06.12.2021 - 14:44 Uhr
NabburgOberpfalz

Nabburger Tafel gibt mit neuem Lieferwagen Vollgas

Der Ford Customer ist für die Nabburger Tafel wie ein Weihnachtsgeschenk, das noch nicht verpackt ist. Der neue Lieferwagen muss nur noch mit dem Logo und den Sponsorennamen beschriftet werden, dann dreht er als Aushängeschild die Runden.

Hier steht das Schmuckstück der Nabburger Tafel: Der neue Lieferwagen. 39.000 Euro hat das Fahrzeug gekostet.
von Uli Piehler Kontakt Profil

Hinter einer abgesperrten Gitterwand am Bahnhof parkt das Schmuckstück der Nabburger Tafel, ein nagelneuer, weißer Lieferwagen, "mit Kühlzelle", wie der Vorsitzende der Tafel, Albert Bruckner, betont. Mit dem Fahrzeug holen die ehrenamtlichen Helfer der Einrichtung immer mittwochs die Lebensmittelspenden aus den Supermärkten der Umgebung ab. "Das ist eine tolle Sache", sagt der 68-Jährige über das Vehikel, das nun schon bald über dem weißen Lack das Erkennungszeichen des Vereins trägt. Erst im Mai 2021 war die Tafel Nabburg gegründet worden.

Miete bereitet auf Dauer Sorgen

Freilich war die Finanzierung des 39.000 Euro teuren Fahrzeugs kein Pappenstiel. "Aber wir haben das geschafft", freut sich der Leiter der Tafel. Er ist geradezu überwältigt von der Unterstützung, die er und sein rund 45-köpfiges Team von Privatpersonen und Firmen erfahren haben. "Wir haben seit der Gründung rund 60.000 Euro an Spenden eingenommen." Einen Großteil des Geldes investierte der Verein für den Lieferwagen, der überwiegende andere Teil wird als Rücklage für die Miete verwendet. Die Räume, die die Tafel in der Bahnhofstraße angemietet hat, schlagen mit 750 Euro pro Monat zu Buche. Tendenz steigend und Nebenkosten nicht mitgerechnet.

Dafür sind die Voraussetzungen für den Betrieb der Tafel in dem Haus, in der vorher die Geschäftsstelle der Caritas beheimatet war, ideal. "Wir sind für unsere Kunden gut erreichbar. Vor unserer Haustüre halten Züge und Busse", freut sich Bruckner. Seit 1. Oktober ist die Tafel offiziell Mieter. Am 25. November fand die erste Lebensmittel-Ausgabe statt. Bis jetzt hat der Verein 21 Berechtigungsscheine für Abholer ausgestellt, meistens an Familien. Mit den 21 Scheinen werden rund 70 Personen versorgt. "Zu uns kommen viele Geflüchtete, aber auch einheimische Rentner und Hartz-IV-Empfänger", erzählt Bruckner. Die Tafel hat immer donnerstags von 10 bis 12 Uhr geöffnet. Wer kommt und einen Berechtigungsschein vorweisen kann, muss zwei oder drei Euro zahlen und darf dann mitnehmen, so viel er tragen kann.

Formalitäten kosten Zeit

Mittlerweile ist Routine eingekehrt an den mit Backwaren und Gemüse bestückten Regalen. Bruckner und seine Helfer haben ihre Kundschaft in vier verschiedene Gruppen eingeteilt und weisen jeder Gruppe ein Zeitfenster zu - nach dem Rotationsprinzip, so dass nach und nach jeder die Chance hat, sich an der voll bestückten Auslage zu bedienen. "Das steuert den Ansturm und sorgt für Gerechtigkeit", berichtet Bruckner. Der pensionierte Rechtspfleger kann auf 45 ehrenamtliche Helfer zurückgreifen. Ein Teil davon trifft sich immer schon mittwochs Nachmittag, um die Supermärkte in Nabburg, Pfreimd und Wernberg-Köblitz anzufahren und die Waren abzuholen. Am Donnerstagmorgen ist dann die Frühschicht dran: Der Lieferwagen steuert Bäckereien an, die Brot, Semmeln und Süßgebäck zur Verfügung stellen. Um 9 Uhr trudeln dann in der Bahnhofstraße die ersten Kunden ein.

Eine Stunde vor Beginn der Ausgabe ist noch Zeit, Formalitäten zu erledigen. Denn es muss genau geprüft werden, ob die Kunden auch wirklich bedürftig sind. Da sind diverse Bescheide und Nachweise zu prüfen - SGB II, SGB III, Grundsicherung im Alter oder Asylbewerberleistungsgesetz sind Schlagwörter dazu. "Viel einfacher geht das Ganze, wenn Interessenten uns den SAD-Pass vorlegen", sagt Bruckner. "Da wird diese Prüfung quasi vorweggenommen." Den SAD-Pass erhalten Bedürftige auf Antrag bei der zuständigen Kommune oder beim Landratsamt. Und um 10 Uhr geht es dann los - mit motivierten Ehrenamtlichen vor den vollen Regalen.

Überraschung zu Weihnachten

Bruckner muss sich derzeit keine Sorgen machen, dass zu wenig Lebensmittel gespendet werden. Was ihn schon eher umtreibt ist die langfristige Sicherung der Immobilien-Miete. "Dazu brauchen wir immer wieder Geldspenden", sagt er. Allein mit Mitgliedsbeiträgen wird die Miete dauerhaft nicht zu sichern sein. Der Mindest-Mitgliedsbeitrag liegt bei zwölf Euro pro Jahr. "Wir haben aber auch Mitglieder dabei, die freiwillig ein paar hundert Euro bezahlen." Besonders Firmen und auch Kommunen greifen der Einrichtung so entscheidend unter die Arme. Die Stadt Nabburg ist mit 500 Euro dabei, die Nachbarstadt Pfreimd auch. Diese Beispiele könnten noch Schule machen, findet Bruckner. Aber jetzt muss erstmal der Lieferwagen mit der Werbung foliert werden, dann kommt Weihnachten, die auch für den Leiter der Tafel eine Bescherung bereit hält. Er freut sich riesig über das Angebot der Landwirtschaftsschule, am Tag vor Heiligabend Plätzchen für die Kunden zu spendieren. "Das sind so Sachen, die lassen einen die ganzen bürokratischen Hindernisse vergessen."

Im Mai 2021 wurde die Nabburger Tafel gegründet

Nabburg
Info:

Tafel Nabburg

  • Standort in den ehemaligen Räumen der Caritas-Geschäftsstelle, Bahnhofstraße 16.
  • Ausgabezeit immer donnerstags von 10 bis 12 Uhr.
  • Büro für Formalitäten ab 9 Uhr geöffnet.
  • Helfer für die Lebensmittel-Ausgabe immer noch gesucht.
  • Geldspenden für Unterhalt und Betrieb nötig.
  • www.tafel-nabburg.de
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