23.04.2021 - 19:46 Uhr
NabburgOberpfalz

Wenn der Holzmarkt verrückt spielt: Schreiner und Zimmerer in der Warteschlange

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Der Holzpreis steigt und steigt. Kleine und große Zimmerereibetriebe und Schreinereien im Landkreis schlagen Alarm: Es hakt gewaltig am Nachschub. Allein an einem Bauboom liegt das nicht.

Das Holzlager im Sägewerk Bayerl bei Gleiritsch ist ziemlich abgeräumt. Bauboom und hohe Exporte in die USA haben die Vorräte schwinden lassen. Auch die Corona-Pandemie scheint dabei eine Rolle zu spielen. Schreiner und Zimmerer sind mit Engpässen und Preissteigerungen konfrontiert.
von Monika Bugl Kontakt Profil

So einen Engpass beim Rohstoff Holz gab es seit Jahren nicht mehr. Sägewerksbetreiber, Zimmerer und Schreiner sind fassungslos angesichts der Engpässe, die sich derzeit abzeichnen. Dazu kommen unkalkulierbare Kosten. "Man kriegt kein Material mehr. Und wenn man etwas bekommt, dann ist es doppelt so teuer", klagt Birgit Ficht von der gleichnamigen Zimmerei in Niedermurach. Das Material reiche gerade noch für die aktuelle Baustelle. Nur als Stammkunde habe man überhaupt eine Chance, beispielsweise OSB-Platten (Grobspanplatten) im Juni oder Juli geliefert zu bekommen. Für den Sommer sehe es schlecht aus. "Wir haben Arbeit ohne Ende, aber das Material fehlt", berichtet Ficht, "wenn das so weitergeht, müssen wir Kurzarbeit anmelden".

Dazu kommt der Preisdruck. "Wie sollen wir Angebote machen, wenn uns nicht einmal die Großhändler den Preis sagen können?", fragt sich Ficht. "Ein Verwandter von mir arbeitet in einem Baustoffgeschäft, auch da gibt es Lieferengpässe ohne Ende." Vor allem wer keine Lagerkapazität hat, ist jetzt arm dran.

Längst schlägt der Holzmangel auch bis zu den Schreinern durch. Schreinermeister Reinhold Kemptner aus Fensterbach hat zwar für einen größeren Auftrag, den Innenausbau in einer Schule, noch rechtzeitig Material bestellt, aber auch er bekommt die Lieferschwierigkeiten zu spüren. "Platten sind 20 bis 30 Prozent teurer, bei Massivholz hat sich der Preis fast verdoppelt", stellt er fest. In der Branche heiße es, dass viele Sägewerke in den USA wegen der Corona-Pandemie geschlossen seien, aber er ist skeptisch, ob der Export in die USA oder nach China der alleinige Grund für Engpässe ist. "Bei den Maurern hört man inzwischen auch, dass viele Baustoffe nicht lieferbar sind", merkt Kemptner an. "Notfalls müssen wir halt eine Pause einlegen."

"Wie in der DDR"

"Wir haben inzwischen Verhältnisse wie in der DDR", wundert sich auch Peter Stubenvoll, der in Pfreimd eine Schreinerei mit Bestattungsunternehmen betreibt. Auch sein Kleinbetrieb bleibt von den Verwerfungen auf dem Holzmarkt nicht verschont. Eineinhalb Kubikmeter Holz hatte er für einen Eichentreppe bestellt – "geliefert wird die Hälfte". Zehn Türen sollte er für einen Altbau liefern, doch für die dazu nötigen Platten steht er jetzt auf einer Warteliste. Und es sei abzusehen, dass für jede Tür 100 Euro mehr fürs Material zu berappen sind. Für Stubenvoll ist das auch eine Spätfolge der Kurzarbeitsphase zu Beginn der Pandemie. "Die großen Firmen haben ihre Lager komplett leergeräumt, jetzt fehlt der Rohstoff." Für den Schreiner ist klar, dass es nicht nur am Holz, sondern mittlerweile an vielen Kleinigkeiten hapert, ob an Bleiglasfenstern für einen Wohnzimmerschrank oder am Dunstabzug für eine Küchenzeile, der mit vier Monaten Verspätung geliefert wird. Immerhin: Bei Särgen, die als Rohlinge aus Osteuropa kommen, klappt es mit dem Nachschub.

Michael Bayerl, Juniorchef beim gleichnamigen Sägewerk im Gleiritscher Ortsteil Boxmühle, hat die Entwicklung schon im Herbst kommen sehen und sich im ersten Quartal schnell noch mit Rundholz eingedeckt. Sein Betrieb produziert Schnittholz und Paletten, bezieht sie teilweise aber auch aus dem Handel. "Wir sind bekannt dafür, dass wir alles auf Lager haben, aber inzwischen sind wir beim Schnittholz komplett leergeräumt", berichtet er. Noch während der Lieferzeit steige der Preis für Bauholz. "Kunden sagen uns, so eine extreme Preissteigerung von Schnittholz hätten sie noch nie erlebt," erzählt er und fügt kopfschüttelnd hinzu: "Der ganze Holzmarkt spielt verrückt." Für ihn hat das gleich mehrere Gründe: Da sind einmal die gestiegenen Exportmengen, vor allem die Giganten in der Branche exportieren nach USA und China, Länder die zum Teil astronomische Preise für das Holz zahlen. Sie sind es dann auch, die die Preise hier vorgeben. Dazu kommt ein Wirtschaftsboom. "In diesem Bereich wird extrem viel gebaut und konsumiert", sagt Bayerl. Ein Beispiel: Im vergangenen Jahr hat er doppelt so viele Sonderpaletten für Flachbildschirme produziert. "Die Leute sitzen daheim, haben viel Geld und können nicht in Urlaub fahren", spekuliert Bayerl über den Konsum, der ihm aktuell gutes Geld bringt. "Aber so wie es nach oben geht, kann es ganz schnell wieder nach unten gehen", warnt er und schreckt davor zurück, seine Stammkunden mit verdoppelten Preisen zu vergraulen.

Skepsis bei Waldbesitzern

Verhalten ist der Jubel über steigende Holzpreise auch bei der Waldbesitzervereinigung Nabburg-Burglengenfeld. "Unsere Waldbesitzer freut das natürlich", sagt Geschäftsführerin Yvonne Wolfrum. 90 Euro kostet momentan der Festmeter Fichte, bei Kiefer sind es 60 bis 70 Euro. Aber es gab auch Jahre, wo nur 35 Euro gezahlt wurden, egal ob frisch oder mit Käferbefall. "Wie das mit dem Preis weitergeht, wird vom Wetter und vom Käfer abhängen, und erfahrungsgemäß wird uns der Käfer auch in diesem Jahr noch erwischen", so Wolfrums Einschätzung. "Meine Glaskugel gibt da nicht sehr viel her", schränkt die Geschäftsführerin ein. Nur so viel sei klar: Die Sägeindustrie werde am Ende nicht schlecht dastehen. Der Waldbauer aber bekomme ähnlich wie der Landwirt "als Urproduzent nie das größte Stück vom Kuchen ab".

So schnell dreht sich der Holzmarkt

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"Kunden sagen uns, so eine extreme Preissteigerung von Schnittholz hätten sie noch nie erlebt."

Michael Bayerl, Juniorchef im Sägewerk Bayerl

Michael Bayerl, Juniorchef im Sägewerk Bayerl

Schnittholz und Paletten sind aktuell Mangelware. Wer jetzt bestellt und nicht gerade Stammkunde ist, hat schlechte Karten.

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