23.08.2020 - 13:00 Uhr
NabburgOberpfalz

Kulanz bei Absage von Festen im Kreis Schwandorf

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Für Veranstalter im Landkreis Schwandorf gehen coronabedingte Absagen meistens gut aus. Die Partner lassen Gnade vor Recht ergehen, drücken ein Auge zu bei Stornogebühren. Anlass zum Jubeln sieht keiner.

Solche ausgelassenen Feste hat es heuer nicht gegeben, geplant waren sie schon. Die Veranstalter mussten für die Absagen wenigstens nicht groß blechen.
von Irma Held Kontakt Profil

"In der Pandemie-Zeit haben alle sehr kulant und großzügig reagiert", sagt Martina Hölzl vom Touristikbüro Nabburg zur Anfrage von Oberpfalz-Medien, ob wegen der Absage des Mittelalterlichen Marktes finanzielle Entschädigungen gezahlt werden mussten. "Außer Arbeitszeit und Werbeausgaben sind keine Unkosten entstanden." Die weiteren Planungen seien rechtzeitig gestoppt worden. Diese Großzügigkeit bei Absagen erwarte sie in Zukunft nicht mehr, den Anbietern - sie nennt stellvertretend Künstler - stehe das Wasser inzwischen bis zum Hals.

Einnahmequellen weg

Martina Hölzl sieht die Schicksale, die hinter den gecancelten Veranstaltungen stehen, von den Standbetreibern bis hin zur Bühnentechnik. So zufriedenstellend es für die Stadt und die Nabburger Bürger ausgegangen sei, so schwer hätten auch Vereine am Ausfall des zweitägigen Mittelalterlichen Marktspektakels zu knabbern. Ihnen sei eine wichtige Einnahmequelle weggebrochen. Auch in die Kassen von Kindergärten, Schulen oder Seniorenheimen sei durch den Wegfall von Sommerfesten heuer nichts gespült worden, erzählt Hölzl.

Das Aus fürs "Mittelalter"

Nabburg

"Wir haben Ausgaben"

Die Feuerwehr Gaisthal ist eine von vielen Leidtragenden der Coronakrise. Sie hat ihr für diesen Juli geplantes 150. Gründungsfest auf Juni 2021 verschoben. "Das ist sehr gut und sehr konstruktiv abgelaufen", sagt Festleiter Audi Lurbiecki und meint das Entgegenkommen von Musikern, Brauerei, Zeltverleih und vielen mehr. Durch den Termin im Juni nächsten Jahres hoffe er, dass jeder sein Geschäft mache. Einige Tausend Euro hat die Feuerwehr dennoch in den Sand gesetzt, zum Beispiel für Flyer. "Wir haben Ausgaben und Einnahmen keine."

Auf Verständnis gestoßen

Eine dieser versiegten Einnahmequellen ist das Seefest in Schönsee. "Bei den Sponsoren sind wir auf Verständnis gestoßen." Lurbiecki ist froh, dass es hier keine Rückforderungen geben habe. Noch stehe ein großes Fragezeichen hinter dem Termin nächsten Jahres. "Wenn nicht, dann wird es sehr, sehr schwierig werden, das Fest stattfinden zulassen. "

"Wir haben keine Abschläge verlangt oder Kosten umgelegt", sagt Markus Neudert, Inhaber der Miesbergstuben in Schwarzenfeld, obwohl er gerade zu Anfang der Krise und des Lockdowns auf Ware sitzengeblieben sei. Alle Hochzeitsfeiern konnten seinen Worten nach bis auf eine im nächsten Jahr untergebracht werden. "Jetzt leben wir hauptsächlich von dem Ersparten."

Der Gastwirt hat sich neue Einnahmemöglichkeiten erschlossen, wie den Außer-Haus-Verkauf oder die Mitbewirtung beim Open-Air-Kino in Schwandorf. Langsam laufe es wider an mit kleineren Tagungen und am nächsten Wochenende der ersten Hochzeit. Sein Personal habe er halten können.

Festsaison gelaufen

Peter Vogl von der Schlossbrauerei Fuchsberg stellt unmissverständlich klar: "Ob mit oder ohne Corona, das Angebot gilt. Wenn der Kunde sein Fest absagt, hat er einen guten Grund." Da würden keine Abschläge oder Sonstiges verlangt, schließlich arbeite die Brauerei zum Teil seit Jahrzehnten mit Vereinen oder Wirten zusammen. "Stornogebühren hat's noch nie gegeben, und ich kann mir nicht vorstellen, dass es in Zukunft welche geben wird." Noch am Tag des Gesprächs mit Oberpfalz-Medien hat er eine Besprechung für ein Feuerwehrjubiläum im Jahr 2023. Die Festsaison sei gelaufen. Dagegen seien die Neuanmeldungen beim Heimdienst in den vergangenen Monaten stark gestiegen. "Wir haben Einbußen, die Wirte hatten null", will Vogl mit dem Schicksal nicht hadern.

Unkosten decken

Von Stornogebühren will man auch beim Zeltverleih Josef Paulus in Pfreimd nichts wissen. In Absprache mit dem Kunden, so Mitarbeiter Alexander Stephan, sei eine Art Bearbeitungsgebühr zum Decken der Unkosten ausgehandelt worden. Das seien individuell abgesprochene Beträge gewesen. "Wir sagen nicht: Bei der Stornierung wird so und so viel fällig." Außerdem wurde auch berücksichtigt, ob es sich um eine komplette Absage oder eine Verschiebung auf nächstes Jahr zum Beispiel gehandelt habe. "Wir wollen unsere Kunden nicht verlieren." Denkbar sei, in Zukunft in einem Vertragstext auf Stornogebühren bei höherer Gewalt hinzuweisen. Der Großteil der Zelte lagert in Pfreimd. Ein paar aktuelle Buchungen gebe es inzwischen wieder.

Die Flexibilität der Feuwehr Gaisthal

Gaisthal bei Schönsee

In der Pandemie-Zeit haben alle sehr kulant und großzügig reagiert

Martina Hölzl, Stadt Nabburg, zur Absage des Mittelalterlichen Marktes

Wir haben keine Abschläge verlangt oder Kosten umgelegt

Markus Neudert, Inhaber der Miesbergstuben

Termine:

Das ist geplant

  • Nikolausmarkt in Nabburg am 12. und 13 Dezember
  • Der Mittelalterliche Markt findet erst wieder 2022 statt. 2021 steht turnusmäßig das MusikFestival "tonart" auf dem Programm. Es soll am 17. und 18. Juli stattfinden.
  • Feuerwehrfest in Gaisthal vom 11. bis 14. Juni 2021
Der ausgefallene Mittelalterliche Markt hat der Stadt Nabburg Arbeitszeit und Werbematerial gekostet. Vielen örtlichen Vereinen fehlen aber die Einnahmen aus diesem Spektakel.

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