05.05.2020 - 16:26 Uhr
NabburgOberpfalz

Neue Frisur nur mit Maske und Wasser

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Als Struwwelpeter muss bald niemand mehr rumlaufen. Denn seit 4. Mai dürfen die Friseure in Bayern wieder arbeiten. Trotz strenger Hygienevorschriften sind die Terminkalender der Salons rappelvoll. Auch Männer müssen jetzt Zeit mitbringen.

Auch Männer müssen sich vor dem Schneiden die Haare waschen lassen. Eine Premiere für Konrad Scherm, Stammkunde im Friseursalon „Haarzauber“ in Neunburg vorm Wald. Für ihn ebenfalls neu: Inhaberin Lisa Dietrich greift nach dem Haarschnitt zu Bürste und Fön.
von Gertraud Portner Kontakt Profil

Sechs Wochen ohne Friseurbesuch. Diese Einschränkung während der Coronakrise traf viele besonders hart. Doch jetzt muss niemand mehr über seine Mähne jammern- vorausgesetzt er hat einen Termin. "Wir öffneten mit gemischten Gefühlen. Aber es funktioniert reibungslos und alle Kunden halten sich an das, was wir vorgeben müssen", sagt Heike Schottenheim, Mitinhaberin von "Style Lounge - Hair & Make up" in Nabburg. Der Salon hätte am 2. Mai sein vierjähriges Jubiläum feiern können. "Aber es ist auch so gut", ergänzt die Friseurmeisterin im Gespräch mit Oberpfalz-Medien. Jetzt überwiege die Freude, wieder arbeiten zu dürfen. Denn die Wochen ohne Verdienst hätten ein "riesiges Loch" gerissen.

Obwohl eigentlich montags geschlossen, wurde gleich am 4. Mai aufgemacht - und zwar bei "übervollen" Terminkalender in voller Besetzung. "Früher und länger", meint Heike Schottenheim zu den Öffnungszeiten von jetzt 8 bis 19 Uhr. Der erste Arbeitstag nach der Corona-Zwangspause wird ihr in Erinnerung bleiben: "Es war ein langer Tag, abends hatte ich geschwollene Füße!" Ungewohnt für sie war auch das Tragen der Mund-Nase-Maske, was für Personal und Kundschaft Pflicht ist. "Es ist stickig und nach etlichen Stunden tut es hinter den Ohren weh. Aber es ist halt Vorschrift." Die Maske muss sie jede Stunde wechseln. Nach jedem Kunden zieht sie sich ein neues Paar Handschuhe an und desinfiziert Geräte und Arbeitsplatz. Der Umhang kommt sofort in die Waschmaschine. "Etwa zehn Minuten länger", schätzt Heike Schottenheim den zeitlichen Mehraufwand für die Einhaltung der strengen Hygienevorschriften.

Wir öffneten mit gemischten Gefühlen. Aber es funktioniert reibungslos und alle Kunden halten sich an das, was wir vorgeben müssen.

Heike Schottenheim, Mitinhaberin von "Style Lounge" in Nabburg

Ohne Waschen kein Schnitt

Männer trifft es besonders hart: Nachdem davon ausgegangen wird, dass sich die Viren auch auf der Kopfhaut aufhalten, ist der von ihnen beliebte Trockenschnitt verboten. Jetzt müssen auch die Herren "waschen, schneiden, föhnen" über sich ergehen lassen. Eine Premiere für Konrad Scherm, der sich zum ersten Mal von Lisa Dietrich, Inhaberin des Friseursalons "Haarzauber" in Neunburg vorm Wald, die Haare trocken föhnen lässt. Den Schnitt hat er schon hinter sich. "Es wurde Zeit, denn ich war das letzte Mal Anfang Februar hier", meint der glückliche Kunde, der aufgrund einer Absage einen Termin ergatterte. "Sonst hätte ich den Pelz noch länger rumtragen müssen", sagt er mit Blick zu den Haarbüscheln am Boden und ergänzt: "Ich hatte schon mal längere Haare, aber das war in meiner Jugend in den 60er Jahren." Die Mimik dazu kann man hinter der Maske nur erahnen und ein wenig an den Augen ablesen. Lisa Dietrich nimmt den dünnen "Einmal-Umhang" ab, der sogleich im Müllsack landet und geht zur Kasse. Mit Hygienepauschale ist der Friseurbesuch um zwei Euro teurer. "Kein Problem. An der Tankstelle muss ich auch bezahlen, was es kostet", sagt Konrad Scherm und gibt noch reichlich Trinkgeld.

Komplizierter vorgestellt

Eine Frau mit einem dringenden Terminwunsch kommt herein. Lisa Dietrich winkt ab: "Ich bin die nächsten zwei Wochen komplett ausgebucht." Sie macht Spiegel, Stuhl und Waschbecken sauber und erlöst eine Kundin von der Trockenhaube. "Ich hab es mir komplizierter vorgestellt. Aber es ist überhaupt kein Problem", bewertet sie die Arbeitsweise mit den geforderten Auflagen. Bartpflege und Make-up bleiben aber weiterhin verboten.

Bei Heike Schottenheim in Nabburg steht übernächste Woche eine Braut im Terminkalender. Diese darf sie nur frisieren, nicht schminken. "Aber schauen wir mal, ob die Hochzeit überhaupt stattfindet", meint die Friseurmeisterin achselzuckend. Übrigens: Im Nabburger Friseursalon "Style Lounge" wird den Männern gleich zweimal der Kopf gewaschen, und zwar vor und nach dem Haareschneiden.

Haarige Zeiten:

Termine

Friseure dürfen auch weiterhin ohne Terminvergabe arbeiten. Der Zentralverband empfiehlt jedoch, feste Termine auszumachen. Denn Wartebereiche in den Salons sind aufgrund der Abstandsregeln verboten; Kunden müssten draußen vor dem Laden warten.

Kontaktdaten

Es dürfen nur Kunden bedient werden, die bereit sind, ihren Namen und ihre Kontaktdaten zu hinterlassen, um eine mögliche Infektionskette nachzuvollziehen. Außerdem müssen sie bestätigen, dass sie keine Symptome einer Erkältung haben und nicht in Quarantäne sind.

Nicht alles möglich

"Gesichtsnahe Dienstleistungen wie Augenbrauen- und Wimpernfärben, Rasieren und Bartpflege dürfen derzeit nicht ausgeführt werden", steht in den arbeitsschutzrechtlichen Vorgaben der Berufsgenossenschaft. Trockenhaarschnitte sind nicht erlaubt und es darf kein Glas Wasser oder eine Tasse Cappuccino angeboten werden.

Preise

Die Schutz- und Hygieneregeln führen zu Mehrkosten und einem höheren zeitlichen Aufwand. Manche Salons erhöhen die Preise generell, andere verlangen einen Hygienezuschlag.

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