21.09.2020 - 18:24 Uhr
NabburgOberpfalz

Ganzjahresbad in Perschen: Erst finanzieren, dann planschen

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Ein Ganzjahresbad im Freizeitzentrum Perschen (Kreis Schwandorf): Durchaus machbar, ermitteln Fachleute. Aber die bestechende Idee kostet Millionen. Die wollen finanziert sein.

Östlich des Funktionsgebäudes (rechts) des Freizeitzentrums Perschen könnte ein Hallenbad mit zwei Becken entstehen. Der Volleyballplatz unten rechts müsste dann wohl weichen.
von Clemens Hösamer Kontakt Profil

Das Hallenbad auf dem Nabburger Schulberg ist marode. Das weiß der Kreistag seit spätestens 2018. Jetzt ist auch noch die Heizungssteuerung defekt (siehe Kasten). Der größte Schulstandort im Landkreis braucht aber ein Hallenbad - sollen die Appelle, dass wieder mehr Kinder besser oder überhaupt das Schwimmen lernen sollen, nicht ungehört untergehen. Seit einiger Zeit ist deshalb im Zweckverband, der das Freizeitzentrum Perschen betreibt, die Idee gereift, das Frei- zu einem Ganzjahresbad auszubauen. Zumal nicht nur die Schüler, sondern auch die Bereitschaftspolizisten aus dem Nabburger Standort eine Schwimmmöglichkeit brauchen.

Der Landkreis - mit 40 Prozent größter "Anteilseigner" des Freizeitzentrums - hat deshalb eine Machbarkeitsstudie in Auftrag gegeben. Frank Stürzl vom Planungsbüro SPP (Regensburg) stellte sie am Montag dem Kreistags-Ausschuss für Schulen, Planung und Bau vor.

Im Ergebnis wären für ein Ganzjahresbad drei Schritte notwendig: Das bestehende Funktionsgebäude (ohne Gastronomie) müsste von Grund auf saniert und erweitert werden. Positiv: Die Wasseraufbereitungsanlage würde auch für zusätzliche Becken reichen. "Es gibt also Synergieeffekte", sagte Stürzl. Eingang, Foyer, Kasse, dazu Cafeteria und größere Umkleiden und Sanitäranlagen müssten entstehen. Werkstätten, Sozialräume für die Mitarbeiter und der Raum für die Wasserwacht würden den Bedürfnissen angepasst. Dazu würde die Außenfassade bis an die schrägen Säulen im Süden vorgezogen.

"Charme der 1970er Jahre"

Das Gebäude selbst steht seit rund 50 Jahren. Auch wenn alle Anlagen gut gepflegt sind: Der Zahn der Zeit hat seine Spuren hinterlassen, "besonders die Sanitäranlagen versprühen den Charme der 1970er Jahre", sagte Stürzl. Der Bau müsse gedämmt werden, viele Leitungen erneuert werden. Kostenpunkt für die Sanierung und die Anbauten, in denen auch eine neue Heizungs- und Lüftungsanlage Platz finden soll: Etwa 3,1 Millionen Euro.

Die beiden Hallenbecken hätten nach Stürzls Vorstellungen Richtung Osten (zur Autobahn hin) Platz. Rund 48 Meter würden die beiden Hallen zur Straße hin messen, die größere etwa 35 Meter breit ins Gelände reichen. Von den Umkleiden ginge es in einem Gang in die kleinere Halle mit dem rund 12 mal 9 Meter großen Lehrschwimmbecken. Hier könnte auch das Dampfbad untergebracht werden. Kosten: rund 2,5 Millionen Euro.

Becken aus Edelstahl

Daran schließt sich in den Plänen die Halle mit dem Sportschwimmbecken an, das bei sechs Bahnen etwa 25 mal 15 Meter groß würde. Stürzl empfahl Edelstahlbecken. Für die Leitungen müssten die Hallen unterkellert werden. Die große Halle ist mit 3,3 Millionen Euro taxiert. Die Gesamtkosten dürften also zwischen 9 und 10 Millionen Euro liegen. Der Bau sei in drei Abschnitten möglich, ohne das Freibad schließen zu müssen, sagte Stürzl.

Armin Schärtl (SPD) sagte angesichts dieser Summe, dass wohl weder die Stadt Nabburg (35 Prozent Anteil) noch die Stadt Pfreimd (25 Prozent) die Summen stemmen könnten. Bei stellvertretendem Landrat Richard Tischler (FW), der die Sitzung in Vertretung des verhinderten Thomas Ebeling leitete, stieß er da auf offene Ohren. Tischler, der als Pfreimder Bürgermeister die Situation natürlich kennt, schlug vor, das Projekt zunächst zu einem Förderprogramm des Bundes für Bäder anzumelden. Dann könnten auch weitere Zuschussmöglichkeiten vom Freistaat ausgelotet werden. Die Entscheidung, ob das Projekt überhaupt zum tragen kommt, müsse dann zunächst in den beiden Stadträten, im Kreistag und im Zweckverband fallen. Der Ausschuss schloss sich dem einstimmig an.

Im Blickpunkt:

Hallenbad öffnet erst Ende Januar

Das Hallenbad am Nabburger Schulberg kann im Oktober nicht öffnen. Das gab stellvertretender Landrat Richard Tischler am Montag in der Sitzung des Kreistags-Ausschusses für Schulen, Planung und Bau bekannt. Die Steuerungsanlage der Heizung, die das Johann-Andreas-Schmeller-Gymnasium und das Hallenbad versorgt, ist defekt. Nun wird zunächst die Steuerung für die Schule erneuert. Dann kommt die für das Bad dran. Laut Tischler wird eine Öffnung des Schulhallenbades frühestens Ende Januar 2021 möglich sein. (ch)

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