04.08.2020 - 16:52 Uhr
NabburgOberpfalz

Hanf, Holz, Kunststoff: Inotech setzt auf Innovation

"Du musst als Mannschaft immer eine Liga höher steigen." Unter dieser Prämisse führt Josef Gleixner die Inotech Group in Nabburg seit 30 Jahren. Neueste Idee: Kunststoff mit bis zu 70 Prozent Holzanteil.

Josef Gleixner erklärt ein Spritzguss-Werkzeug. In diese ausgeklügelten Formen wird der Kunststoff gepresst. Mit diesem Block zum Beispiel ein Teil einer Induktions-Kochstation.
von Clemens Hösamer Kontakt Profil

Individualisierung ist Trend der Stunde. Gerade auch in der Kosmetikindustrie. Warum soll also jede Cremedose aussehen wie die andere? Inotech packt noch eins drauf: Die neuesten Produkte, die Josef Gleixners Kunststoff-Unternehmen in Nabburg produziert, setzen auch auf Nachhaltigkeit. Kunststoffe, die bis zu 70 Prozent Holz, Hanf, sogar Zement enthalten. Zusammen mit der Technischen Hochschule Rosenheim sind Kunststoffe entstanden, die haptisch und optisch individuell daherkommen. Den Zuschlagstoffen ist es zu verdanken, dass keine Dose aussieht wie die andere.

"Wir arbeiten schon immer mit Hochschulen zusammen", erzählt Gleixner bei einem Pressetermin. Der sollte eigentlich auf ein großes Fest vorbereiten: Die Inotech besteht seit 30 Jahren, hat sich seither beachtlich entwickelt. Covid-19 machte diesen Plänen einen Strich durch die Rechnung. Stattdessen präsentieren Gleixner und seine Führungscrew die neusten Entwicklungen in kleinem Rahmen. Die Idee hinter den ungewöhnlichen Zusatzstoffen: "Wir müssen unser Material nicht von überall her holen." Und: Es entstehen sogar kompostierbare Kunststoffe, und es werden weniger fossile Rohstoffe verbraucht. "Wir können sie strecken", sagt Gleixner. Außerdem sind die Thermoplaste recyclingfähig - allerdings nicht grenzenlos.

Schlüssel-Weltmeister

"Wir waren einmal Schlüssel-Weltmeister", berichtet der Diplom-Ingenieur. Kunststoffteile aus mehreren Komponenten in einem Zug zu spritzen, das war und ist der Clou in der Inotech-Produktion. 92 Millionen Gehäuse für Autoschlüssel liefen so vom Band, ob für VW, Opel, oder BMW. "Das war unsere Schlüsseltechnologie", scherzt kaufmännischer Geschäftsführer Harald Kausler. Das Produkt-Portfolio ist heute wesentlich breiter aufgestellt. Zum Glück: Teile für Medizinprodukte oder Deckel für Wellness-Drinks boomen auch in Corona-Zeiten, während die Produktion von Bremsleuchten oder Telen für Kfz-Interieur gebremst läuft.

Im vergangenen Jahr erwirtschaftete die Inotech an ihren acht Standorten (fünf in Deutschland, zwei in Tschechien und einer in Bulgarien) mit etwa 550 Mitarbeitern einen Umsatz von rund 48 Millionen Euro, für 2020 war - vor Corona - ein Wachstum auf 53 Millionen geplant. "Bis 2025 wollen wir bei 100 Millionen sein", sagt Gleixner trotz der Krise. Rund 73 Prozent des Umsatzes stammen aus dem Automotive-Geschäft, mit Teilen für Telekommunikation, Technik, und Verpackungen wird der Großteil des Rests erwirtschaftet.

Kaffeesatz als Material

"Wir liefern ganze Systeme", betont Gleixner. Einen aus mehreren Teilen monierten Getränkehalter für Mercedes genauso wie Spender für Herren-Pflegeprodukte. Die Pumpen dafür sind selbst entwickelt. Wie vieles, was bei Inotech entsteht. "Ideen aufgreifen, weiter entwickeln und dabeibleiben", ist für Gleixner das Erfolgsrezept. "Der Vorteil ist: Wir haben lles nötige zur Verfügung". Zukunftsthema für ihn: "Industrie 4.0". Die nächste hochmoderne Spritzgussmaschine steht schon in der Halle. "Die lässt sich von zu Hause aus steuern, wenn es sein muss."

Die Inotech-Führungscrew mit Inhaber Josef Gleixner, kaufmännischem Geschäftsführer Harald Kausler, Ilja Sedlácek (Geschäftsführer Technik, Tachau) und Primaldo Capraro (Matrerialwirtschaft und IT, von links) präsentiert eine Reihe von Produkten.

Bei VW ist Inotech jetzt OEM-Lieferant, bringt also ganze Systeme direkt ans Band. Das, so Gleixner, sei eine wichtige Stufe der Erfolgsleiter gewesen. "Wir sind einer der größten der Branche in der Umgebung", sagt er selbstbewusst. Corona hin, Krise her: "Du musst als Mannschaft immer eine Liga höher steigen". Sei es mit 3-D-Lasern für die Formherstellung, die ganz neue Oberflächen oder Dekorationen ermöglicht. Oder hübschen, dunklen Cremedosen. "Da ist Kaffeesatz drin", sagt Gleixner. Niocht in der Dose, sondern in dem Kunststoff, aus dem sie produziert ist.

Kunststoff und Holz im Verbund: Inotech setzt bei neuen Produkten wie diesem Schraubdeckel für eine Cremedose auf Nachhaltigkeit und Rohstoffe aus der Region.
Hintergrund:

Daten der Inotech-Geschichte

Die Inotech besteht seit 30 Jahren. Bereits 1986 gründete Josef Gleixner schon länger die "Plast Engineering".

  • 1990: Gründung der Inotech Kunststofftechnik Nabburg.
  • 1994: Standort in Tachov (Tschechien) wird eröffnet.
  • 2006: Inotech Packaging and Design geht an den Start.
  • 2013: Logistikzentrum in Tachov wird gebaut.
  • 2015: Gesellschaft in Bulgarien wird gegründet.
  • 2017: Inotech übernimmt KTW Weiden
  • 2020: Start Produktion Bulgarien, Übernahme der FWE Eslarn.

Inotech plant Erweiterung in Eslarn

Eslarn
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