor, das ist vollkommen unpraktisch." Die Abstellmöglichkeiten solle man stattdessen in übersichtlichen Parkbändern zusammenfassen und die nicht nutzbaren Flächen den Anwohnern für Vorräume zur Verfügung stellen, damit die Autos nicht direkt vor ihren Fenstern stehen.

Artikel über erste Vorstellung des Entwurfs der Machbarkeitsstudie

Nabburg

Die Präsentation der Studie löste eine rund einstündige Diskussion aus. Auf eine Frage von Heidi Eckl (ÖDP) hin gingen die Planer davon aus, dass die Stadt die zu ergreifenden Maßnahmen mit 60 bis 90 Prozent vom Staat gefördert bekommen werde. "Viele gute Ideen" sah CSU-Sprecher Hans-Georg Dobler. Er zeigte sich deshalb entschlossen: "Wir sollten sie umsetzen, damit wir was Besseres bekommen". Gegen den Zick-Zack-Kurs für Radfahrer (auf der Stadtseite) sprach sich Evi Thanheiser (SPD) aus. Eine Lösungsmöglichkeit sah der Landschaftsarchitekt unter Einbeziehung des Alten Brückenwegs. Er gehöre nicht zum Planfeststellungsbereich für das Projekt und sei deshalb bei den bisherigen Betrachtungen außen vor geblieben. Es spreche aber grundsätzlich nichts dagegen, ihn einzubeziehen, gab Verwaltungsleiter Thomas Prey zu verstehen.

SPD-Fraktionssprecher Josef Weber konnte sich nicht erklären, warum eine Verbreiterung des Tunnels zum Gegenstand der Studie gemacht wurde. Das sei in der Auftragsvergabe, die noch der Stadtrat aus der vorherigen Periode gemacht hatte, so nicht vorgesehen gewesen. Dieses Thema solle deshalb aus den weiteren Betrachtungen herausgenommen werden. Armin Schärtl (SPD), bis einschließlich April 2020 Bürgermeister und jetzt Stadtrat, blickte zurück: Die Stadt Nabburg habe eine Planungsvereinbarung mit dem Freistaat Bayern geschlossen. Sie besage: Wenn einer der Partner von der sogenannten Rahmenplantrasse abweicht, müsse er die Kosten dafür tragen. Da sei es mit etwa 350 000 Euro nicht getan. Was aber dringend benötigt werde, sei eine Abschottung für den Hochwasserfall.

Stadtrat wollte schon mal mehr

Der Fraktionsvorsitzende der Freien Wähler, Albert Bruckner, erinnerte daran, dass der Stadtrat ursprünglich eh eine breitere Unterführung für Fußgänger und Radfahrer gewollt habe. Von den geforderten fünf Metern sei dann der damalige Bürgermeister Schärtl beim Erörterungstermin eigenmächtig und ohne Stadtratsbeschluss zurückgegangen auf vier Meter. In einem förmlichen Verfahren, so Schärtl, könne jeder Einwand als erledigt betrachtet oder zurückgezogen werden. Das habe er getan, weil keine Aussicht bestanden habe, mehr als vier Meter zu erreichen.

Josef Pürner (CSU) betonte, dass der gesamte Stadtrat die nun vorliegende Studie wollte. Man dürfe jetzt nicht Teile davon infrage stellen. Man sei verpflichtet, für nachfolgende Generationen zu denken, die mit dem leben müssen, was jetzt gebaut wird - und da könne es nicht bei den vier Metern Tunnelbreite bleiben.

Pro und contra Zeitfaktor

Zweite Bürgermeisterin Irene Ehemann (FW) warf die Frage auf, ob neue Forderungen der Stadt dazu führen können, dass das Planfeststellungsverfahren stagniert. Wenn Einwände geltend gemacht werden, müssen sie laut Verwaltungsleiter Thomas Prey erörtert werden. Die Regierung lasse sich da nicht zeitlich festlegen. Josef Weber erinnerte: Die Regierung habe auf Anfrage mal sinngemäß erklärt, dass auf Änderungen im Interesse einer Beschleunigung des Verfahrens verzichtet werden sollte. CSU-Stadtrat Kilian Gradl betonte, es sei ihm ziemlich egal, ob Änderungen zu Verzögerungen führen. Denn: "Es geht um das, was wir für Nabburg wollen." Und da dürften Zeitdruck oder Aufwand keine Rolle spielen. Angesichts der schon verstrichenen Zeit meinte er: "Es ist egal, ob wir fünf Jahre früher oder später mit dem Bau beginnen."

Zwei "Meinungsbilder"

Bürgermeister Frank Zeitler (CSU) fasste zusammen: Man müsse die Funktionalität im Blick behalten. Es bestehen aber Defizite, davor dürfe man die Augen nicht verschließen. "Was wir heute nicht fordern, werden wir morgen nicht bekommen", lautete sein Standpunkt. Ihn interessierte das Meinungsbild im Stadtrat, um zu wissen, wie im Rathaus weitergearbeitet werden soll. Deshalb ließ er zweimal abstimmen, ohne damit einen Beschluss zu fassen: Eine knappe Mehrheit votierte für ein weiteres Bemühen um sechs Meter Tunnelbreite, eine klare Mehrheit für eine bessere Anbindung des Radwegs an die Unterführung. Für die Stadtratssitzung am 1. Juni will die Verwaltung einen Vorschlag zum weiteren Prozedere vorlegen.

So sieht der Vorschlag des Büros UmbauStadt von der Naab her aus: Er wäre nach Überzeugung der beteiligten Planer machbar und besser als die bisher in der amtlichen Planfeststellung enthaltenen Lösungen.
Hintergrund:

Ziele der Studie zur räumlichen Entwicklung im Bereich Bahnunterführung/Umgehungsstraße

  • Den Stadteingang für Fußgänger
    und Radfahrer möglichst unkompliziert
    gestalten.
  • Umwege, Angsträume und Gefährdungen
    für Verkehrsteilnehmer
    vermeiden.
  • Barrierefreiheit für Kinderwagen,
    Rollatoren, Rollstühle und Einkaufstrolleys
    von der Georgenstraße bis
    zur Nordgauhalle durchgängig herstellen.
  • Grüngestaltung zur Integration
    der notwendigen Ingenieurbauwerke
    in den vorhandenen
    Freiraumkontext Stadt /
    Fluss.
  • Die Verbindung zur und von
    der Naab stärken, den Fluss
    als Teil der Stadt wahrnehmbar
    machen und einen Aufgang für Radwanderer
    erleichtern.
  • Gesprächsgrundlage für Verhandlungen mit der Deutschen Bahn AG und dem Wasserwirtschaftsamt Weiden bei den Vorbereitungen und
    Vorplanungen zur Gestaltung und Umsetzung von Schallschutzwänden und zum Hochwasserschutz.
  • Abstimmungsgrundlage zu Gesprächen mit der Regierung der Oberpfalz zu Finanzierungsmöglichkeiten
    von Maßnahmen, die im Sinne des vorliegenden Integrierten Städtebaulichen Entwicklungskonzepts (ISEK) sind.
  • Auftraggeber: Stadt Nabburg im April 2020.
  • Auftragnehmer: Büro UmbauStadt (Weimar).
  • Präsentation: Architekt Ulrich Wieler und Landschaftsarchitekt Marcus Hamberger.

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