31.05.2021 - 15:53 Uhr
NabburgOberpfalz

Immer mehr Gewalt gegen Polizeibeamte

Spucken, schlagen, beleidigen, gefährliche Körperverletzung: Die Gewalt gegen Polizisten hat bayernweit zugenommen und ist auch im Landkreis Schwandorf spürbar. Dienststellenleiter berichten, wie sich der Berufsalltag verändert hat.

In den meisten Fällen gibt es für die Streifenbeamten im Landkreis Schwandorf keine Zwischenfälle. Doch ab und an werden auch sie Opfer von tätlichen Angriffen.
von Vanessa Lutz Kontakt Profil

Die Bandbreite der Delikte, denen Polizeibeamte bayernweit ausgesetzt sind, ist immens. Innenminister Joachim Herrmann thematisierte dieses Problem am 17. Mai in einer Pressekonferenz zum Lagebild der Gewalt gegen Polizeibeamte. Tenor: Die Angriffe gegen Beamte steigen merklich und stellen aktuell den Höchstwert im Vergleich zu vergangenen Jahren. Auch die Beamten im Landkreis Schwandorf sind mit diesem Problem konfrontiert. Doch was ist die Ursache? Oberpfalz-Medien hat bei den Dienststellen in Nabburg, Oberviechtach und Schwandorf nachgefragt.

Robert Feuerer, Dienststellenleiter in Oberviechtach bestätigt, dass in seinem Einsatzbereich das Verhalten in den letzten Jahren "anders geworden" ist. Zwar gebe es in seinem Bereich nicht unbedingt krasse Fälle, wie Faustschläge auf Beamte, wie er sagt. Die meisten Angriffe gegen Polizisten erfolgten während Widerstandshandlungen - und meistens, wenn auch noch Alkohol im Spiel sei. "Natürlich gab es das auch schon früher", weiß Feuerer. "Aber die Häufigkeit hat definitiv zugenommen."

Unversehrt nach Hause

Auch Dominik Plank, stellvertretender Dienststellenleiter in Schwandorf, sagt, dass bei Angriffen auf seine Kollegen meist Alkohol und Drogen im Spiel seien. Er kann konkrete Zahlen für Schwandorf vorlegen. So sei es im vergangenen Jahr zu 33 Angriffen auf Polizeibeamte gekommen - darunter Widerstandshandlungen, einfache und gefährliche Körperverletzungen, Nötigung und Beleidigung. Eine Häufung der Gewalttaten gegen seine Kollegen könne Plank anhand der Zahlen aber nicht feststellen. Diese seien relativ konstant.

"Bei uns sind die Zahlen rückläufig", sagt auch Stefan Weinberger von der Dienststelle in Nabburg. "Eine Verrohung können wir nicht feststellen." Konkrete Daten wolle er nicht nennen, doch die Delikte in seinem Bereich, die sich gegen seine Kollegen richten, seien ebenfalls Beleidigungen oder Widerstandshandlungen. Einmal sei einer seiner Kollegen beim Einsatz gar leicht verletzt worden. Sind die rückläufigen Zahlen ein Grund zur Freude? Weinberger macht klar: "Jede Gewalt gegen einen Beamten ist ein Problem." Denn jeder wolle nach der Arbeit unversehrt nach Hause kommen. Über den Grund, warum die Zahlen in Nabburg rückläufig sind könnte man nur spekulieren, sagt er. Weinberger vermutet, dass Corona seinen Teil dazu beiträgt. "Die Discotheken und Lokale sind geschlossen." Somit seien auch tendenziell weniger alkoholisierte Personen unterwegs.

Sehr kritisch beurteilt Gerhard Knorr von der Gewerkschaft der Polizei (GdP) Oberpfalz in der Gesamtschau die Lage. "Es ist extrem." Sicherlich könne man ein Stadt-Land-Gefälle ausmachen, wie er sagt. Die Situation in dörflichen Gebieten sei anders als in größeren Städten. "Doch bei der Gesamtzahl an Attacken gegen Polizisten in der Oberpfalz, 643 an der Zahl im vergangenen Jahr, zeigt sich, dass es jeden Tag fast zwei Angriffe auf Beamte gegeben hat."

Über die Gründe, warum Polizeibeamte überhaupt in ihrem Dienst angegangen werden, gibt es bislang noch keine belastbaren Studien. Robert Feuerer aus Oberviechtach sagt, seiner Meinung nach habe grundsätzlich der Respekt gegenüber Polizeibeamten merklich nachgelassen. "Ich denke", sagt Feuerer, "das ist ein gesellschaftliches Problem, vielleicht liegt es auch an der Erziehung." Manchmal spiele aber auch jugendlicher Übermut oder eine gewisse Gruppendynamik eine Rolle. Das bestätigt auch Knorr von der GdP: "Ich würde von einer Werte-Erosion sprechen."

Ursache Alkohol und Drogen

Alle drei Dienststellenleiter aus dem Landkreis nennen als wichtige Ursache Alkohol und Drogen. "Das hat natürlich auch eine enthemmende Wirkung", sagt Weinberger aus Nabburg. Mittlerweile seien die Beamten aber sehr gut geschult und auf brenzlige Situationen trainiert, erzählt Feuerer aus Oberviechtach. "Und auch die Bodycam, die vor zwei Jahren eingeführt worden ist, kann aus gefährlicheren Momenten die Luft rausnehmen." Diese hätten sich "ganz klar bewährt" und würden den Beamten zusätzlichen Schutz bieten.

Dass trotz der vielen Negativmeldungen immernoch viele junge Leute für den Job als Polizist begeistert werden können, bestätigt Dominic Stigler, Pressesprecher der Polizei Oberpfalz. "Insbesondere aus dem Landkreis Schwandorf gibt es regelmäßig Bewerbungen." Unter den Interessenten seien gleichwohl Männer und Frauen.

Und auch alle drei Dienststellenleiter des Landkreises sind sich einig, dass sie sich immer wieder für den Beruf entscheiden würden. Stefan Weinberger aus Nabburg sagt, für ihn sei es eine wichtige Aufgabe, für die Sicherheit der Bürger zu sorgen. Und auch Feuerer hat seine Berufswahl nie bereut. "Es gibt für mich keinen schöneren und abwechslungsreicheren Beruf."

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Hintergrund:

Zahlen und Fakten

Hier eine Übersicht über die Entwicklung der Fälle von verbaler und körperlicher Gewalt gegen Polizeibeamte in den vergangenen zwei Jahren:

  • Landkreis Schwandorf: 83 (2019), 76 (2020) - 2020 konnte ein leichter Rückgang von 8,4 Prozent festgestellt werden.
  • Oberpfalz: 584 (2019), 643 (2020) - 2020 konnte eine Steigerung der verbalen und körperlichen Gewalt von 10 Prozent festgestellt werden.
  • Bayern: 7958 (2019), 8587 (2020) - 2020 konnte eine Steigerung von 7,9 Prozent festgestellt werden.

 

 

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