22.09.2020 - 19:19 Uhr
NabburgOberpfalz

Freilandmuseum Oberpfalz: Bezirkstag setzt neue Schwerpunkte

Nicht nur Sammeln und Bewahren: Nach 40 Jahren stellt das Freilandmuseum Oberpfalz die Weichen neu. Das Ziel: Der Mensch als Akteur. Der neue Museumsleiter stellt seine Ideen dem Bezirkstag vor.

Museumsleiter Tobias Hammerl (rechts) und Bezirkstagspräsident Franz Löffler (links) stellen die Pläne für das Freilandmuseum Oberpfalz vor.
von Gertraud Portner Kontakt Profil

Idylle pur erwartete die Mitglieder des Bezirkstages am Dienstagnachmittag bei der Sitzung im Freilandmuseum Oberpfalz. Museumsleiter Tobias Hammerl hatte mit seinem Team den Innenhof des Köstlerwenzel-Anwesens mit einzeln stehenden Tischen und großen Sonnenschirmen in einen Tagungsort nach Corona-Vorgaben verwandelt. Nach der Neubesetzung von Ausschüssen und dem Beschluss für ein integriertes Klimaschutzkonzept einschließlich einer zusätzlichen 0,5-Planstelle stand das Strategiekonzept des Freilandmuseums im Mittelpunkt.

„Es gibt unterschiedliche Aspekte, ein Museum zu betreiben“, stellte Präsident Franz Löffler fest. Der Bezirkstag habe deshalb bereits im Jahr 2015 den Strategieprozess aufgegriffen. Die Umsetzung wolle man jetzt mit dem neuen Museumsleiter Tobias Hammerl in Angriff nehmen. Der Präsident stellte aber auch klar: „Wir sind und wir bleiben ein regionales Museum.“ Die Ziele: Der Mensch als Akteur und nicht nur als Betrachter sowie die Ausdehnung auf die jüngere Zeit. Wie Löffler feststellte, ende das Museum jetzt um das Jahr 1940. Das wolle man ändern.

Eine Reise in die Vergangenheit im Freilandmuseum

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„Dorf des 20. Jahrhunderts“

Hierzu hatte Tobias Hammerl bereits konkrete Vorschläge. Und zwar das „Dorf des 20. Jahrhunderts“. Das Naabtal-Dorf im hinteren Bereich des Museums sei der ideale Ort, um die Entwicklung des ländlichen Raums darzustellen. Hammerl kann sich gegenüber der Schmiede eine Tankstelle vorstellen, ums Eck will er ein Trafohäuschen mit einer Oberlandleitung aufstellen und auch mit einer Telefonzelle aus den 1950er-Jahren liebäugelt er.

Es gibt unterschiedliche Aspekte, ein Museum zu betreiben.

Bezirkstagspräsident Franz Löffler

Bezirkstagspräsident Franz Löffler

Spielscheune und Bänke

Priorität eins habe die Museumspädagogik mit der Errichtung des Lernhofs Köstlerwenzel (Umbau zu einem Vierseithof). Ein Anliegen ist Tobias Hammerl auch das Großgeräte-Depot, wie er mit Blick auf die Leiterwagen-Sammlung in der Remise feststellte. Der neue Museumsleiter will aber nicht nur die Sammlungsstücke fachgerecht für die Nachwelt erhalten, er hat auch die Gäste im Blick: „Unsere Besucher sollen sich wohlfühlen.“ In einigen Jahren soll es eine zweite Gastronomie im vorderen Bereich geben, und auch die Aufenthaltsqualität für Senioren (mehr Bänke) und Familien (neuer Spiel- und Erlebnisplatz) will er steigern. „Das Museum ist ein Ort des sozialen Miteinanders und leistet einen Beitrag zum gesellschaftlichen Diskurs“, stellte Hammerl fest. Das Freilandmuseum, als das „kulturelle Gedächtnis der Oberpfalz“, stelle deshalb künftig den „Menschen als Individuum im Kontext von Natur und Kultur“ in den Mittelpunkt der Betrachtung.

„Das Großgeräte-Depot ist dringend notwendig“, betonte Kulturreferent Richard Gaßner bei der anschließenden Diskussion. Er warb dafür, auch für den Lernhof Köstlerwenzel genügend Mittel in den Haushalt einzustellen. „Der Bezirkstag nimmt das Konzept zustimmend zur Kenntnis“, wie sich Präsident Franz Löffler ausdrückte, konkrete Maßnahmen seien vor der Aufnahme in den Haushaltsplan jeweils vorzustellen.

An die Tagung schloss sich ein informativer Rundgang mit der stellvertretenden Museumsleiterin Johanna Ullmann-Süß an. Diese stellte Ansätze vor, wie die Entwicklung des Museums hin zum 21. Jahrhundert gelingen kann.

Hintergrund:

Das Freilandmuseum Oberpfalz

  • Ausgangslage
    Als das Freilandmuseum in Perschen vor 40 Jahren gegründet wurde, stand die Sammlung der Bräuche und Häuser im Mittelpunkt. Der Schwerpunkt „Architektur“ wurde vom Thema „Natur“ abgelöst. Künftig soll der Mensch, der einmal in den aufgebauten Häusern gelebt hat, in Erscheinung treten.
  • Schlüsselprojekte
    Großgeräte-Depot mit Erweiterung der Sammlungsbestände auf das 20. Jahrhundert; Lernhof Köstlerwenzel (zwei Gruppenräume und Übernachtungsmöglichkeit für Jugendgruppen und Schulklassen); Weiterentwicklung des Museumsgeländes „Dorfs des 20. Jahrhunderts“.
  • Weitere Maßnahmen
    Steigerung der Aufenthaltsqualität durch Gastronomiekonzept, Ertüchtigung des Tummelplatzes und einer neuen Spielscheune. Angedacht sind weiter eine Wendemöglichkeit für Busse nach dem Wirtshaus, die Sanierung von Ausstellungs- und Eingangsgebäude.
Der Bezirkstag tagte am Dienstag im Freilandmuseum Oberpfalz in Neusath. Präsident Franz Löffler (Zweiter von links) erläuterte das neue Strategiekonzept mit Errichtung des Lernhofs Kösterlwenzel (Bild) und einem Großgeräte-Depot.
Die stellvertretende Museumsleiterin Johanna Ullmann-Süß wartete beim Rundgang mit vielen Informationen auf.
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