29.05.2021 - 16:42 Uhr
NabburgOberpfalz

Das neue Leben der Ausreisserinnen Vroni und Amalie auf Gut Aiderbichl

Vroni und Amalie sorgten für Wirbel vergangenes Jahr: Die Nabburger Kuh-Mama war ausgebüxt, entschied sich für ein Leben in Freiheit, brachte ihr Kalb zur Welt. Nun leben beide auf Gut Aiderbichl in Eslarn. Wie sieht ihr Kuh-Leben dort aus?

Kuh-Mama Vroni (vorne) mit ihrem Kalb Amalie. Das Kleine ist zwar sehr neugierig, aber bei Fremden ziemlich schüchtern.
von Vanessa Lutz Kontakt Profil

Auf dem Eslarner Ableger des Gut Aiderbichl (Österreich) herrscht Stille. Nicht, weil die Tiere schalldicht eingesperrt sind. Sondern, weil sie so entspannt sind. Ab und an meckert eine Ziege oder wiehert ein Pferd, manchmal muht eine Kuh. Ansonsten sind die Tiere vor allem mit Fressen und Herumtollen beschäftigt. Auf dem riesigen Gut dürfen sie ihren Lebensabend verbringen. So auch Vroni und Amalie.

Die achtjährige Kuh-Mama und ihr knapp einjähriges Kalb sind in Nabburg vergangenes Jahr zu zweifelhafter Berühmtheit gelangt - um ein Haar wären sie erschossen worden. Kuh Vroni war ausgebüxt aus dem Stall eines Bauern, es folgten wilde Einfangversuche und diverse Polizeieinsätze in der näheren Umgebung der Stadt.

Vroni schien ihr Leben in Freiheit zu genießen, brachte ihr Kalb Amalie in freier Wildbahn zur Welt. "Sie hat sich ganz schnell an das Leben angepasst und sich zurechtgefunden, Futter und Wasserstellen entdeckt", erinnert sich Michael Meckl, dem der Hof in Eslarn gehört. "Kühe sind unfassbar schlaue Tiere."

Irgendwann wurde die Situation brenzlig. Aus Angst, dass Vroni und ihr Kleines Menschen gefährden, wurde gar eine Erschießung diskutiert. Der Bauer, dem die Tiere gehörten, hatte kein Interesse, sie wieder zurückzunehmen. "Wir haben uns eingeschaltet, als wir davon aus der Zeitung erfahren haben", sagt Meckl. 14 Tage lang haben er und sein gleichnamiger Sohn Spur aufgenommen, die Tiere beobachtet - und sie schließlich mit Futter angelockt und auf den Gnadenhof gebracht. Und dort, auf dem Hof der Meckls, werden Vroni und Amalie nun ihr Leben verbringen.

Wie sieht das Kuhleben der Beiden dort aus? Meckl lacht und sagt: "Sie fressen und schlafen." In zwei Wochen, wenn das Wetter schön wird, dürfen die Kühe auf die Weide - auch Vroni und Amalie. Aktuell sind sie in einem großen Stall untergebracht, den die Meckls gerne zeigen. Während Vroni relativ unbeeindruckt ist, meistens aber interessiert für Fotos in die Kamera guckt, ist Amalie schüchtern. Sie versteckt sich hinter ihrer Mama, spitzt hinter ihr hervor. Amalie, die in freier Wildbahn geboren wurde, ist den Kontakt mit Menschen nicht so gewohnt.

"Aber", sagt Sohn Meckl, "Amalie ist verdammt neugierig." Alles wolle sie genau beobachten, ja nichts verpassen. Meckl streut Futter auf den Boden. Und die kleine Amalie spitzt kurz hervor, bleibt sichtlich skeptisch - und nimmt dann schließlich doch einen Happen.

Vroni, die damals noch Elsa genannt wurde, machte bundesweit Schlagzeilen

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Jedes Tier auf dem Eslarner Hof hat einen Namen. Vater und Sohn Meckl kennen jeden einzelnen. "Alle Tiere hier haben eine besondere Geschichte." Ziegenbock Seppl zum Beispiel. Der ist bei Moosbach mehrfach ausgebüxt, hat die Pflanzen bei einem Kriegerdenkmal abgefressen.

Irgendwann haben die Besitzer ihn schließlich angebunden - jemand informierte die Meckls daraufhin und sie konnten Seppl aufnehmen. Und der ist übrigens immer noch ziemlich verfressen. Ob es an schlechten Haltebedingungen liegt, dass die Tiere ausbüxen? Das sei schwer zu sagen, so Vater und Sohn. Es könnte aber durchaus eine Rolle spielen. "Manche Tiere sind auch wahnsinnig feinfühlig", weiß Sohn Meckl. Ein Ochse, den sie aufgenommen haben, sei kurz vor der bevorstehenden Transportfahrt zum Schlachter geflohen.

"Wir haben hier Tiere mit teilweise schlimmen Geschichten", erzählt Meckl junior. Einige waren sogar sowas wie Attraktionen in Zirkussen oder auf Festen. Manche waren früher Polizeipferde. Ausrangiert wurden sie, sozusagen. Und die Meckls haben sie aufgenommen. Einen schönen Lebensabend wollen sie den knapp 200 Tieren auf dem riesigen Hof bereiten. Den haben die Tiere sichtlich. Und nun gehören auch Vroni und Amalie aus Nabburg dazu.

Kuh und Kalb haben ihr neues zuhause gut angenommen

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Hintergrund:

Gut Aiderbichl in Eslarn

  • Auf dem Gut Aiderbichl in Eslarn (Landkreis Neustadt a.d. Waldnaab) leben rund 180 Tiere, neben Rindern auch Pferde, Schafe und Ziegen. Sie werden dort bis zu ihrem natürlichen Tod versorgt.
  • Anfragen erreichen die Meckls aus ganz Deutschland. Vater und Sohn sind auf dem weitläufigen Hof mit ihren zwei zusätzlichen ehrenamtlichen Unterstützern gut beschäftigt und immer auf der Suche nach helfenden Händen.
  • Vroni und Amalie dürfen jetzt auf die Weide und im nächsten Winter in den Freiluftstall.
  • Das Schicksal der beiden Kühe, die in Nabburg großes Medieninteresse erzeugt haben, bewegt. Nach wie vor erkundigen sich Tierfreunde aus dem Nabburger Raum bei den Meckls nach Vroni und Amalie.
  • Finanzielle Patenschaften sind ab zehn Euro im Monat möglich.

 

 

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