20.05.2021 - 19:59 Uhr
NabburgOberpfalz

Lust auf Urlaub größer als der Frust: Landkreis Schwandorf vor Gäste-Ansturm

Viel knapper geht es nicht. Ab Freitag, gerade rechtzeitig zu den Pfingstferien, erlaubt der Landkreis Schwandorf eine Öffnung der Unterkünfte für Touristen. Gastgeber schwanken zwischen Euphorie und Sorge.

Überall im Landkreis rüstet man sich für den Ansturm von Touristen, die ab Freitag, 21. Mai, wieder beherbergt werden dürfen. Im Hotel und Gasthof "Wolfringmühle" , wo Juniorchefin Katharina Auerbach gerade die Tische deckt (Bild) rechnet man aufgrund der bislang unsicheren Inzidenzzahl noch mit einigen spontanen Buchungen.
von Monika Bugl Kontakt Profil

"Die Leute wollen raus." Mit diesem Satz bringt Thomas Auerbach vom Hotel und Gasthof "Wolfringmühle" (Gemeinde Fensterbach) die Stimmung nach einem monatelangen Lockdown infolge der Corona-Pandemie auf den Punkt. Raus, das heißt für viele: Tapetenwechsel, verreisen, ab in den Urlaub. Nicht weniger dringlich haben Hoteliers, Inhaber von Pensionen und Ferienwohnungen und Campingplatz-Betreiber auf diesen Moment gewartet. Jetzt ist er da. Doch es gibt mehr als nur einen Wermutstropfen.

"Ja, jetzt geht es rund mit den Buchungen", bestätigt Auerbach als Geschäftsführer des Familienbetriebs "Wolfringmühle" in Fensterbach. Noch läuft der Run auf seine rund 100 Betten. "Die Leute sind inzwischen sehr spontan, alle orientieren sich an der Inzidenz, manche sind aber auch noch zögerlich", skizziert er die Lage bei den Beherbergungsbetrieben. Treue Geschäftskunden haben ihn davor bewahrt, jetzt von null auf hundert hochfahren zu müssen. Die Zwangspause im Tourismus konnte er für Neuerungen nutzen wie eine digitale Gästemappe, eine warme Ecke im Freien, eine Photovoltaikanlage und Pläne für eine kontaktlose Schließanlage.

Der Geschäftsführer hat bereits Schnelltests für die Gäste eingekauft, zwei Mitarbeiter haben eine entsprechende Einweisung, um die Test-Vorgaben für die Unterbringung von Touristen zu erfüllen. Die müssen nämlich nicht nur zur Anreise einen "frischen" Schnelltest mitbringen, sondern sich während des Aufenthalts alle 48 Stunden testen lassen. Wer heiß auf Urlaub ist, nimmt das offensichtlich in Kauf. Einer Familie, die jetzt anreisen wollte, nutzt das aber nichts: "Da gab es einen Fall in der Schule, die ganze Klasse muss in Quarantäne, jetzt dürfen alle erst danach anreisen", schildert Auerbach Faktoren, die zum Umbuchen führen.

"Viele Menschen buchen bereits bei der Abreise fürs nächste Jahr", weiß Alexandra Beier vom Tourismuszentrum Oberpfälzer Wald. Andere würden seit November auf eine Öffnung warten. "Alle sind jetzt froh übers Aufmachen", stellt sie fest, "da ist die Lust auf Urlaub größer als die Last mit der Testpflicht". Beier geht von einer "sehr, sehr guten Buchungssituation" für die Ferien aus, auch wenn der zusätzliche Aufwand mit Hygienekonzept und den obligatorischen Tests in diesem Jahr nicht zu unterschätzen ist.

Banger Blick auf Inzidenz

Monika Fischer, die im Erlebnishof Alletshof (Markt Wernberg-Köblitz) drei Ferienwohnungen anbietet, war vorsichtig mit Zusagen. "Wir haben abgewartet", berichtet sie mit Blick auf die entscheidende Inzidenzzahl im Landkreis, die in den vergangenen Tagen mal unter, mal über 100 lag. "Wir standen die letzten drei Wochen in ständigem Kontakt mit unseren Gästen, haben gehofft und gebangt", erzählt sie. In die Erleichterung, dass nun die Türen offen stehen, mischt sich noch immer die Angst davor, die Gäste wieder heimschicken zu müssen, falls die Infektionen wieder zunehmen. Die regelmäßigen Tests dagegen seien keine große Hürde, es überwiege die Devise "Hauptsache weg".

