02.11.2020 - 14:59 Uhr
NabburgOberpfalz

Kampfzone Buchsbaumhecke: Zünsler im Naabtal auf dem Vormarsch

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Harmlos kommt er als Schmetterling angeflogen. Wenig später wird der Buchsbaumzünsler aber zum handfesten Problem. In Nabburg und Pfreimd haben Gartenfreunde den Kampf mit dem Schädling aufgenommen.

Alexandra Beier kontrolliert die üppige Buchshecke am Eingang zum Tourismuszentrum Oberpfälzer Wald. Im Frühjahr hatten Raupen des Zünslers die Anlage befallen.
von Monika Bugl Kontakt Profil

Radikalkur, Hochdruckreiniger oder chemische Keule? Der Buchsbaumzünsler gehört in der Corona-Pandemie zu den kleineren Übeln. Trotzdem hat sich sein Feldzug im Landkreis Schwandorf herumgesprochen. Inzwischen ist er vor allem im Naabtal gut vorangekommen. Beim Kreisgartenamt ging heuer ein Hilferuf aus dem Oberpfälzer Tourismuszentrum in Nabburg ein. In einem Pfreimder Neubaugebiet wird heftig diskutiert, ob präzise geschnittene, dekorative Buchskugeln gleich samt Wurzel weichen sollen oder sich eine Rettungsaktion lohnt.

Im Vorgarten des Oberpfälzer Tourismuszentrums in Nabburg war heuer der Einsatz eines Fachbetriebs von Erfolg gekrönt. "Unser Buchs hat sich für heuer gut geschlagen", berichtet Christina Adamietz. Schon im Herbst 2019 hatte das Team dort in der üppigen Hecke am Eingang verdächtige Fraßstellen entdeckt. Als die Mitarbeiterinnen dann im April die Sträucher kontrollierten, war die Sache klar. "Da waren überall richtig fette Raupen drin, das war ziemlich eklig", schildert Adamietz die Lage, als man einzelne etwas kahle Stellen genauer und vor allem tiefer unter die Lupe nahm. Denn der Buchsbaumzünsler arbeitet sich in der Regel von innen nach außen vor und wird deshalb erst spät entdeckt.

Die Belegschaft des Tourismuszentrums wandte sich ans Kreisgartenamt, das schließlich eine Baumschule aus dem Städtedreieck zur Schädlingsbekämpfung vermittelte. Die Fachleute übernahmen das Kommando und haben zumindest diese Schlacht gewonnen. "Jetzt sieht er wieder richtig gut aus, unser Buchs", sagt die Leiterin des Tourismuszentrums, Alexandra Beier, die seither ein wachsames Auge auf die das repräsentative Grün vor der Haustüre hat. Schließlich kennt sie einen Fall aus Burglengenfeld, wo der Zünsler innerhalb von nur zwei Wochen einen kompletten Bestand vernichtet hat. Ein massiver Befall wurde dort im vergangenen Jahr auch vom Friedhof gemeldet.

Oft zu spät erkannt

"Am Buchbaum selbst erkennt man den Zünsler meist zu spät", weiß Petra Schmid, die im Kreisgartenamt die Naabachse betreut. Die Tiere starten ihre Fress-Attacke meist innen, sind anfangs sehr klein und fallen erst auf, wenn man kleine Gespinste und Fraßschäden entdeckt. Rechtzeitig für eine sinnvolle Bekämpfung sei der Befall eigentlich über Buchsbaumzünsler-Fallen auszumachen. Der Schaden ist damit noch nicht gebannt. "Für einen Buchsbaumliebhaber, der sicherlich viele Buchsbäume im Garten stehen hat, kann es schon ein sehr großer Aufwand sein, den Schädling abzuwehren", bedauert Fachberaterin Schmid.

