14.10.2021 - 16:16 Uhr
NabburgOberpfalz

Run auf Fahrschulen im Landkreis Schwandorf

Fahrschulen sind über- statt ausgelastet. Fahrlehrer arbeiten am Limit, so groß ist der Andrang in der Nach-Lockdown-Phase. Abgewiesen wurde in den befragten Fahrschulen im Landkreis Schwandorf aber noch kein Schüler.

Anstellen zum Führerschein heißt es bei vielen Fahrschulen. Fahrlehrer arbeiten am Limit. Personal zu finden ist aber leichter gesagt als getan..
von Irma Held Kontakt Profil

Fahrschulen werden inzwischen überrannt und gleichzeitig geht der Branche das Personal aus. Nach fast einem halben Jahr Lockdown - so mancher Fahrlehrer spricht von Arbeitsverbot - hat sich in den Fahrschulen einiges aufgestaut. Die Welle ist noch nicht gebrochen. Der Nabburger Fahrschulbesitzer Alexander Renz beschreibt es gegenüber Oberpfalz-Medien so: "Die alte Kundschaft ist noch da und dann stehen oft 30 bis 40 Leute vor der Tür, die ihren Führerschein machen wollen." Hinzu käme, dass am 1. Januar 2021 die praktische Prüfungszeit beispielsweise beim Autoführerschein von 45 auf 55 Minuten, bei der 125er von 45 auf 70 Minuten erhöht wurde.

Die konkreten Folgen nennt Alexander Renz in Zahlen. "Ich bringe fünf Schüler weg und zehn neue kommen dazu." Wer den Führerschein machen will, braucht Geduld. Sechs bis sieben Monate müsse er einplanen, vor Corona seien es drei bis vier gewesen. Inzwischen führt die Fahrschule eine Warteliste fürs Auto und Fahren mit Anhänger. Der seit Jahren bestehende Mangel an Fahrlehrerin verschärft die Situation. "Ich könnte leicht noch einen einstellen." Aber Renz findet keinen. Mit dieser Misere haben alle zu kämpfen.

Markt leer gefegt

"Es gibt keinen Fahrlehrer auf dem Markt", bestätigt der Schwarzenfelder Fahrschulbesitzer Reiner Lang die Aussage seines Kollegen. Der Pfreimder Bernhard Merter und auch der Oberviechtacher Rudolf Leibl führen dies unter anderem darauf zurück, dass die Bundeswehr keine Fahrlehrer mehr ausbilde. Ehemalige Zeitsoldaten machten früher das Gros der zivilen Fahrlehrer aus. Unattraktive Arbeitszeiten trügen ihr Übriges zum Mangel bei: Theorieausbildung am Abend, Nachtfahrten, Fahrstunden den ganzen über Samstag. "Die junge Generation will eine ausgeglichene Work-Life-Balance. Man fährt immer dann, wenn andere frei haben", beschreibt Rudolf Leibl die Lage. Er ist in der vergleichsweise komfortablen Situation, "dass meine Kinder alle Fahrlehrer sind". Er kann noch alle Fahrschüler annehmen, aber die Ausbildung dauere länger. Die Welle sei noch nicht gebrochen, werde vielmehr vor sich hergeschoben, bei Zweirädern ins nächste Jahr. In den Wintermonaten könne nicht geschult werden. "Wir sind an der Grenze." Damit meint er die Belastung für die Fahrlehrer, die Tag und Nacht schulen könnten, aber maximal elf Stunden geben dürfen.

Viel aufgestaut

Auf die Frage nach der gestiegenen Anfrage sagt Bernhard Merter, der Fahrschulstandorte in Pfreimd, Nabburg und Schmidgaden betreibt, nur: "Ja." Durch die Flüchtlingswelle 2015 sei das Nadelöhr schon verstopft worden, nun sei Corona oben drauf gekommen. Auch beim TÜV, der die Prüfungen abnehme, werde am Limit gearbeitet. Alle Fahrlehrer zollen den TÜV Prüfstellen in Schwandorf oder Weiden ein großes Lob. Es gebe zügig Termine. Schulen und Prüflinge würden nicht um Monate vertröstet wie andernorts, in Nürnberg zum Beispiel. Froh ist Merter darüber, dass die Älteren alle geimpft seien. Entspannen werde sich die Lage nicht so schnell, davon geht auch Reiner Lang aus. "Wir waren auch vor Corona gut besucht." Es habe sich noch mehr aufgestaut.

Unattraktiver Beruf

Bei den Lastwagenfahrern bemerkt Rudolf Leibl eine ähnliche Entwicklung wie bei den Fahrlehrern. In Rudolf Leibls Fahrschule in Oberviechtach kann man auch den Lkw-Führerschein machen ebenso wie bei Bernhard Merter in Pfreimd. Beide sind sich einig, der Beruf des Kraftfahrers sei unattraktiv und die nötige Anerkennung in der Gesellschaft fehle. Eine Nachfrage sieht Merter beim Führerschein der Klasse C1, Lkw von 3,5 bis 7,5 Tonnen. 50 Prozent der Lastwagenfahrer sind Rudolf Leibl zufolge 50 Jahre oder älter.

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Pressath
Hintergrund:

Ausbildung zum Fahrlehrer

  • Fahrlehrer ist kein klassischer Ausbildungsberuf.
  • Voraussetzung sind Mittlere Reife oder eine abgeschlossene Berufsausbildung.
  • Der angehende Fahrlehrer muss mindestens 21 Jahre alt sein und einen Führerschein für Auto und Auto mit Anhänger besitzen.
  • Die Ausbildung ist selbst zu finanzieren.
  • Nach neun Monaten theoretischer Ausbildung unter anderem in Pädagogik oder Recht, folgt eine schriftliche Prüfung.
  • Die praktische Ausbildung in einer Fahrschule endet mit einer Unterrichtsstunde, die der angehende Fahrlehrer vor Prüfern abhalten muss.
  • Die Erfolgsquote liegt bei 50 bis 55 Prozent. Quelle Rudolf Leibl, Fahrschulbesitzer in Oberviechtach

 

 

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