"Seit Monaten blicken wir auf eine grüne Wiese, wo normalerweise Camper stehen", schildert Harald Schrott die Lage im Campingpark Murner See, wo jetzt 150 Urlauberplätze neben den 100 Arealen für Dauercamper okkupiert werden dürfen. Als "chaotisch" empfand er die vergangenen Tage, die von großer Unsicherheit geprägt waren. Jetzt ist er erst einmal erleichtert, und der Campingplatz ist komplett ausgebucht. Für jeden, der stornieren muss, rückt schnell der nächste nach. Fürs Wochenende erwartet der Campingpark-Manager fast 1000 Besucher, weil hier auch noch ein Bully-Treffen geplant ist. Mit Unterstützung der Johanniter-Unfallhilfe will er vor Ort kostenlose Tests für die Urlauber anbieten.

Auf ein externes Test-Team setzt auch Hubert Obendorfer vom Landhotel "Birkenhof" mit knapp 160 Betten. Er lässt sich mit der Öffnung noch eine Woche länger Zeit. "Für uns war die Anlaufzeit einfach zu kurz", so der Kreisvorsitzende des Hotel- und Gaststättenverbands, der in Hofenstetten auf weitere Öffnungen für den Gastronomiebereich hofft. "Drinnen dürfen wir momentan nur Hotelgäste bewirten", bedauert er, das ist doch ein Witz!". So ganz will er auch den aktuellen Infektionszahlen noch nicht trauen, auf die er "wie auf ein Gebetbuch" blickt, immerhin sehe jetzt alles nach Beruhigung aus.

"Der Trend geht in die richtige Richtung, das schafft Sicherheit", davon ist auch Seenland-Geschäftsführer Joachim Häring überzeugt. "Wir leben in einer Zeit, in der es dazu gehört, sich den Regularien zu unterwerfen, wenn man Freiheiten genießen will", macht er klar. In vielen Telefonaten hat er festgestellt, wie wichtig nun auch Sicherheit im Urlaub ist. "Die Leistungsträger haben sich enorme Gedanken darüber gemacht", so seine Überzeugung.

Minus nicht aufzuholen

Dass es ein gutes Jahr für die Branche wird, ist trotz allem ausgeschlossen. "Für den Tourismus kann das kein normales Jahr sein. Das Minus aus den Vormonaten ist nicht mehr aufzuholen", stellt Alexandra Beier vom Tourismuszentrum in Nabburg klar: "Das kann man auch mit noch so vielen Buchungen in den Ferienwochen nicht mehr ausgleichen."

Besonders beliebt im Pandemiejahr 2020:

Neunburg vorm Wald

"Wir leben in einer Zeit, in der es dazu gehört, sich den Regularien zu unterwerfen, wenn man Freiheiten genießen will."

Joachim Häring

Joachim Häring

Juniorchef Thomas Auerbach vom Hotel und Gasthof "Wolfringmühle" traf am Donnerstag noch letzte Vorbereitungen für die Inbetriebnahme der Sauna.
Zwei Generationen kümmern sich im Familienbetrieb "Wolfringmühle" um die Sicherheit der touristischen Gäste, (von links) Josef Auerbach mit Frau Renate sowie Juniorchef Thomas Auerbach mit Schwester Katharina.
Beim Speisen auf dem Balkon, wo Juniorchefin Katharina Auerbach gerade die Tische deckt, stimmt schon mal das Lüftungskonzept. Dabei dürfen Gäste im Beherbergungsbetrieb sogar im Innenbereich bewirtet werden.
Ein Schwerpunkt für den Tourismus im Landkreis dürfte mit der Öffnung der Beherbergunsstätten auch in diesem Jahr das Seenland sein.
Hintergrund:

Rahmenkonzept für Gastgeber

  • Anreise: Für alle touristischen Gäste ist ein negativer Schnelltest oder PCR-Test erforderlich, der nicht älter als 24 Stunden sein darf (Ausnahme: Kinder unter 6, Genesene, Geimpfte), alternativ ist ein Test unter Aufsicht des Betreibers möglich.
  • Aufenthalt: Pro Wohneinheit dürfen nur Gäste aus einem Hausstand untergebracht werden, Maskenpflicht und Abstand sind zu beachten, alle 48 Stunden muss ein weiterer negativer Test (auch bei Inzidenz unter 35 oder 50) vorgewiesen werden.
  • Abreise: Liegt der Landkreis drei Tage in Folge über einer Inzidenz von 100, dann gilt ab dem fünften Tag eine neue Allgemeinverfügung - und die Gäste müssen abreisen. Bei positivem Test ist eine Absonderung erforderlich, ein PCR-Test muss erfolgen (Meldepflicht ans Gesundheitsamt) und unter Umständen auch die Abreise.
  • Bewirtung: Nur Gäste des Beherbergungsbetriebs dürfen derzeit in Innenräumen bewirtet werden.
  • Details: im Internet unter www.oberpfaelzerwald.de/restart-2021 (Direktlink zu Rahmenkonzept Beherbergung).

 

 

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