Inzwischen hat man schon ein paar Mittel parat, um den Angriff der Raupen abzuwehren. Bewährt haben sich nach Auskunft der Experten Mittel auf der Basis des Bacillus thuringienses. "Es wird über die Fraßtätigkeit aufgenommen und funktioniert erst ab einer Tagestemperatur von 15 Grad", informiert Schmid, "je kleiner die Raupen bei der Bekämpfung noch sind, desto besser ist die Wirksamkeit". Weniger empfehlenswert seien Kontaktmittel, die nur wirken, wenn man die Raupen direkt trifft. "An Einzelpflanzen kann man die etwas größeren Raupen auch mal absammeln", so der Rat der Fachleute.

Auch wenn der Zünsler sich schon breit gemacht hat, muss das nicht das Aus für den Buchs sein. "Ein Buchs, der von den Raupen kahlgefressen wurde, ist nicht zwangsläufig gleich tot, und man muss ihn nicht gleich rausreißen und wegschmeißen", tröstet Schmid. Ein kräftiger Rückschnitt könne durchaus dazu anregen, wieder neu auszutreiben. Ansonsten rät man im Kreisgartenamt zu einer möglichst natürlichen Wuchsform: "Regelmäßig in Form geschnittene Buchsbäume sind außen sehr dicht gewachsen, und man sieht schlecht in die Pflanze, was der Raupe natürlich entgegenkommt."

Sinnvolle Kontrolle

Jetzt bald, im Winter, legt der Schädling sowieso eine Fresspause ein - nachdem er im Spätsommer oder Herbst noch einmal Eier abgelegt hat. Daraus schlüpfen kleine Raupen, die am Buchs überwintern und im Frühjahr bei etwa sieben Grad wieder aktiv werden. "Die kleinen Räupchen im Herbst gleich noch zu bekämpfen wäre eine sinnvolle Maßnahme", meint Schmid, "dann läuft man nicht Gefahr, den Start des Raupenfraßes im Frühjahr zu verpassen."

Wer jetzt neu einen Garten anlegt, dem raten die Fachleute lieber gleich zu anderen immergrünen Pflanzen, allen voran "Ilex crenata" - zumindest solange bis man weiß, ob ein paar Buchsbaumsorten dem Appetit des Zünsler aus Geschmacksfragen entgehen. Immerhin scheint der 2006 zum ersten Mal in Deutschland gemeldete Schädling inzwischen auch ein paar natürliche Feinde zu haben. "Wir haben beobachtet, dass sich auch Meisen und Spatzen die Raupen holen", ergänzt Heidi Schmid die Ausführungen ihrer gleichnamigen Kollegin.

Noch mehr über den Buchsbaumzünsler

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Die kleinen Räupchen im Herbst gleich noch zu bekämpfen wäre eine sinnvolle Maßnahme. Dann läuft man nicht Gefahr, den Start des Raupenfraßes im Frühjahr zu verpassen.

Petra Schmid, Kreisgartenamt

Petra Schmid, Kreisgartenamt

Hintergrund:

Maßnahmen und Alternativen

  • Ausbreitung: Durch internationale Baumschulware eingeschleppt, breitet sich der Buchsbaumzünsler von Baden-Württemberg über Südbayern in Richtung Norden aus. Im Landkreis hat er höher gelegene Gebiete im Osten noch weitgehend verschont. Am stärksten ist aktuell das Naabtal betroffen.
  • Zyklus: Zünsler-Weibchen leben nur etwa acht Tage. Ab einer Temperatur von 7 Grad durchlaufen die Tiere bis zur Verpuppung sechs bis sieben Larven-Stadien. Pro Jahr können bis zu vier Generationen entstehen. ,
  • Gegenmittel: Raupen absammeln, auf extremen Formschnitt verzichten, bei massivem Befall starker Rückschnitt, Buchs mit Schlauch oder Hochdruckreiniger abspritzen, Bacillus thuringiensis.
  • Alternativen: Ilex crenata, Eiben (Taxus baccata oder Taxus media), Liguster, Lonicera oder Berberitze.
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