05.08.2020 - 19:29 Uhr
NabburgOberpfalz

Köstlerwenzlhof soll der zentrale Lernort des Oberpfälzer Freilandmuseums werden

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Tobias Hammerl, Leiter des Oberpfälzer Freilandmuseums Neusath-Perschen, will neu bauen. Dadurch soll der Köstlerwenzlhof wieder zu einem Vierseithof und zum neuen Lernort werden. Die Pläne will er im Herbst dem Bezirkstag vorlegen.

Auf der Fläche zwischen der Infotafel, auf der der Köstlerwenzlhof unter dem Namen Köstlerwenzlerhof geführt wird, und dem Gebäude im Hintergrund entsteht das neue Bauernhaus.
von Irma Held Kontakt Profil

Neben der bereits laufenden Erneuerung der Beschilderung auf dem Gelände des Freilandmuseums, die einen sechsstelligen Betrag kostet, genießen bei Tobias Hammerl planerisch zwei Großprojekte Priorität. "Wir haben keine Depotsituation, wo wir landwirtschaftliche Großgeräte vernünftig unterbringen können." In Arbeit sei deshalb ein sogenanntes Mengengerüst für ein neues Depot, will heißen der Bedarf an Lagerfläche, an Funktionen wie Hebebühne, Ölabscheider oder Werkstatt, soll ermittelt werden.

Depot für Großgeräte geplant

Außerdem verfüge das Museum auch über Geräte als Teil der kulturhistorischen Sammlung. Deshalb schwebe ihm der Charakter eines Schaudepots vor. "Ohne Fördergelder wird's nicht gehen", räumt der Museumsleiter im Gespräch mit Oberpfalz-Medien ein. In einem zweiten Schritt erst werde der Standort bestimmt, entweder im Anschluss an den Bauhof oder an das Zentraldepot. Nach dieser Grundlagenarbeit sei der Bezirkstag am Zug.

Das ist er auch beim zweiten Großprojekt. Der Denkenbauernhof, nahe am Eingang, beherbergt im ersten Stock die Museumspädagogik. Diese will Tobias Hammerl, unter anderem aus Gründen der Barrierefreiheit, in den Köstlerwenzlhof umsiedeln. Das macht für den Museumsleiter schon deshalb Sinn, weil beim Köstlerwenzl bereits Schulungen zu Lehmbautechniken oder Kurse über Dachformen stattfinden. Das Schul-Gartenprojekt schließt an den Hof an.

Neubau komplettiert Vierseithof

Der Köstlerwenzlhof soll, wie an seinem ursprünglichen Standort Neualbenreuth (Kreis Tirschenreuth), wieder zum Vierseithof werden. Das ist nicht so einfach, denn das Haupthaus ist noch in Neualbenreuth abgebrannt. Tobias Hammerl favorisiert deshalb einen Neubau, aber nicht irgendeinen.

Der Aufbau des Köstlerwenzlhofes

Die Größe des originären Bauernhauses bleibe unverändert, ebenso die Dachneigung und die räumliche Aufteilung. "Tritt man durch die Haustür liegt links die Stube als kleiner Gruppenraum und rechts im früheren Stall ein großer Gruppenraum. Oben entstehen zwei Schlafräume wie in Alpenvereinshütten und eine Toilettenanlage. Der Hof ist dann entsprechend abgeschlossen." Für alles Weitere schwebt dem Leiter des Museums ein Mix aus Alt und Neu vor.

"Supermodern und traditionell"

Auf einer Betonplatte werde das Haus in Holzständer-Bauweise errichtet. Die Pläne dazu erstellt nach den Worten von Tobias Hammerl Professor Max Zitzelsberger, der an der TU Kaiserslautern Holzbau lehrt. Die archivarische Recherche habe der Historiker Christoph Werner Karl geleistet und alte Planzeichnungen für moderne Planungstechniken aufbereitet. Als "supermodern und gleichzeitig traditionell" beschreibt Hammerl das Neubauprojekt, vorbehaltlich, dass es der Bezirkstag für gut heißt.

Virtueller Musuemsrundgang

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Der Museumschef will in Eigenregie, nachhaltig und möglichst materialarm bauen. Das Haus soll nach seiner Lebensdauer recyclebar sein, lautet das Ziel. Upcyceln ist ein weiters Schlagwort, das für ihn keine leere Hülse darstellt. "Fußbodenbretter können wir aus unserem Holz selber schneiden", nennt er nur ein Beispiel. Bei der Ausstattung komme nur Neues infrage, "wenn es nicht anders geht". Ebenfalls im Herbst würden dem Bezirkstag die Pläne vorgelegt.

"Kleine Architekturen" im Blick

Drei bis vier Jahre, schätzt Hammerl, werde sich die Maßnahme hinziehen. Der Köstlerwenzlhof ist vorerst das letzte große Ensemble im Museum, denn Tobias Hammerl hat jetzt "kleine Architekturen" im Blick. Gemeint sind unter anderem Telefonzellen, Trafo- und Waghäusln. Es geht ihm ums Dorf des 20. Jahrhunderts. Eine alte Tankstelle zählt deshalb ebenfalls zu den Objekten seiner Museumsbegierden. Er hat dazu eine genaue Vorstellung im Kopf und auf seinem Smartphone: zwei Zapfsäulen mit einem kleinen, vielleicht Werkstatt ähnlichem Gebäude dazu.

Fußbodenbretter können wir aus unserem Holz selber schneiden.

Tobias Hammerl, Leiter des Oberpfälzer Freilandmuseums Neusath-Perschen

Der Garten ist bereits ein Lernort für Schüler. In der Remise des Austragshäusls werden Kurse abgehalten. Das neue Gebäude soll den Vierseithof zum Garten hin komplettieren und für die Museumspädagogik genutzt werden.
Museumsleiter Tobias Hammerl erklärt in groben Zügen, wie die Verbindung aus modern und traditionell gelingen kann.

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