29.06.2018 - 11:01 Uhr
NabburgOberpfalz

Vom Samenkorn bis zur Forstpflanze

Die Produktion einheimischer Forstpflanzen sehen die Mitglieder der Waldbesitzervereinigung Nabburg-Burglengenfeld bei ihrer Lehrfahrt. Sie sind in der nördlichen Oberpfalz unterwegs.

Diplom-Ingenieur Martin Kahl (links) erläuterte bei den verschiedenen Anbauflächen, den aufwändigen Weg und die vielen Arbeitsschritte vom Samenkorn bis zur auslieferungsfähigen Forstpflanze, der bis zu vier Jahre dauert.

Die Produktion einheimischer Forstpflanzen vom Samenkorn bis zum pflanzfähigen Setzling konnten die Mitglieder der Waldbesitzervereinigung Nabburg-Burglengenfeld bei ihrer kürzlichen Lehrfahrt in die nördliche Oberpfalz während der Besichtigung der Baumschule Kahl in Schnackenhof direkt vor Ort verfolgen.

An der Lehrfahrt der Waldbauernvereinigung (WBV) zeigen die Mitglieder alljährlich großes Interesse. Die Teilnehmer erhalten hier immer wieder interessante Informationen und Anregungen für die Pflege ihrer Waldbestände. Auch heuer nahmen 60 Forstwirte aus der Region an der Tagesfahrt teil. Schwerpunkt war diesmal die Produktion einheimischer Forstpflanzen.

Dementsprechend wurde die Forstbaumschule Kahl in Schnackenhof besichtigt. Im Rahmen einer Führung erläuterte Diplom Ingenieur Martin Kahl den aufwendigen Weg vom Samenkorn bis zur auslieferungsfähigen Forstpflanze.

Die Firma Kahl begann 1932 auf einem halben Hektar mit der Anzucht von Forstpflanzen. Doch erst nach dem Krieg, als die freie Marktwirtschaft einsetzte, entfaltete sich das Unternehmen. Heute werden in der vierten Generation, auf etwa 20 Hektar Anbaufläche alle Nadel- und Laubgehölze in allen Sortierungen und Größen, die von der regionalen Forstwirtschaft benötigt werden, herangezogen.

Während die Nadelgehölze in der Fläche ausgesät werden, erfolgt die Aussaat der Laubgehölze durch Einzelkorn in Reihe. Die jungen Pflanzen bleiben zwei Jahre im Vorschulbeet und werden dann umgesetzt. Im dritten oder vierten Jahr, je nach Anforderung, erfolgt die Vermarktung. Durch die Produktion vor Ort wird eine optimale Frische der Forstgehölze gewährleistet, gab Kahl zu verstehen.

Auf chemische Behandlung der Pflanzen wird weitgehend verzichtet. Die Beete werden größtenteils von Hand gejätet, wie sich die Besuchergruppe direkt überzeugen konnte. Die Saatgutkosten liegen bei etwa 50 000 Euro im Jahr. Zur Bewässerung werden etwa 1 Million Kubikmeter Wasser pro Jahr benötigt, das aus eigenen Gewässern entnommen werden kann.

Neben den Forstpflanzen finden auch Gartenliebhaber ein reichhaltiges Sortiment aller Obst- und Ziergehölze mit altbewährten Sorten und vielen Neuheiten. Die Waldbauern waren von der Führung überaus beeindruckt, konnten sie doch vor Ort sehen, welch hoher, vor allem personeller Aufwand für die Anzucht der Forstpflanzen erforderlich ist. Yvonne Wolfrum von der WBV dankte Martin Kahl für die sehr informative Führung mit einem regionalen Präsent.

Nachmittags wurde der Geschichtspark in Bärnau besucht. Hier begaben sich die Besucher in dem archäologischen Freilandmuseum auf eine Zeitreise vom 5. bis zum 13. Jahrhundert. So konnten sie bei der Führung ein frühmittelalterliches slawisches Dorf durchstreifen und dabei die äußerst einfachen Behausungen, die aus einem Grubenhaus oder bestenfalls aus einem Pfostenhaus bestanden, kennenlernen. Das Essen wurde über offenem Feuer in einem Kessel zubereitet und das Brot in einem Lehmkuppelofen gebacken. Zum Abschluss konnte noch die imposante Turmhügelburg aus Palisaden erklommen werden.

Abschließend informierte Yvonne Wolfrum, dass die WBV am 18.Juli eine Fahrt zur Forstwirtschafts-Messe "Interforst" organisiert. Anmeldungen sind unter Telefon 09433/9630 möglich. Außerdem findet voraussichtlich im Herbst nochmals eine weitere Lehrfahrt statt.







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